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Rebecca Pawel: Death of a nationalist

(Ob wir Rebecca Pawels Erstling jemals auf Deutsch werden lesen können? Der Rezensent zumindest hätte nichts dagegen.)

Der spanische Bürgerkrieg 1936-1939, die Zeit von Hemingways „For whom the bell tolls“, selten war die Selbstzerfleischung eines Volkes so groß wie in diesem Krieg. „Death of a nationalist“ von Rebecca Pawel handelt von der Zeit danach, der Zeit des Übergangs. Ende März 1939. Franco wird dieser Tage dem Volk und der Welt seinen Sieg verkünden. Die Falangisten (Nationalisten) begeben sich an die Aufräumarbeiten und verhaften Kommunisten und Republikaner, die sich überall verstecken, zu Tausenden. Die Sieger sind wohl mehr mit ihrer Rache als mit dem Wiederaufbau des Landes beschäftigt.

Für die Bevölkerung sind die Folgen eines Krieges ja überall die gleichen, da unterscheidet sich Berlin 1945 wenig von Madrid 1939: Zuwenig zu Essen, Schwarzmärkte und Kriegsgewinnler. Pawel beschreibt sehr glaubwürdig, wie die Menschen reagieren. Die militärfähigen Männer verstecken sich und versuchen ihre „Spiele“ weiterzuspielen, während die Frauen bestrebt sind, das Überleben zu organisieren.

Die Leiche eines Mitglieds der guardia civile (paramilitärische Polizeieinheit) wird gefunden, die vermeintliche Täterin ist schnell ausgemacht und auf offener Strasse erschossen. Nur, dass der verantwortliche Offizier, Sergeant Carlos Tejada, Zeichen findet, die in ihm Zweifel aufkommen lassen und er anfängt Nachforschungen anzustellen. Das Opfer, mit dem er die Belagerung von Toledo überlebt hatte, war mit ihm eng befreundet.

Pawel inszeniert eine Geschichte, bei der auf der einen Seite Sergeant Carlos Tejada steht, welcher versucht, den Tod seines Freundes aufzuklären und dabei immer stärker mit seinen Idealen und seiner Loyalität in Konflikt gerät – ohne allerdings mit ihnen zu brechen. Und auf der anderen Seite Gonzalo Llorente, ein Kommunist, der versucht, den Mörder seiner Geliebten ausfindig zu machen. Dabei entwickelt sich eine komplexe Geschichte, bei der es nicht nur um die Frage nach dem Täter geht, sondern auch um die Personen, welche versuchen, sich selbst und ihren Idealen treu zu bleiben. Wie Hemingway zeigt sie auch die Mitleidlosigkeit ideologischer Obsession.

Pawel schreibt unprätentiös; nicht auf vordergründige Aktion angelegt, kann sie ihrer Erzählung aber eine rasante Beschleunigung geben, wenn diese es erfordert. Ihr Personal, seine Motivationen und Handlungen bringt sie glaubwürdig herüber. Spannung generiert sie geschickt dadurch, dass sie hauptsächlich aus der Sicht ihrer beiden Protagonisten schreibt, so dass der Leser immer etwas mehr weiß als diese. Merklich ist zudem, dass Pawel zuweilen geradezu poetisch schreibt.

„Death of a nationalist“ ist ein absolut befriedigendes (und das meine ich nicht im schulischen Sinne) Leseerlebnis. Geschichte ´mal nicht als oberflächliches wohlfeiles Amüsement des Lesers, sondern mit Tiefenwirkung. Sie legt hier ein sehr eigenständiges Buch mit gut konstruierter Story vor. Es ist das erste Buch von Rebecca Pawel, einer New Yorker Lehrerin für Englisch und Journalismus. Voller Neugier bleibt abzuwarten, wie sich ihre Bücher im Weiteren entwickeln.


Dr. Bernd Kochanowski

Rebecca Pawel: Death of a nationalist. Soho Crime 2003, 262 Seiten, 11,50 €


(Der Rezensent, dessen Rezension ohne Frage positiv ausgefallen ist, weist auf eine weitere positive Besprechung des Buches hin, erklärt jedoch, damit habe es auch schon ein Ende mit den Gemeinsamkeiten. Man findet besagte (englischsprachige) Rezension →hier.)

19. Juli 2005

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