Fahndungsfoto

Herr Wollheim, Besitzer des Unglückshauses Mörickestr. 14 und Betreiber der im dortigen Erdgeschoß befindlichen Schreibwarenhandlung. Kurz nach dem 1. Weltkrieg in Hamburg geboren, trieb ein wechselhaftes Schicksal den geborenen Philantropen Wollheim an den Schauplatz der Romanhandlung. Seit Jahren Witwer, lebt Wollheim voll und ganz für sein Geschäft, wobei ihm nicht kommerzieller Nutzen wichtig ist, sondern die Arbeit an sich und der Kontakt zu den Menschen. Besondere Freizeitaktivitäten hat Herr Wollheim nicht mehr, vom Fernsehen und Lesen abgesehen. Seine größte Leidenschaft ist das lockere Filosofieren, wobei ihm manch erstaunliche Erkenntnis einfällt, die er gelegentlich an Karl-Olaf Horst weiterreicht, der eine Zeitlang recht gerne seine Mittwochnachmittage in Wollheims Laden verbringt.

Einige Stimmen:

"Gäbe es doch nur mehr solche wie den alten Herrn Wollheim! Arbeitsam, gutmütig, und wenn man früher als Schüler mal kein Geld für die Bravo hatte, konnte man auf Pump kaufen. Aber diese Sorte stirbt aus, leider. Heutzutage wollen alle nur den Profit. Schade." (ein Nachbar, Regierungsrat im Ruhestand)

"Ei, wie find ich denn das! Ist schon 80 oder so und arbeitet immer noch! Bei DER Arbeitslosigkeit! Soll doch mal Jüngere dranlassen! Menschlich ist er ja okay. Früher ist er abends immer noch mit seiner Frau spazieren gegangen, und man konnte sehen, dass die Beziehung zwischen den beiden trotz der langen Ehezeit stimmte. Aber warum muß er immer noch arbeiten? Mein Sohn ist arbeitslos. Meine Tochter ist schwanger. Die könnte so ein Zeitschriftengeschäft auch gut führen, und der Kleine könnte dann im Laufställchen hinter dem Tresen stehen, da wär er unter Kontrolle, und meine Tochter hätte ein Auskommen, wo sie schon keinen Vater für das Balg hat." (eine Nachbarin, verwitwet, im Ruhestand)

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