Wilfried Schiever, Herausgeber und Chefredakteur des Anzeigenblattes "Maxmarkt", gehört zu den auffälligsten Persönlichkeiten der Stadt, was nicht nur seiner Größe von lichten 2 Metern und immer beträchtlicher werdendem Übergewicht angelastet werden kann. Wie fast alle ehemaligen Idealisten, die es später zu etwas bringen, hat Schiever in jungen Jahren der DKP nahegestanden und Sozialpädagogik, Soziologie sowie, in seiner Freizeit, historischen Materialismus studiert. Heute, da er wie erstaunlich viele Personen dieses Romans irgendwo in den Vierzigern steht, scheinen ihm dies läßliche Jugendsünden zu sein. Er hat mit der Gesellschaft Frieden geschlossen und behandelt sie so, wie sie es verdient und erwartet: respektlos, berechnend, zynisch, herablassend. Verheiratet und Vater einerTochter, bewohnt Schievers die bel etage einer Jugendstilvilla. Sein Lieblingsferiendomizil ist Irland, was nicht anders zu erwarten war. Sein Anzeigenblättchen floriert einigermaßen, ist aber finanziell noch nicht zur Gänze konsolidiert und daher auf Mäzene wie Dorsten angewiesen (Dorsten siehe auch "Walter Dorsten"). Das bringt ihn in unangenehme Abhängigkeiten, wovon in diesem Roman noch die Rede sein dürfte.

Einige Stimmen:

"So ist das. In der Jugend Kommunist, im Alter Revanchist. Traurig. Hab den Schiever als jungen, feurigen Kerl kennengelernt, der schon vor dem Frühstück für jede Weltrevolution zu haben gewesen wäre. War das 1974? Klar. Fußballweltmeisterschaft, die Deutsche Demokratische Republik bringt der BRD eine vernichtende Niederlage bei. Mei, was haben wir uns vor Glück damals betrunken, der Wilfried und ich. Heute schaut er weg, wenn er mich sieht. Oder macht blöde Witze. Jammerschade, Genossen!" (eine Ex-Genosse, heute Managertrainer im Fach "Mitarbeiterführung")

"Harte Schale, weicher Keks, hahaha! Nee, nee, mal ganz ernsthaft: Man muß ihn zu nehmen wissen. Dann ist er ein prima Chef. Und nicht jedes Wort von ihm auf die Goldwaage legen. Positiv ist mir damals, als ich beim Maxmarkt angefangen hab, gleich aufgefallen, daß er nicht zu dieser Sorte Chefs gehört, die weiblichen Untergebenen in den Po und anderswohin kneifen. Vielleicht hat ihm ja auch mein Po nicht gefallen. Ist halt noch einer da, wenn Sie wissen, was ich meine. Er steht ja mehr auf Knabenhaftes, sieht man schon an seiner Frau. Aber ich sollte jetzt besser nichts mehr sagen. Außerdem bin ich zur Zeit mal wieder so gut wie verheiratet." (die Sekretärin, Jeansgröße 42)

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