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Die Drei von der Rutsche

Einen alarmierenden Mangel an altersgerechten Freizeitangeboten für Senioren dokumentiert die Fotographie "Die Drei von der Rutsche". Die Vierfarb-Repro avancierte schnell von der bloßen Text-Illustration zur stummen Anklage. Das selbsterklärende Bildnis zählt längst zu den Klassikern sozialkritischer Foto-Kunst.

Hilflos und alleingelassen thronen die drei Rentner auf dem Zenith der Rutsche. Niemand erklärt ihnen, wie das Ding funktioniert. Niemand will mit ihnen spielen. Niemand, der unten steht und sie auffängt, sie einfach in die Arme nimmt. Ein Mahnmal auch für die drohende Überalterung unserer Gesellschaft. Szenen wie diese könnten schon in dreieinhalb Jahren auf jedem zweiten Spielplatz drohen. Oder auch an Leitplanken von Autobahnen.

Ein gewisses Pathos ist dem Bild nicht abzusprechen. Die zuständige Agentur will aufrütteln, erschrecken machen, schockieren. Geschickt instrumentalisiert sie hierfür das Stilmittel des Bildausschnitts. Sie wählt einen Ausschnitt, der die Rentner dicht unterm oberen Bildrand positioniert, während die Rutsche zum eigentlichen Protagonisten der Darstellung erwächst. Die Laufrichtung des blanken Metalls zum Betrachter hin macht deutlich: für diese drei Menschen geht es nur noch abwärts.

Der Rezipient dagegen fühlt sich beobachtet und bedroht zugleich. Die Alten drohen genau auf ihn zu zu rutschen: er kann sich der Problematik nicht entziehen, wird zum Mitverantwortlichen. Eigentlich könnte er einfach umblättern. Oder wegsehen. Aber zwei Dinge machen ihn stutzig, fesseln regelrecht den Blick: das idyllische Grün der Szenerie und das völlige Fehlen von Kindern. Sie sitzen vermutlich zur gleichen Zeit in den entleerten Altersheimen, spielen Rommé und schauen Matlock.

Das Horrorszenario einer entfremdeten, pervertierten Alltagswelt - eingefangen im cleanen Ambiente moderner Hochglanzfotograpie. Ein Meisterwerk.

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