Chartskritik

Chartskritik 3.2.2003

Oh, das ist eine tolle Woche! Soviel Freude haben die Charts noch nie gemacht. Das geht mal los mit den Raketen und ihrem „Tokyo, Tokyo“. Ganz minimalistischer Low-Fi-Synthie-Pop. Wie aus der Steinzeit der New Wave. Lustiges Video auch, wo alle drei „Raketen“ so japanische Pilzkopf-Perücken aufhaben.

Bei Marc et Claude („Loving you 2003“) ist leider der Clip schöner als der Song, aber das ist ja auch schon mal was: spielt irgendwo in ´nem Schneideratelier, und das ist wirklich mal ´was Anderes. Und außerdem schön kontemplativ. Da steht die Zeit still, in so´ner Schneiderei.

Dann ist Helge Schneider wieder da! Und das ist immer ein Gewinn. Der „Möhrchensong“ erinnert einen einfach nur daran, dass Popstars nicht immer gut aussehen müssen. Und dass man das Leben auch mit anderen Augen betrachten kann. Soll mir keiner erzählen, dieser Mann lebe nicht in einem Paralleluniversum...

Übrigens sind die Sugababes mit „Stronger“ von der 43 auf die 38 gestiegen. Und das ist nun wirklich ein super, super Song!!! Kommt übrigens total gut im Auto, obwohl´s ´ne Ballade ist. Aber das Timing und die Instrumentierung scheinen zu stimmen, wirklich sehr cool. Und es ist halt wirklich toll gemacht, sehr glitzernd und sehr smooth. Zeitlupenmäßig, wie das Video.

Ja, und dann hat es meine Freundin In-grid endlich in die Top 20 geschafft!!! Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Ich liebe dieses „Tu est foutu“ und seinen nicht sehr geschmeidigen, sondern eher ziemlich aufrüttelnden Musette-Pop. Wirklich klasse, mehr von der Frau!

Einen weiteren Grund, sich zu freuen, seht Ihr übrigens auf Platz 10!

Kommen wir jetzt zu der Abteilung „Das war nix“. Da ist zunächst mal der Mann, der auf Viva die Charts präsentiert, auch genannt Mola. So schnell kann ich gar nicht den Ton abdrehen, wie der Scheiße labert. Ich will Collien zurück, die war wenigstens ein bisschen erträglicher.

Und dann können sie bei Viva nicht bis zehn zählen, schon gemerkt? Bei den Schnelldurchläufen, Platz 40 bis 31 oder so, da fehlt immer einer. Diesmal waren es die 34 und die 27. Wie geht so was? Und zwar jede Woche, nur die Zahlen wechseln. Wenn´s wenigstens tiefere Gründe hätte, ich dachte, vielleicht die Böhsen Onkelz oder Hansi Hinterseer etc., aber Manowar und Ronan Keating mit Jeanette??? Hat die Putzfrau die Videos versehentlich entsorgt? Oder hat jemand vergessen, abzuspeichern? Man stellt sich ja die abenteuerlichsten Dinge vor. Kam nur noch Brösel aus den Hüllen?...

Leider war es nicht mein Ärger-Video der Woche, das verunfallt ist: Kelly Osbourne mit „Shut up“. Das ist doch nur die dicke Ausgabe von Avril Lavigne, oder? Die Musik klingt jedenfalls wie geklont, so Skater-Power-Pop. Und dann noch bei beiden dieses Ich-bin-ein-böses-Mädchen-Gehabe. Gähn.

Leider, leider muss ich auch mal über eine meiner Lieblingsbands herfallen. Der tiefe musikalische Fall der Erasure... Mensch, wie kann man dieses Lulli-Lied „Solsbury –Hill“ covern, kein Wunder, dass es einem da das Hirn blockiert und nur pomadige Loops mit schlaffen Beats rauskommen. Das Video hat absolut null Einfälle, dafür rieseln lauter peinliche Schneeflocken durchs Bild, und Andy Bell trägt wieder die Kleider seiner Oma aus. Hilfe! Das tut ja doppelt weh. Da hat man einen der besten Songwriter der Welt in der Band (ich meine Vince Clarke), und statt dessen covert man einen der schlechtesten. Was ist das nur für eine kranke Welt?

Auch zum Kotzen finde ich das neue Lied von DJ Bobo – na gut, wer findet das nicht... – aber noch schlimmer finde ich, dass sein kleiner Sohn in dem Video zu sehen ist. Schätzungsweise vier Wochen alt... Na, wenn das keine Berechnung ist? Schließlich haben ja etliche Sender ausführlichst drüber berichtet. Ist halt doch ´n Hingucker, was der Rest des Videos wirklich nicht von sich behaupten kann. Aber da passt ein Clip endlich mal zum Song. By the way: ist das toll, für so´n Baby, so´n Tag im Zentrum des Drehstresses, zwischen Playback und Kommandos? Ich glaub ja nicht.

Oha, ich hab zum Abschluss noch ein peinliches Lieblingslied zu beichten. Es heisst „Damn“, kommt von Baracuda und ist die englische Techno-Version von „Verdammt, ich lieb dich“. Du meine Güte, das kommt wirklich gut, auch wenn´s absoluter Trash und sogar fast schon Mark Oh-Scheiße ist. Aber nur fast. Im Video wird eine Blonde, nasse, verzweifelte Frau mit einem Hubschrauber durch die Landschaft gejagt. Und die Musik passt dazu wie maßgeschneidert. Sowas muss es auch geben dürfen, also so richtig guten Müll!! Platz 12 übrigens.

(Katja Preissner)

  1. Deutschland sucht den Superstar:
    We have a dream
  2. Eminem:
    Lose yourself
  3. Blue feat. Elton John:
    Sorry seems to be the hardest word
  4. Die Gerd-Show:
    Der Steuersong
  5. Xavier Naidoo:
    Abschied nehmen.
  6. Panjabi MC:
    Mundia to Bach Ke
  7. Robbie Williams:
    Feel
  8. Master Blaster:
    Hypnotic Tango
  9. Jay-Z. feat. Beonce Knowles:
    ´03 Bonnie & Clyde
  10. Nena:
    Leuchtturm