Fahndungsfoto

Lehn, der spindeldürre, langbärtige Stadtbibliothekar, liebt Faktenfaktenfakten und die LORDS, eine bekannte Beatgruppe aus den 60er Jahren. Sein Alter liegt etwa zwischen 40 und 60, schon früher, als er noch studierte, hätte man ihn so geschätzt. Seltsam alterslos. In seiner frühesten Jugend - also irgendwann nach dem Krieg - infizierte ihn der Rock'n'Roll-Bazillus. Lehn gehörte zu der Horde Halbstarker, die damals in Frankfurt nach einem Bill Haley-Konzert die Bestuhlung der Halle fein säuberlich zerlegte. Zur Strafe wanderte er eine Woche in Jugendarrest. Später wurde er etwas zivilisierter, verschrieb sich den schon erwähnten LORDS und begann mit dem Sammeln biografischer Fakten, die er fein säuberlich archiviert. Gilt als kommunikativ, manchmal grantig, aber immer menschenfreundlich. Was sich hinter dieser harmlosen Fassade verbirgt? Vielleicht gar nichts, vielleicht wenig, vielleicht viel, vielleicht das Entscheidende....

Einige Stimmen:

"Als Leiter der Stadtbibliothek stelle ich mir einen distinguierten, hochgebildeten Menschen vor, der sich wenigstens wie ein Intellektueller kleidet und mir nicht schamlos ins Gesicht lacht, wenn ich Bach für den größten Musiker überhaupt halte. Ich will ihn, den Herrn Lehn, fachlich nicht in Frage stellen. Aber der Ton macht die Musik, und der Ton stimmt halt nicht, und über die Musik, die er bevorzugt, verliere ich kein Wort." (eine Kundin der Stadtbibliothek, diplomierte Kunstgeschichtlerin, z.Zt. in einer AB-Maßnahme)

"Alle halten sie ihn für nett, aber ich halte ihn für ein Arschloch. Ein Arschloch muß einer sein, der wo sagt, DIE ÄRZTE, das wär doch alles Pupskram, und die wären wohl alle schwul oder wahrscheinlich gleich impotent. Das sind in meinen Augen Faschos! Ja, Faschos! Die müßte man alle..." (die 13jährige Tochter der Nachbarfamilie)

"Was ich von mir halte? Gebildet, ehrlich, offen, tolerant. Genügt das? Long live the Lords!" (Lehn über Lehn)

zurück