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Summer Camp -10-

crimecamp_10.jpg

Unsere Hauptperson steht schon einigermaßen deutlich vor’m inneren Auge. Aber was ist mit dem, was man so leichthin „Nebenpersonal“ nennt?

In einem Kriminalroman der herkömmlichen, durchaus auch bekömmlichen Art ist die Hierarchie klar: Es gibt eine Protagonistin / einen Protagonisten, mit dessen Augen und Gedanken wir die Romanlandschaft und ihre Bewohner erforschen. Letztere sind Nebenpersonal, wobei es auch hier wieder Hierarchien gibt: Helfer, Verdächtige, Opfer, Stichwortgeber, Statisterie.

Wenn wir unser Personal charakterisieren, folgen wir im Allgemeinen den hierarchischen Vorgaben. Das Seelen- und Kopfleben der Hauptperson wird wie sein physisches Treiben möglichst detailliert ausgebreitet, die Charakteristika der Verdächtigen und Opfer enthält genau das Maß an Genauigkeit, das wir benötigen, um unsere Geschichte logisch und interessant zu erzählen. Stichwortgeber und Statisten bleiben zumeist schemenhaft, sind vielleicht nur als Ein-Tat-Personen zu erkennen, die nach vollbrachter Leistung („Der Ober stellte das Bier auf den Tisch, nickte und enteilte“) in dem Nirwana verschwinden, dem sie für einen Moment entstiegen sind.

Eine der Grundregeln des Schreibens besagt nun, man möge sich sein Personal so wählen, dass es in seiner Gesamtheit ein möglichst großes Spektrum an charakteristischen Eigenschaften eröffnet. Also vermeide man tunlichst, zwölf Sanguiniker aufzufahren oder eine Horde Zweckoptimisten mit einer Neigung zum Masochismus auf die Leser loszulassen. Das Leben ist bunt. Und so es das nicht ist, ist es langweilig.

Natürlich gibt es wohlzubegründete Ausnahmen von dieser Regel, ja, es gibt wahrscheinlich so viele Ausnahmen, dass man füglich von einer Regel nicht mehr sprechen kann. Stellen wir uns zum Beispiel einen Krimi vor, der von lauter depressiven Menschen bevölkert wird und genau damit eine Atmosphäre erzeugt, die der Handlung angemessen ist.

In unserem Falle müssen wir genau abwägen. Der Charakter der Hauptperson kann als „passiv, labil, egozentriert, traumatisiert“ bezeichnet werden. Wir müssen jedoch bedenken, dass die fünf Personen, die eine ganze Stunde lang im Wartehäuschen sitzen und ihre Mitwartenden taxieren, Vermutungen über deren Charakter äußern. Ich gehe etwa davon aus, dass alle Anwesenden die tragische Vorgeschichte kennen und unseren „Helden“ dementsprechend charakterlich bewerten. Diese Bewertung wiederum ist abhängig vom Charakter des jeweils Einschätzenden.

Kompliziert? Durchaus. Nehmen wir etwa jene Frau, die der Protagonist für die Tragödie damals verantwortlich macht. In seinen Augen ist sie eine Bestie, eine Hexe, eine Frau eben, die ein Familienidyll zerstört hat. Sie selbst sieht sich natürlich anders, vielleicht selbst als ein Opfer der Tat. Oder sie hat Schuldgefühle dem Protagonisten gegenüber, den sie bemitleidet und folglich anders einschätzt als er tatsächlich ist oder von einer dritten Person im Raum gesehen wird.

Je weiter ich dieses Spielchen relativer Charaktere treibe, desto deutlicher wird mir, dass genau in dieser Relativität ein Reiz unseres Romans liegen könnte. Keine Festlegung also. Der Leser wird mitgenommen in eine Kakophonie der charakterlichen Einschätzungen, ihm wird nichts serviert, er muss sich die Personen und ihre Psychen selbst zubereiten.

Oh, das wird vertrackt. Und kommt eigentlich überraschend für mich. Darüber muss intensiv nachgedacht werden.

dpr

25. Juli 2005

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