Die Pfauenfeder

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23. Dezember, ein Samstag

Nein, es ist nicht zu übersehen: Eine gewisse Melancholie, wie man sie eigentlich nur aus den Romanen von Hera Lind kennt, hat sich bei uns breitgemacht, ein, wie der Franzose sagt, sentiment sentimentale oder, so formuliert es der Angelsachse, a fucking feeling, welches immer dann am stärksten wird, wenn wir uns bewußt werden, daß morgen alles vorbei ist. Vorbei! Was für ein großes Wort! So groß wie „Wanderschuhe“, viel größer als „Puddingschüssel“ und beinahe so groß wie „Fünfhundertmarkschein“! Aber bis alles vorbei ist, gibt es noch viel zu tun.

„Denn“ erinnere ich meine Gefährten, „wir müssen morgen mit einem großen Bahnhof rechnen, wenn wir endlich heimkehren und uns mit den anderen Reisegesellschaften vereinigen. Wie mir der Chefredakteur soeben gemailt hat, gibt es einen großen Empfang im Rathaus mit unglaublichem Rahmenprogramm. Der Bad Tölzer Knabenchor singt ein Medley der schönsten und unvergeßlichsten Hits von Frank Zappa, das Blasorchester Dudenhofen präsentiert sein legendäres Nacktblasen, dazu treten auf: Reinhard Mey, Peter Maffay, die Gruppe Pur sowie Blümchen und die Söhne Mannheims. Und alle, alle werden sie da sein: Guido Westerwelle natürlich, der bei dieser Gelegenheit sein neuestes Buch „Wie ich Gott wurde und was das bedeutet“ vorstellen wird, Berti Vogts, der aus den Memoiren Helmut Kohls liest, Verona Feldbusch und Jenny Elvers, die endlich die Frage klären wollen, wessen Busen mehr gekostet hat.“

„Das sind ja schöne Aussichten!“ kommentiert Haberkorn, und Dobrowski pflichtet ihm eifrig bei: „Schöne Aussichten, gewiß. Wenn jetzt noch Christoph Daum käme, wäre die Mischpoke komplett.“

Ich winke ab. „Das ist nicht unser Problem. Unser Problem ist es, den Mordfall aufzuklären, der unsere Reise auf so unerquickliche Art überschattet. Ich schlage vor, wir losen den Mörder aus.“

Protest allenthalben. Die Punkgörls greinen, sie seien doch minderjährig und dürften daher an Glücksspielen noch nicht teilnehmen. Auch Beate, „Baby“ genannt, kann sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, die nächsten zehn Jahre in einer Zelle bei Wasser und Brot abzusitzen, hat sie doch endlich einen Werbevertrag bei der Firma KITEKAT unterschrieben. „Stellen Sie sich bloß vor“ stellt sich Elfriede, die stolze Mutter, vor, „meine Beate soll in einem Fernsehwerbespot einer Katze auf den Schwanz treten und dabei ausrufen: ‘Nun friß schon das gute KITEKAT, Alexander!´“

Wir sind beeindruckt. Was aber leider unser Problem nicht löst. „Gut“ schlage ich weiter vor, „dann halten wir es so wie die berühmte Agatha Christie in ihrem noch berühmteren Roman ‘Mord im Orientexpreß´: Jeder von uns übernimmt die Verantwortung für einen Teil des Mordes. Dann wird die Strafe durch 10 geteilt, d.h. wenn wir ‘Rotten´ noch hinzurechnen, gar durch 11. Bei 15 Jahren werden wir nach zehn Jahren begnadigt, das heißt, jeder von uns muß nicht einmal ein schlappes Jahr absitzen. Davon die letzten sechs Monate im offenen Strafvollzug mit Freigang. Wäre das nichts?“ „Das wäre....“ setzt Hutschtenreuther an „...überhaupt nichts! Ich habe immerhin bald eine tragende Rolle in einem phänomenalen Roman zu übernehmen! Nein, nein, wir müssen das anders lösen!“

Aber wie? Wir überlegen angestrengt. Selbst ‘Rotten´ legt seine Stirn in Falten und tut so, als hause noch immer der wiedergeborene Dichterfürst in ihm. Endlich meldet sich Elfriede zu Wort. „Ich habs!“ ruft sie laut und freudig erregt, „Wir überlegen uns, wer es gewesen sein könnte und schreiben den Namen auf einen Zettel. Wenn ein Leser nun unbedingt erfahren möchte, wer den großen Unbekannten ermordet hat, soll er fünfzig Mark überweisen. Wir sagen ihm dann, wers war. Das ist strafrechtlich völlig unverbindlich und bringt uns hübsche Einnahmen, mit denen wir Weihnachten feiern könnten wie Gott in Frankreich!“

„Hervorragend!“ lobt Hutschenreuther, und uns anderen bleibt nichts weiter übrig, als in die lobenden Worte des Mannes einzustimmen. Darum, lieber Leser: Wenn du wissen möchtest, wer den großen Unbekannten ermordet hat, schicke einen Fünfzigmarkschein an die Hinternet-Redaktion. Wir mailen dir dann das Passwort zurück, mit dem du auf eine Seite gelangen kannst, auf der der Name des Mörders steht. Na, ist das ein Angebot?

 

 

 

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