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Stella Blomkvist: Der falsche Zeuge

Als halber Isländer sehe ich mich in der selbstverständlichen Pflicht, isländische Kriminalromane auch dann zu Ende zu lesen, wenn sich diese Ausdauer eigentlich gar nicht lohnt. Okay, noch ist Island nicht Schweden, und auf der Insel der Literaten hat noch nicht jeder einen Krimi geschrieben. Und was die Qualität betrifft, so ist Arnaldur Indridason eh der bessere Mankell.

Aber Stella Blomkvist? Ein Pseudonym, hinter dem sich angeblich „eine bekannte isländische Persönlichkeit“ verbirgt. Die Heldin ihrer (seiner?) Romane (drei sind bisher in Deutsch erschienen) heißt ebenfalls Stella, ist Rechtsanwältin, tough, aber, of course, mit menschlichen, teilweise sentimentalen Regungen, rauhe Schale, weicher Keks, man kennt das.

Sie trinkt Whisky, den sie „Jackie“ nennt, tituliert Polizisten penetrant „Goldjungs“, ihr Mercedes ist, wie originell, der „Silberpfeil“ – und auch sonst wimmelt es in den Romanen Blomkvists nur so von Versatzstücken.

Romane zum Drüberhinweglesen, und das wäre ja schon ein veritabler Grund, es spätestens nach dem dritten Fall „Der falsche Zeuge“ endgültig aufzugeben mit der aus reiner Liebe zum Land betriebenen Lektüre.

Zumal auch „Der falsche Zeuge“ wieder einmal alles so präsentiert wie seine beiden Vorgängerromane: Zwei, drei ineinander verzahnte, miteinander verquickte Fälle aus Politik / Korruption / Mädchen- und Rauschgifthandel, schnelle, schnoddrige Sprache und ebensolche Handlung, massenweise „Jackies“ und „Goldjungs“, auch One-Night-Stands der Heldin, die aber, das ist tatsächlich eine Novität, inzwischen nicht mehr mit Herren der Schöpfung absolviert werden, sondern mit verführerischen Frauen. Stella ist bisexuell geworden, und wenn das genauso eine verkaufsfördernde Masche sein sollte wie „die bekannte isländische Persönlichkeit“, dann gute Nacht Lesbenkrimi.

Aber nein. Wieder habe ich Stellas Abenteuer erst nach der letzten Seite aus der Hand gelegt, wieder mit dem großen Fragezeichen im Kopf, was an diesem Roman jetzt so gut war – nee, nicht so gut, aber so erträglich, dass ich ihn nicht vor seiner Zeit in die Ecke gefeuert habe und, schlimmer, wohl auch den nächsten zur Gänze lesen werde.

Na, klar: In Blomkvists Romanen wird gar nicht suggeriert, irgend etwas an oder in ihnen sei tiefsinnig. Sehr symphatisch. Pulp im besten Sinne, dramaturgisch wie hingerotzt, sprachlich routiniert, aber keineswegs atemberaubend, doch hinter allem eine Autorin (ein Autor?), die / der nicht aus Unvermögen, sondern klaren Verstandes so schreibt, wie sie (er) schreibt. Das ist nicht peinlich und damit schon sehr viel heutzutage.

Und dann: Stella bekommt langsam eine Biografie. Anfangs hat man ihr diese Kaltschnäuzigkeit nicht abgenommen, aber so langsam erfährt man Dinge aus ihrer Vergangenheit, die doch einiges klarmachen. Jedenfalls ist sie keine Serienheldin, die nach dem ersten zwanzig Seiten des ersten Bandes aufgehört hat zu überraschen.

Also Lesetipp? Klar doch. Für Leute, die auch mal gerne über die Oberflächen huschen. Gibt Schlimmeres.

Stella Blomkvist: Der falsche Zeuge. btb 2005. 256 Seiten. 8 € 50

dpr

13. Mai 2005

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