Die Pfauenfeder

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18. Dezember, ein Montag

Die letzte gemeinsame Woche ist angebrochen. Ich kann nicht behaupten, bei dem Gedanken an eine PFAUENFEDER-Reiseverein-freie Existenz überkomme mich eine schier übermenschliche Trauer. Nein, nein, so schlimm ist es nicht. Ich kanns einfach kaum erwarten. Ich jubele innerlich. Am ersten Weihnachtsfeiertag ist für mich Weihnachten und Ostern zusammen. Was mir Sorgen macht, ist allein die noch ungeklärte Täterfrage in Sachen Mord am Großen Unbekannten, aber da ich ja bekanntlich der Autor bin, so eine Art Privatgott in meinem eigenen Universum aus Buchstaben, werde ich mir einen auswählen, der den Mörder spielen muß. Und ich weiß auch schon wen. „Kommt gar nicht in die Tüte!“ wehrt sich Hutschenreuther. „Als unbescholtenes Muttersöhnchen, um nicht zu sagen ödipales, eisschleckendes, nichttippendes und damit lottogewinnendes Arschloch habe ich schon Päckchen genug zu tragen! Und jetzt auch noch Mörder! Nein, nein!“

Sylvia wiegt nachdenklich den Kopf. „Und überhaupt...“ überhauptet sie, „...wir sind ja mit den Verhören noch gar nicht fertig. Zum Beispiel Sie, Herr Autor, sind einem solchen noch nicht unterzogen worden.“

„Sehr richtig!“ unterstützen Haberkorn, Dobrowski und Hutschenreuther den seltsamen Gedankengang Sylvias. „Der Autor ist immer der Mörder, das kennt man seit Agatha Christie!“ „Unsinn!“ kontere ich. „Seien Sie doch nicht blöd! Schließlich kann ich mich nicht selbst verhören!“

„Dann mach ichs!“ bietet sich Hutschenreuther an und fährt fort: „Allerdings erübrigt sich das, meines Erachtens. Sie als Autor und Gott haben diesen Mord auf jeden Fall begangen, weil Sie eine Person erschaffen haben, die den armen Großen Unbekannten übern Jordan geschickt hat. Das nennt man Anstiftung zum Mord! Und außerdem: Was kann denn der arme Mörder dafür, daß er gemordet hat? Er tat es doch nur, weil SIE ihn dazu zwangen, indem Sie, um diesen verfluchten CONTENT zu bekommen, Zeilen schinden mußten. Ich erinnere mich noch gut an jenen Tag, da Sie wie ein paralysierter Ochse vor dem Rechner saßen und murmelten: ‘Verdammt, verdammt, mir fällt nix ein!´ - Und dann malte sich plötzlich ein satanisches, um nicht zu sagen diabolisches Lächeln auf Ihre Lippen, und Sie begannen den Mord zu inszenieren. Ich weiß, ich weiß: Das würde Ihnen gut in den Kram passen, mir die Sauerei unterschieben zu können! Wo ich doch als Lottogewinner pp.... und mehr Schlag bei den Weibern hab ich sowieso! Wer kriegt denn diese obszönen Mails, hä? Wem schreiben denn die Weiber ihre Körbchengröße, hä? Ihnen? Ha! Daß ich nicht lache! Das einzige, was Sie noch flachlegen können ist ein Klappstuhl! Ha, ha, ha!“

Muß ich mir das bieten lassen? Jedenfalls weiß ich jetzt, wie GOTT, der Allmächtige, sich fühlen muß, wenn hienieden auf Erden wiedermal seiner gelästert wird. Undankbares Pack! Man sollte sie alle auf der Stelle aus dem Roman werfen!

In diesem Augenblick kommt ein LKW des Weges, der leider auch der Hutschenreuthers ist, und überfährt den Armen derart, daß nichts mehr von ihm (dem Hutschenreuther) übrigbleibt als ein großer blauer Tintenfleck.

„Ha!“ triumphiere ich, „das ist die Strafe! Na, will noch jemand etwas sagen? Hä?“

„Das ist doch...“ brüskiert sich Elfriede. „Wenn Sie das Ganze nicht sofort rückgängig machen, wird es heute nacht nix mit Neokonstruktivismus. Dann können Sie das mal mit sich selber ausdiskutieren. Ha, ha, ha!“ Das ist Erpressung. Aber gut. Sollte ja auch nur eine Warnung sein. Ich korrigiere also wie folgt:

In diesem Moment kommt ein LKW des Weges, der leider nicht der Weg Hutschenreuthers ist. Er fährt knapp an diesem vorbei und setzt seinen Weg fort. „Puh!“ stöhnt Hutschenreuther, „noch mal Glück gehabt! Stellen Sie sich vor, der hätte mich erwischt! Von mir wäre doch nichts weiter übriggeblieben als ein großer blauer Tintenfleck! Wo waren wir stehengeblieben?“

Na, hier in der Fußgängerzone, wo sonst. Da hinten locken schon die Glühwein-und Dampfnudelbuden, und bevor ich „Der Autor sei euer Gott und Herr“ sagen kann, ist die ganze Meute auch schon quer übern Platz und bestellt die erste Runde.

 

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