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Die erste Seite

Um die erste Seite eines Romans ranken sich Mythen. Mit ihr packt man den Leser, hier ist alles schon angedeutet, was später en detail geschildert wird. Und so weiter. Ich bin da skeptisch.

Schon weil jeder Autor weiß, dass die erste Seite die Visitenkarte seines Romans sein wird. Der Lektor liest ihn als erstes, mancher Bücherwurm im Gedränge der Buchhandlung auch. Ja, und was tue ich, wenn ich das weiß? Genau. Ich gebe mir Mühe mit der ersten Seite. Mit der zweiten dann schon weniger, schweigen wir ganz von Seite 235. Und die Dramaturgie interessiert auch nicht so, ja, und Sprache ist eh nur ein Kommunikationsmittel.

Wie dem auch sei: Erste Seite haben was. Deshalb hier eine, die mir heute morgen zugeflogen ist. Ganz ohne Kommentar, aber Kommentare von euch sind hier willkommen. Gefällt euch das? Oder nicht? Und warum und warum nicht?

Schon in der Schule hatte er sich nicht für Biologie interessiert, und so schaute er auf die Leiche seines Vaters wie auf jede andere.
Ihr Kopf lag in einer Pfütze Blut, weißliche Brocken und Flöckchen darin wie ein Atoll. Aber auch das Gehirn dieses Mannes hatte ihn zeitlebens nicht interessiert. Was der Alte dachte, fühlte, tat, waren Aktionen aus einer anderen, feindlichen Welt, und dem Sohn war es ratsam erschienen, sich auf die kleine und freundliche in seinem Kopf zu konzentrieren.
Wer auch immer seinen Vater erschlagen hatte, war von vorne an sein Opfer herangetreten, das von der Wucht nach hinten gerissen worden war und jetzt auf dem Rücken lag.
Das traf sich gut. Er bückte sich und fischte mit spitzen Fingern die Brieftasche aus dem Jackett des Toten. In ihr steckten vier neue 50-Euro-Scheine, er zog sie heraus und ließ das Kleingeld wo es war. Eine subtile Rache für all die Sonntagnachmittage der Jugend, an denen der Vater seinen speckigen Geldbeutel hervorgekramt hatte, um dem Sohn die kupfernen Brosamen in die bittende Hohlhand zu zählen, dabei sich seiner Allmacht als Hüter des Schatzes wohlbewusst.
Dann erinnerte er sich an die vielen Krimiserien seiner Jugend und wischte mit seinem Taschentuch das Leder sorgfältig ab, bevor er es zurück in die Innentasche des Jacketts steckte.
Er blieb ein paar Sekunden lang ruhig stehen, atmete flach und lauschte. Nichts war zu hören, selbst der Straßenverkehr ruhte für den Moment. Er steckte die vier Scheine achtlos in die Hosentasche, drehte sich um und verließ die Wohnung. Die Tür ließ er so weit offen, wie er sie vorgefunden hatte.
Sie zockte ihn ab. In der Kneipe hatte er eine Hand in der Hosentasche gelassen, eine einsame Münze solange zwischen Daumen und Zeigefinger gerieben, bis sie heiß war und nass vom Schweiß. Sein Handrücken war an den Geldscheinen entlang geglitten, und dann war sie aufgetaucht, mit dem Blick einer Professionellen, und plötzlich wusste er, wohin die vier Scheine gehörten.
Ein jämmerlicher Orgasmus, wie von der Hand eines angstvollen Kindes gemacht, das damit rechnet, jeden Moment öffne sich die Tür und die Katastrophe strecke in Gestalt des Vaters ihren Kopf ins Zimmer. Er legte die vier Scheine auf die Bettkante und verschwand. Zuhause wusste er nicht, ob er weinen oder kotzen sollte. Also machte er sich ein Brot und schaltete den Fernseher an.

dpr

20. April 2005

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