die Einzelkritik


Die Top Ten 2002

10 „Just more“ Wonderwall

Ganz schwerer Fall. Denn: Video wunderschön. Tolle Bonbonfarben, hübsche Requisiten, interessante Perspektiven – so, wie ein Popvideo eben sein soll. Aber der Song: unerträglich. Vor allem die kieksige Babystimme der Vorsängerin. Wär nett, wenn sie nicht ganz so auf „mädchenhaft“ getrimmt würde. Und überhaupt, der Song: hat den jemand noch im Ohr? Ich kannte den noch nicht mal. Was bitte macht er dann auf Platz 10 der Jahresbilanz?

9 „I.O.I.O.“ B3

Ein alter Bee Gees-Hit, wär hätte das gedacht? Ich persönlich hätte ja eher auf Ottawan, Oliver Onions oder die Goombay Dance Band getippt. Jedenfalls: keine schlechte Wahl, find ich. Man kann Schlechteres covern, und wahrscheinlich hat der Titel 2002 endlich sein angemessenes Gewand gefunden. So mit Dancefloor-Tralala, mein ich.

8 „Underneath your clothes“ Shakira

Ich erinnere mich, das Lied zum ersten Mal bei der „Goldenen Europa“ gehört zu haben. Da war Shakira mit einer Art unplugged-Version zu Gast, es klang ziemlich live gesungen – und ich bin fast eingeschlafen. Das war das langweiligste Lied, das ich in diesem Jahr gehört habe.

7 „Perdono“ Tiziano Ferro

Hübscher, originell produzierter Song. Denn ich finde, dass das eigenartige Vibrieren beim Refrain das Beste an dem Song ist. Melodie kommt aber auch gut, und irgendwie ist das eine sehr schöne Fortsetzung des Italo-Pop-Kapitels.

6 „Engel“ Ben feat. Gim

Ben ist würdiger Nachfolger von Oli P., denn er hat ein genauso teigiges Gesicht. Was machen die jungen Leute heute mit ihrer Gesundheit? Wieso sehen die so aus? Und wieso sieht ein Waldorfschüler wie Ben so aus? Der Titel ist im Prinzip okay, aber viel zu pathetisch. Und ich mag es nicht so, wenn junge weiße Gymnasiasten versuchen, wie Marvin Gaye zu klingen. Aber da bin ich wohl die einzige.

5 „Der Steuersong (Las Kanzlern)“ Die Gerd Show

Immer wieder mal schafft es schlechte Comedy in die Single-CHarts. Ich erinnere an Dieter Krebs, Jürgen von der Lippe und Bruce&Bongo. Noch leichter geht´s, wenn man sich noch dazu eine bekannte Melodie klaut. Wenn´s Gerhard Schröder wenigstens ein bisschen geärgert hat – na gut, mir soll´s recht sein.

4 „Without me“ Eminem

Eminem ist schlau: er hat (vermutlich) immer noch die gleichen Produzenten wie vor drei, vier Jahren oder so. Jedenfalls klingen seine Songs einfach gut, woran sein Part allerdings den geringsten Anteil hat. Da könnte man auch jedes andere blonde Milchgesicht hinstellen. Und ist er nicht auch ein bisschen teigig im Gesicht, so wie Ben und Oli?

3 „Mensch“ Herbert Grönemeyer

Mensch Grönemeyer, was haste für ein schönes Video gedreht! Ich lieg dem großen weißen Bären immer noch zu Füßen, wenn er sich schweren Schrittes aufmacht zum Strand. Und immer noch rätseln wir vor dem Fernseher, ob er an der Karaoke-Bar abwehrend die Tatzen hebt, weil er keine Lust hat zu singen. Oder ob es ein resigniertes „Ich geh ja schon ist“, weil Herbert Gröneymeyer so beunruhigt guckt. Jedenfalls hat das Stück auch musikalisch Stil. Ist so dezent stylish, dass man es auch in 10 Jahren gut anhören kann, wett ich.

2 „WheneverWherever“ Shakira

Ja, das muss man wohl neidvoll zugeben: 2002 war das Jahr der Shakira. Und wie bei vielem anderen hoffe ich auch hier, dass es sich nicht wiederholen möge. Denn die Musik ist schon schlecht genug, der Gesang grässlich, die Haare und Outfits sind peinlich und die Videos einfach eine Beleidigung für´s Auge. Von der unsympathischen Ausstrahlung ganz zu schweigen... Release me.

1 „The Ketchup Song (Aserejé)” Las Ketchup

Hübscher Song, wirklich. Auch wenn Kritiker anmelden, dass er bei der Sugarhill Gang geklaut ist. Und welch Meisterwerk das Video... Denn ich hab die drei letztens beim Auftritt in Top of the Pops gesehen. Und eine von ihnen sah aus, als röche sie schlecht. Die anderen waren auch nicht gerade attraktiv. Ist immer gut, wenn man mal vergleicht. Als Sommerhit war ihr Song allerdings mehr als tauglich – so´n Treffer gab´s seit „Mambo Nr. 5“ nicht mehr.