Chartskritik

Chartskritik 2.12.2002

Danii Minogue, Driftwood, Cosmic Gate, DJ Sammy DP – nur ein kleiner Auschnitt einer ganzen Pest von aktuellen Billig-Techno-Tätern. Hier sollte mal der Jugendschutz einschreiten. Ich will nicht intolerant sein, aber so was braucht doch wirklich kein Mensch. Das musikalische Pendant zu gebrauchten Taschentüchern, Sex-Hotline-Spots und verschimmeltem Toastbrot...

Am Anfang ein paar klotzige Synthie-Fanfaren, dann der gepitchte Gesang und immer, immer, immer ein euphorischer Trance-Zwischenteil. Ich glaube, diese Techno-Hits sind für mich das, was für meine Eltern Hubert Kah, Modern Talking und Boy George zusammen waren: Nervensägen. Aber sich als Menschen von hohem Intellekt mit den aktuellen Charts zu beschäftigen, heisst eben, vom Elfenbeinturm runter in die Favelas zu stapfen.

Und da bin ich nun. Umtost von schlechter Musik und optisch beleidigt von schlechten Videos. Darin tanzen entweder Rudel von schlecht und spärlich bekleideten Menschen in irgendwelchen Sandbergen. Oder hässliche Leute brausen im Auto durch hässliche Städte. Beispiel A: Cosmic Gate „The Wave“. Mit einer Horde aufgekratzter Tänzer, die erst von Windmaschinen angepustet und dann von Feuerwehrschläuchen nassgespritzt werden. Beispiel B: DJ Sammy DP „Boys of summer“. Wo Männer noch geflochtene Zöpfe tragen, die mitten aus der Kopfoberfläche – umgeben von einem Kurzhaarschnitt – rauswachsen. Hilfe.

Gibt leider auch ein Gegenbeispiel, nämlich ein übler Song mit stylishem Video: Driftwood und „Freeloader“. Hier hat sich jemand wirklich Gedanken über Farben und Locations gemacht. Sehr futuristisch und sehr edel. Dagegen ist es fast wieder beruhigend, die misslungenen anderen Clips zu sehen. Und festzustellen, dass die Leute doch meistens kriegen, was sie verdienen.

Und ansonsten? Noja. Danii Minogue mit einem minimalistischen Disco-Track, der wirkt, wie gewollt und nicht gekonnt. Anastacia in ungewohntem Mid-Tempo. Bon Jovi mit einem neuen, uninspirierten Drei-Akkorde-Song. Musikalische Sozialhilfe.

Ein Lichtblick: In-Grid. Französin, schätz ich. Lied heisst „Tu es foutu“. Waviger Chanson mit rumpeligem Akkordeon und einem hammermäßigen Video! Ganz auf Retro getrimmt, ein Urlaubsfilmchen à la Saint Tropez in den 50ern. Cool. Auch wenn der Mann hinterm Steuer aussieht wie Mister Bean. Na, wenigstens trägt er keinen geflochtenen Pferdeschwanz auf der Kopfoberfläche.

(kp)

  1. Die Gerd Show
    Der Steuer-Song
  2. Nelly feat. Kelly Rowland
    Dilemma
  3. Ozzy Osbourne
    Dreamer
  4. Las Ketchup
    The Ketchup Song (Asereje)
  5. Jeanette
    Rock My Life
  6. Christina Aguilera
    Dirrty
  7. Sarah Connor
    Skin on skin
  8. Jennifer Lopez fest. Jadakiss & Styles
    Jenny from the block
  9. Groove Coverage
    God is a girl
  10. Shaggy
    Hey sexy lady