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Leonardo Padura: Das Meer der Illusionen

„Das Meer der Illusionen“ ist der vierte Band des „Havanna Quartetts“ von Leonardo Padura. Er bringt damit seine Beschreibung der Gesellschaft Kubas Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts zum Abschluss. Wie bei den vorigen Büchern auch hat er wahre Begebenheiten, die sich in Kuba zugetragen hatten, aufgegriffen und mit in die Geschichte einfließen lassen.

Havanna, 1989. Mario Conde ist Kommissar bei der kubanischen Polizei und hat die Schnauze voll von seinem Job. Eine Reinigungswelle fegt durch die Polizei, viele korrupte Kollege wurden entlassen, und dann erwischt es auch seinen Chef (und Freund), der als Vorgesetzter die Verantwortung übernehmen muss. Mario Conde hat Angst vor der Zukunft und träumt von dem großen Roman, den er schreiben möchte, und so kündigt er seinen Job.
Doch ein letzter Fall liegt zwischen ihm und der „Freiheit“ und am Meer die Leiche eines ehemals erfolgreichen Kaders. Dieser ist vor 14 Jahren in den Westen geflüchtet und hat in Miami ein eher unspektakuläres Leben geführt. Nun durfte er seinen alten Vater besuchen... und liegt jetzt erschlagen, Hoden und Penis abgeschnitten, im Wasser.

Auch wenn „Das Meer der Illusionen“ über eine glaubwürdige Inszenierung verfügt, das Hauptaugenmerk des Autors ist nicht auf den Krimiplot gerichtet. Die institutionelle Arbeit des Polizeiapparates ist Mario Condes Sache nicht. Er bemüht auch nicht die Allmacht eines totalitären Staates, der willkürlich das Kreuz jedes Aufrechten und erst recht jedes Gauners brechen könnte. Nein, Mario Conde nähert sich mit Intuition und Reflexion der Lösung des Falles.

Das Hauptinteresse wird auch nicht von den politischen Zuständen in Kuba beansprucht, obgleich natürlich die politische Situation Kubas im Buch präsent ist. Nein, sinnlich, philosophisch beschreibt das Buch eine Generation der Hoffnungslosen und Verzweifelten. Diese Generation der in den 50er Jahren Geborenen hat ihr ganzes Leben im Schatten der kubanischen Revolution verbracht. Fremdbestimmt und ziellos. Und sie hat, so scheint es, auch wenig Grund für Hoffnung auf ein besseres und selbstverantwortetes Leben. Und somit ist es natürlich doch ein eminent politisches Buch.

Wörtlich lautet die Übersetzung des spanischen Titels „Landschaft des Herbstes“. Das trifft die Stimmung des Buches sehr gut. Sinnbild von Mario Condes Leben ist der angekündigte Hurrikan namens Felix. In einer der stärksten Szenen des Buches versucht er den Hurrikan zu beschwören, dieser solle endlich kommen, die bestehende Ungewissheit ertrage Conde nicht mehr.

Padura schreibt wie selten ein Krimi geschrieben wurde. Solche Kriminalromane werden gerne als „literarische Krimis“ bezeichnet. Diese Kategorisierung ist nicht falsch, aber sie erhellt nicht, sie grenzt den Roman nicht von anderen ab. Gerechter wird man dem Buch, wenn man es poetisch nennt und also Leonardo Padura einen Poeten.

Dr. Bernd Kochanowski

Leonardo Padura: Das Meer der Illusionen. Unionsverlag 2005, 19,90 €

30. August 2005

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