Die Pfauenfeder

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22. Dezember, ein Freitag

Ha! Dumme Gesichter, als wir heute morgen unser Hotel verlassen wollen. Wir sind eingeschneit! Der Hotelier ist untröstlich; nicht eine Flasche Glühwein, nicht eine verdammte Dampfnudel lagert in seinen Vorratshallen. - Aber halt.... nicht eine Flasche? ....nicht eine Nudel? ... Doch! In meinem Koffer wartet noch immer die eiserne Ration auf ihren Verzehr, und sofort bin ich wieder der umschwärmte Mittelpunkt unserer Gruppe.

„Mein Freund!“ schleimt Hutschenreuther, „schon als Kind habe ich Ihre Schreibe bewundert und alle Ihre Romane gelesen, nein, verschlungen! Apropos verschlungen: Ha´m Se nich, ha´m Se nich, ham Se nich ne Dampfnudel für mich?“

Auch in puncto Neokonstruktivismus läuft alles wieder prima, wenn auch der von Elfriede und Sylvia gleichermaßen angestellte Vergleich, gegen mich sei Brad Pitt ein häßliches Nichts, etwas übertrieben zu sein scheint. Oder doch nicht? - Hm, eigentlich haben sie ja recht...

Kurzum: Ich befinde mich wieder an den Schalthebeln der Macht und nutze dies weidlich aus. „Wenn Sie, Hutschenreuther, einen Schluck Glühwein sowie einen Biß in diese wunderbare, feine Dampfnudel da abhaben wollen, müssen Sie jetzt aber - um im Bilde zu bleiben - reinen Wein einschenken. Also! Was passierte beim Personal-Casting? Warum verhöhnen Sie mich?“

Hutschenreuther setzt sein charmantestes und durchtriebenstes Lächeln auf. „Ach“ beginnt er, „das ist eine komplizierte Geschichte. Also es war so. Ich ging zu diesem Casting, weil ich ja irgendetwas für meine Zukunft als Romanfigur tun mußte. Zufällig traf ich dabei einen gewissen Herrn Fridolin Graubein, seines Zeichens Frührentner und Science Fiction - Autor. Wir kamen ins Gespräch, und ich erfuhr folgendes: Herr Fridolin Graubein ist der Autor eines Buches namens „Sushi um halb 2“, in welchem er eine fiktive Internetredaktion auftreten läßt, die ihre Tage damit verbringt, Sushi von massiven Silberplatten zu essen. Diese Redaktion heißt - Sie ahnen es sicher schon - HINTERNET. Will sagen: Diese berühmte und sicherlich kompetente Online-Illustrierte ist reine Erfindung! Ein Produkt der abstrusen Phantasie des Frührentners Graubein! Es gibt sie gar nicht! Und SIE, mein lieber Autor, sind folglich auch gar kein richtiger Autor aus Fleisch und Blut, wie z.B. Herr Westerwelle, sondern - ebenfalls eine Romanfigur, die halt zufällig Autor ist!“

Das sitzt! Ich schlucke. „Aber....“ stammele ich, „dann befinden wir uns quasi im Gewirr eines sogenannten Metatextes!“ „Sie sagen es!“ sagt Hutschenreuther. „Auf einer Metaebene sozusagen!“ „Ja, ja!“ bestätigt Haberkorn, der unser Gespräch flüchtig mit angehört hat, „die gute alte Meta Ebene! Eine Rasseweib! Geborene Meta Physik übrigens!“

Nachdem wir Haberkorn mit vereinten Kräften zu einem Schneemann verarbeitet und im Vorgarten des Hotels aufgestellt haben, fährt Hutschenreuther in seiner Erzählung fort: „Herr Graubein schließlich ist auch kein richtiger Autor, sondern die Erfindung eines gewissen Jean Jacques Zwiebelkuchen und agiert in dessen Roman „Das Netz der Verdammten“. In diesem Werk erfindet Jean Jacques Zwiebelkuchen eine Apparatur, mit der man innerhalb eines WWW genannten Netzwerks kommunizieren kann. Zwiebelkuchen selbst ist die Schöpfung von Peter Wabbel-Storch in dessen Opus Magnum „Ein Planet namens Erde“. Wabbel-Storch wiederum entstammt dem Großroman „Das Universum und wie ich es erschuf“ von... na, raten Sie´s?“

„Nein!“ schreie ich auf, „doch nicht etwa Guido Westerwelle?“

„Genau!“ bestätigt Hutschenreuther meine schlimmsten Befürchtungen. „Und bei diesem Casting sind nun der Frührentner Graubein und ich übereingekommen, daß ich ab 25. Dezember in einem neuen Roman von ihm agiere, der „Der Lottogewinner und seine tollen Weiber“ heißen wird. Meine Rolle ist natürlich die der Titelfigur, eines erfolgreichen Krimiautors, der soeben damit begonnen hat, den nächsten Weihnachtskrimi fürs HINTERNET zu schreiben. In diesem geht es um die bestialische Folterung einer bereits aus Graubeins Roman „Sushi um halb zwei“ bekannten Figur. Sie wird dort Dieter Paul Rudolph genannt und schimpft sich Autor, ist aber in Wirklichkeit nur Besitzer einer Kiste Glühwein und eines Berges Dampfnudeln. Apropos: Jetzt, wo ich Ihnen alles erzählt habe: Sie sollten sich gut mit mir halten, wenn Sie im phantastischen Roman „Der Lottogewinner und seine tollen Weiber“ nicht allzu schlecht davonkommen wollen...“

 

 

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