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• Ria: Wir machen Folgendes: Ein Buch, in dem wir messerscharf nachweisen, dass die Feuilletonisten uns gei (mehr...)


Schule der Rezensenten: Auch für dich!

Du magst Wolf Haas und bedauerst, dass der keine 62 Romane geschrieben hat? Du kennst das Internet und weißt, dass es dort Krimiforen gibt? Na, dann auf! Wähle dich in ein solches Forum ein und stelle die entscheidende Frage: „Ich lese gerne Wolf Haas und möchte gerne wissen, ob Ihr mir ähnliche Krimis empfehlen könnt“. Die Antworten werden nicht auf sich warten lassen, und eine wird sein: „Versuch es doch mal mit dem Erstlingsroman „Prälat Abels letzte Fahrt“ von Gunnar Steinbach. Der schreibt auch so abgefahren!“

Als akribischer Mensch besuchst du jetzt die →Homepage des Verlags, wo auch gleich zwei hübsch positive Meinungen zu Steinbachs Krimi auf dich warten (dass auch eine negative deiner dort harren könnte, hast du als intelligenter Mensch eh nicht erwartet). „Atmosphärisch dicht, stilistisch brillant“, so preist die „Schweriner Volkszeitung“, „sarkastisch, beklemmend“ fügt „Der Standard“ hinzu, versteigt sich dann aber zu der Mordsdummheit: „und fast zu gut für einen Kriminalroman, der als Unterhaltungsangebot daherkommt.“

Schon willst du den Krimi in den „Warenkorb“ legen, da fallen dir die famosen →„Alligatorpapiere“ ein. Mal schau`n, was die so künden. Und tatsächlich: Die Suchfunktion der famosen „Alligatorpapiere“ wirft dir zwei Rezensionen aus. Die erste stammt von Thomas Wörtche in seinem →Juli-„Leichenberg“(Zutritt nur für Leute, die 3 Euro für 6 Monate zahlen; aber das lohnt sich), die zweite aus Joachim Feldmanns →"Schusswechsel". Renommierte Namen, das, und du beginnst zu lesen. Und dein Gesicht wird länger und länger, deine Gedanken ratloser und ratloser. Hä? Gibt’s das? Was ist passiert?

Etwas Schreckliches: Thomas Wörtche senkt den Daumen nach unten, Joachim Feldmann reckt ihn hoch. Hallo? Von Rezensionen erwartest du schließlich, dass sie dich bei deiner Kaufentscheidung unterstützen, das ist so eine Stiftung Krimitest, und wenn etwas mies ist, dann ist es mies, und wenn etwas gut ist, dann ist es halt gut. Was für einen Kühlschrank gilt, hat gefälligst auch für einen Krimi zu gelten.

Vielleicht bist du ein übler Zeitgenosse und mutmaßt spontan, Wörtche sei ja wohl nichts weiter als ein verhinderter Krimiautor, so wie wahrscheinlich alle „Kritiker“ verhinderte Autoren sind und ihren Frust an tatsächlichen Autoren ablassen. Oder du hast aus den vielen Krimiforenbeiträgen gelernt, wo immer dann, wenn etwas nicht so rezensiert wurde, wie es dem Leser gepasst hätte, dieser Satz steht: „Der Kritiker da soll doch erst selbst einmal so ein Buch schreiben, aber das kann er ja nicht. Also darf er auch nicht kritisieren“.

Mag aber auch sein, dass du Joachim Feldmann unterstellst, er sei ein Schönwetterkritiker. Heißt: Was ihm in die Finger kommt, das mag er. Weil: Wenn er mal etwas Negatives schreiben sollte, wäre der Verlag böse und würde ihm keine Freiexemplare mehr schicken, und wer weiß, wie viel Büchergeld die Frau Feldmann ihrem Mann monatlich gibt, das könnte dann knapp werden und der Herr Feldmann müsste mit dem Rauchen aufhören, damit es für ein paar Krimis mehr reicht.

Wenn du so oder so ähnlich denkst, bist du ein Fall für die „Schule der Rezensenten“. Nein, dort soll man nicht lernen, wie man eine Rezension schreibt, sondern wie man sie liest. Wer eine Rezension lesen kann, der ist auch auf dem besten Wege, eine schreiben zu können, das stimmt schon, aber da fehlt doch noch etwas. In der „Schule der Rezensenten“ wirst du also lernen, dass sowohl der Herr Wörtche als auch der Herr Feldmann Recht haben könnten. Du wirst z.B. bemerken, dass Wörtche vor allem der fehlende Realitätsgehalt bei Steinbach missfällt. „Die Personen sind mehr Karikatur als dem Leben abgelauscht, und dennoch nicht reine Literatur“, schreibt er, und das stimmt auch. Feldmann hingegen stellt fest: „Mit Elmar Kugelmeyer tritt endlich ein Ermittler an, dessen Charakter durch keine exzentrische Angewohnheit interessant gemacht werden muss.“, und das widerspricht irgendwie der Wörtche’schen Einschätzung, ja?

Nein, gar nicht. Wörtches Bezugssystem ist bloß ein anderes. Er möchte Realität, ist jedoch bereit, darauf zu verzichten, wenn die Story auf eine andere Ebene gehoben wird, in der nicht die Realität der Dinge, sondern die der Kunst-Sprache gewahrt bleibt. Im Grunde findet er Steinbachs Ansatz sympathisch – aber eben misslungen. Er balanciert auf schmalem Grat und stützt ab, was durchaus ehrenvoll sein kann.

Feldmann hingegen stellt die Mittelmäßigkeit des Helden heraus, die die Abgefahrenheit der Handlung und des handelnden Personals ironisch bricht. Und du wirst lachen: So kann man das auch sehen. Realität ist für Feldmann eben nicht die Wahl zwischen Authentizität und Kunst, seine Definition verlässt die Textebene gar nicht.

Das klingt für dich vielleicht etwas abgehoben, und ich will jetzt mit der Rezension der Rezensionen auch aufhören. Sollte ja auch nur ein Beispiel sein. Am Ende nämlich musst DU dich entscheiden, auf welcher Seite zu stehst: auf der von Wörtche oder der von Feldmann? Beide liefern saubere Arbeit und plattitüden sich nicht durch die große bunte Welt der Slogans wie „spannend!“, „saulustig!“, „hab mich gut amüsiert!“. Nein, sie begründen, was sie meinen. Aber das muss man schon herausarbeiten als Leser, weil nur dann eine Rezension wirklich hilfreich ist. Und das kann man lernen, sehr wohl kann man das lernen, und das ist gar nicht so schwer.

Und bald, wenn die „Schule der Rezensenten“ erst mal ihren Betrieb aufgenommen hat, kannst auch du es lernen! Für „kleines Geld“, wie man so schön sagt, nämlich für gar keins!

Ach ja, noch zwei Sachen: Der Herr Wörtche hätte auch dem Herrn Feldmann seine Kritik schreiben können und umgekehrt. Das muss ein anständiger Rezensent einfach drauf haben, wenn es sich anstrengt, sonst ist er kein Kritiker, sondern bloß ein Überzeugungstäter. Und: Ich habe das Buch zufällig gerade auch gelesen, und nächste Woche bekommst du meine Meinung dazu zu hören.

dpr

12. August 2005

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