Chartskritik

Chartskritik 16.12.2002

Weihnachten ist die Pest für Leute, die´s gern flott mögen. Denn da sind die Charts verseucht mit Balladen, die noch langsamer als langsam sind!!! Celine Dion sitzt im Video zu „Goodbye´s“ auf ihrem Bett, guckt pathetisch in die Luft und bringt die nackten Beine in Positur, als würde sie gleich zum Damenrasierer greifen. Ihr Gesicht ist noch leerer als das einer Schaufensterpuppe. Aber nicht ganz so teigig wie das von Enrique Iglesias... Der kann dafür mindestens genauso pathetisch gucken wie die Dion, so dass man das Schmalz gleich eimerweise auffangen möchte. Der Clip ist kompletter Müll: ein Konzertvideo, in das völlig wahllos irgendwelche Sequenzen reingeschnitten sind, die nicht mal mit viel gutem Willen irgendeinen Zusammenhang ergeben. Als hätte das Management gesagt, wir hätten da noch ne gute Weihnachtsschnulze, leider ist der Video-Etat schon leer – na, mal sehen, was wir da machen können...

Und der Overkill an Weihnachtskitsch: Nicole da Silva (!) mit „Shoeshine Boy“. Der Refrain besteht hauptsächlich aus „Ringa dinga ding ding“, und im Video legt er ihr die ganze Wohnung mit Schnee aus. Wie Liebende das halt so tun, wenn Ihnen die Geilheit das bisschen Gehirn weggefressen hat. Hoffentlich zieht der ganze Mief bald wieder ab.

Und wem das noch nicht reicht, der sollte ruhig mal genau hinhören bei den kommentierten Schnelldurchläufen der Viva-Charts. Da gibt´s nämlich immer ein paar Zeilen zu jedem Lied, und die sind oft höchst unfreiwillig komisch. „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“ (!) heisst es in der Meldung zu Christina Aguilera, die irgendwo zur geschmacklosesten Person gekürt wurde. Zu Groove Coverage erfährt man: „Verena wollte ganz schnell ganz viele Erfahrungen machen“. Und der Knüller ist die Info zu B3: „John findet Weinen gut.“ Die Viva-Zuschauer auch, sonst würden sie nicht immer wieder einschalten.

Lichtblicke der Woche? Die Sugarbabes mit „Stronger“. Leider nur auf Platz 52. Okay, ist auch ne Ballade und ziemlich langsam, aber thrillt eben auch total. Hat ne Riesenspannung und klingt, als käme es aus einer anderen Dimension. Mh, und Heaven Sent haben mir auch gut gefallen. Das Lied heisst „Set me free“, und Spezialisten kennen es noch unter dem Namen „You keep me hangin´ on“. War mal ein Hit für die Supremes. Heaven Sent bringen es so, wie es drei Discotucken halt bringen: als Dancefloor-Track. Video ist ziemlich schrill. Und scharf geschnitten. Aber cool.

Und dann hat sich in meinem Freundeskreis noch ein Problem herausgestellt: viele können die drei Mädels von Atomic Kitten nicht auseinanderhalten. Sehen alle gleich aus, gucken alle gleich, und manchmal tauschen sie im Video auch noch die Klamotten. (In „The last goodbye“ allerdings nicht.) Trotzdem ist mir das noch ne Stufe zu hoch. Ich schaff´s nämlich nicht mal, Atomic Kitten zu erkennen. Weil sie die alten Frisuren von den All Saints auftragen.

(kp)

  1. Die Gerd Show
    Der Steuer-Song
  2. Eminem
    Lose yourself
  3. Nelly feat. Kelly Rowland
    Dilemma
  4. Robbie Williams
    Feel
  5. Sarah Connor
    Skin on skin
  6. Las Ketchup
    The Ketchup Song (Asereje)
  7. Ozzy Osbourne
    Dreamer
  8. Jennifer Lopez
    Jenny from the block
  9. Panjabi MC
    Mundian to Bach Ke
  10. Jeanette
    Rock My Life