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de Quincey revisited

Eigentlich lese ich ungern, wenn ich mit dem Zug fahre. Nur wenn der abzuarbeitende Stapel gar zu hoch ist, greife ich auch während der gewohnt unzuverlässigen und servicemäßig lausigen Fahrt mit der Bahn zum Buch. Zu Thomas de Quinceys "Der Mord als eine schöne Kunst betrachtet" etwa.

Um meine Theoriekenntnisse aufzufrischen, nebenbei. Aus besonderem Anlass, nebenbei. Und de Quinceys satirischer Essay über einen Londoner Club von "Mordliebhabern" ist nicht nur für die Entwicklung des Krimis von besonderem Interesse.

"Den Mord zum Beispiel kann man einesteils von der moralischen Seite und meiner Meinung nach schwächeren Seite betrachten, wie dies gewöhnlich von der Kanzel herab und im Schwurgericht geschieht, man kann ihn andererseits aber auch ästhetisch würdigen, das heißt mit Rücksicht auf den künstlerischen Geschmack."

Was de Quincey hier postuliert, läuft auf zwei geradezu unerhörte Forderungen hinaus:

- Ihr dürft über ALLES schreiben, liebe AutorInnen!
- die Kunst hat die Freiheit, auf Moralvorstellungen zu pfeifen

Das ist wahr und erfrischend, und das Haltbarkeitsdatum von de Quinceys Witz ist auch nach gut 150 Jahren noch nicht abgelaufen.

dpr

Thomas de Quincey: Der Mord als eine schöne Kunst betrachtet. Autorenhaus Verlag 2004. 151 S., 12,80 €

18. Juni 2005

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