Die Pfauenfeder

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Krimiheld der Woche

Name: Albert Campion

Beruf: Detektiv

Schöpferin: Margery Allingham

Tätigkeitszeitraum: 30er bis 60er Jahre des 20. Jahrhunderts

Der Typ ist perfekte british upper class: Sachlich-verklemmt, spleenig-distinguiert, ein einfühlsamer Psychologe, der sein Wissen dazu nutzt, Verdächtige zu sezieren und einen kniffligen Fall vermittels sherlockholmes'scher Deduktion aufzuklären.

Insoweit nichts Neues. Dorothee Sayers, Agatha Christie und das ganze Geschwader englischer Krimiautorinnen haben ähnliche Figuren geschaffen. Was Albert Campion von ihnen unterscheidet, sind die literarischen Qualitäten seiner Schöpferin Margery Allingham. Zwar ist auch sie der "whodunit"-Tradition ihrer krimischreibenden Landsfrauen verpflichtet, doch erschöpfen sich ihre stililstischen und erzählerischen Möglichkeiten bei weitem nicht in der Erzeugung oberflächlicher Spannung bei der Suche nach dem Täter. Zuverlässig gelingen ihr lebendige Milieuschilderungen, zeichnet sie Typen detailgenau und ist von einem Humor beseelt, der klar macht, warum ALLE großen Romane des 20.Jahrhunderts im Grunde nicht nur Sach-, sondern auch Lachgeschichten sind.

Leseempfehlung: "Gefährliche Fracht", das letzte, postum veröffentlichte Abenteuer mit Albert Campion. Es geht um einen lange zurückliegenden Raubüberfall, der in eine abartige Landschaft südlich von London führt, wo alle Menschen etwas anders sind, alle Schicksale noch etwas grotesker, alle Handlungsfäden, die private Schicksale mit staatsträchtigen verknüpfen, noch etwas feiner gearbeitet als anderswo. Allinghams Erzählstil, flüssig und souverän, verbindet alle Elemente zu einem ebenso kurzweiligen wie spannenden Abenteuer, und daß die "Auflösung" ebenfalls vom Durchschnittsraster abweicht, versteht sich da fast von selbst.

Wer also Kriminalromane theoretisch als zur "Schwerliteratur" gehörig anerkennt, findet in Allinghams Campion-Abenteuern reichhaltiges Futter, diese These zu untermauern. Wer aber den Venedig-Schmonzes einer Donna Leone, diese vielgekaufte Familiendosis Langeweile und Klischee, für große Krimiliteratur hält, dem werden die Werke Allinghams hoffentlich den richtigen Weg weisen. Oder den in die ewige Verdammnis, wohin es alle treibt, die sich mit altbackenem Brot zufriedengeben, wo sie doch für billig Geld (alle Romane gibt es als Diogenes Taschenbücher) leckeren Kuchen bis zum Abwinken essen könnten.

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