Die Pfauenfeder

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24. Dezember, ein Sonntag

Endlich daheim! Draußen rieselt der Schnee, und zwar, wie es in einem bekannten deutschen Weihnachtslied heißt, leise. Laut hingegen mein Herz, aus dem es schreit: Danke, liebe Leserinnen und Leser! Sie waren ein tolles Publikum! Mein Gott, und wie blöd Sie erst waren! Haben doch tatsächlich 200000 Personen je 50 Mark per Bankeinzug oder EC-Kartenabbuchung in die chronisch vollen Kassen von HINTERNET fließen lassen, bloß um zu erfahren, daß natürlich „Rotten“ den Großen Unbekannten ermordet hat! Über sein Motiv darf spekuliert werden, ebenso wie er es angestellt hat. Ja, ja, unsere Haustiere! Richtige Wölfe im Hundepelz!

Also noch einmal: Danke, danke, danke! Wir werden von dem Geld unsere beiden Punkgörls Angie und Saskia in ein schweizer Internat schicken, wo man aus ihnen feine Damen macht. „Au geil!“ jauchzten beide, „da kriegen wir später adlige Jungs ab - oder Großindustrielle!“

Ach, wie schön doch alles ist. Dabei habe ich heute morgen, als wir aus dem Zug stiegen, einen tüchtigen Schrecken bekommen. Während meine Begleiter die bereits wartenden Rolls Royce Limousinen bestiegen, die sie zum Rathaus bringen sollten, nahmen mich zwei finstere Burschen unter ihre Fittiche. „Der Minister will sie sehen.“ murmelte der eine nur knapp, und sofort lief es mir eiskalt den Rücken runter. Also haben sie mich doch noch erwischt! Schade! Das Leben war irgendwie gar nicht so schlecht, der Sex ganz ordentlich, der Glühwein genießbar und Hutschenreuther irgendwie doch ein netter Mensch. Vorbei!

Schweigend fuhren mich die beiden Männer - unverkennbar Geheimpolizisten -zum Ministerium. Doch wer beschreibt mein Erstaunen, als schon an der Eingangspforte der Minister höchstpersönlich freudestrahlend auf mich zu kommt, mich abknutscht und mir ins Ohr flüstert: „Sie sind eine Zierde für unser Ministerium! Die Beförderung ist so gut wie sicher! Endlich einmal ein ehrlicher, mutiger Mann, der hier arbeitet! Daß ich das noch erleben darf!“

Im großen Konferenzzimmer haben sich alle versammelt und stimmen, als der Minister und ich den Raum betreten, sogleich das wunderbare deutsche Volkslied „Ich hatt einen Kameraden“ an. Ich bin gerührt. Der Minister hält eine ergreifende Rede und überreicht mir schließlich die große goldene Ehrentaschenuhr der Landesregierung, mit eingraviertem Namen und dem Spruch „Möge sie ihm ewig die Stunde schlagen“:

Danach geht es im Konvoi mit zwanzig berittenen Polizisten zum Rathaus, wo die Jubelfeier bereits in vollem Gange ist. Soeben haben die eigens zu diesem Anlaß wiedervereinigten Rest-BEATLES unter dem Jubel der Menge ihr Konzert beendet, auch Guido Westerwelle hat eine Fußgängerzone im Keller des Rathauses eröffnet, und Jenny Elvers / Verona Feldbusch haben beschlossen, zukünftig ihre Brüste nur noch gegen Eintrittsgeld zu präsentieren.

Der Oberbürgermeister räuspert sich. „Wir kommen nun zum absoluten Höhepunkt des Tages: der großen Massenhochzeit.“ Wie aufs Stichwort erscheint jetzt kein Geringerer als der bekannte Fernsehpastor Jürgen Fliege auf der Bühne, um die Massentrauung vorzunehmen. Es heiraten: Starkolumnist Winter die Anfängerkolumnistin „die Neue“, der Chefredakteur die aufstrebende Radiojournalistin Patrizia, Hutschenreuther Elfriede, Herr Dobrowski Sylvia, Herr Haberkorn die Wirtin der Bahnhofsgaststätte Winselen, Herr Winter seine beiden Assistenten Atze und Knochen, Guido Westerwelle Verona Feldbusch, Berti Vogts Helmut Kohl, die drei eiligen Paketboten den Schweifstern, Jenny Elvers den Rest der Anwesenden.

Nur ich bekomme natürlich wieder einmal keine ab. Aber das soll mich in dieser feierlichen Stunde nicht kümmern. Bei Glühwein und Dampfnudeln haben wir jedenfalls noch unseren Spaß, und es ist bereits nach 22 Uhr, als ich endlich wieder daheim in meinen eigenen vier Wänden bin. Draußen rieselt, ich sagte es schon, leise der Schnee. Nur meine schöne neue Taschenuhr tickt. Ich halte sie versonnen an mein Ohr. Ach, wie ist das schön!!!

 

 

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