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Schule der Rezensenten -6-

rezensent1.GIF

Lesen ist Arbeit. Schreiben ist Arbeit. Arbeit kann Spaß machen, muss aber nicht. Wer ein missratenes Buch liest und bespricht, hat keinen Spaß. Dann wird Arbeit ungeliebte Arbeit, aber sie muss nun einmal erledigt werden.

Der Verriss ist die Königsdisziplin des Rezensierens. Einige Autoren (merkwürdigerweise nur solche, die schon mindestens einen Verriss über sich ergehen lassen mussten), vermuten dahinter auch die einzige Freude des Rezensenten und nutzen den Verriss als Einfallstor in die finsteren Abgründe einer von Psychopathien aller Art beherrschten Kritikerseele.

Aber es macht wirklich keinen Spaß, ein Buch negativ zu beurteilen. Weil ich lieber gute Bücher lese als schlechte, weil sich im Laufe der Jahrhunderte so viele gute Bücher, die ich noch nicht gelesen habe und niemals lesen werde, angesammelt haben, dass die Erkenntnis, man vergeude hier seine Zeit mit schlechter Literatur, doppelt schmerzt.

Rein technisch gesehen ist ein Verriss natürlich ein gefundenes Fressen für den Rezensenten. Man braucht nur zu prügeln, und prügeln kann jeder Depp. Die Argumente liegen in der Faust, sind ergo grob und je durchschlagskräftiger desto besser. Der Haken dabei: Ich muss erst einmal abklären, ob ein Buch wirklich verrissen werden muss.

Gehen wir systematisch vor. Nach der Lektüre eines Buches treffe ich eine Entscheidung, die dem zu besprechenden Werk erst einmal seinen vorläufigen Platz auf der Beurteilungsskala zuweist. Ist es vollauf gelungen? Vollauf missglückt? Oder liegt es irgendwo dazwischen? Meistens letzteres. Irgend etwas hat man immer auszusetzen, irgend etwas kann vielleicht doch als Plus im Meer des Negativen herumschwimmen.

Im nächsten Schritt gilt es, diese „Ausreißer“ von den perfekten Mustern des Ge- respektive Misslungenen zu taxieren. Rechtfertigen Sie es, als solche implizit erwähnt zu werden oder handelt es sich dabei um zu vernachlässigende Größen, Faktoren also, die den Genuss eines Buches weder meßbar schmälern noch meßbar erheben?

Gelangt man zu der Ansicht, die Makel respektive Schönheitsfleckchen gehörten erwähnt, ist eine weitere Abwägung fällig. Die nämlich, ob man einfach nur erwähnt, ohne das Gesamturteil zu schmälern oder ob man sie erwähnt und gleichzeitig dieses Urteil nach oben / unten relativiert.

Beispiele aus der Praxis. Vor geraumer Zeit habe ich Bernhard Jaumanns →„Die Vipern von Montesecco“sowie Christine Lehmanns →< a href="http://www.hinternet.de/weblog/2005/08/christine-lehmann-harte-schule.php"> „Harte Schule“ an dieser Stelle besprochen. Im ersten Fall habe ich zwei erzählerische Mängel des Autors benannt und belegt, bin jedoch von meinem insgesamt positiven Urteil nicht abgerückt:

„Die Geschichte selbst ist stark genug, den Leser bis zum Ende bei der Stange zu halten.“

Das ist jetzt natürlich so eine Sache, weil ich hier quasi für DEN Leser spreche, weil ich mich wirklich nicht selber meine. Mich hat es nämlich gestört. Ein wenig. Grundsätzlich. Vielleicht weil draußen die Sonne schien, ich Urlaub hatte, fiel mein abschließendes aber letztlich doch positiv aus. Die Mängel unerwähnt lassen, das wollte ich indes nicht. Wer sich als Leser davon gestört fühlen könnte, weiß jetzt, was ihn erwartet. Mit dieser Strategie kann ich gut leben.

Im Fall von Christiane Lehmann lag die Sache anders. Sie beginnt stark, hält diese Stärke stilistisch durchaus, verheddert sich aber mit fortlaufender Handlung immer heilloser im überladenen Plot. Ihr Krimi ist nicht misslungen – aber auch nicht so gelungen, dass man über die Schwächen hinwegsehen könnte. Also habe ich sie genannt und gleichzeitig ein negatives Gesamturteil gefällt, nicht ohne indes darauf zu verweisen, dass ich die Autorin für talentiert genug halte, uns demnächst einen wirklich guten Krimi zu präsentieren. Auch hier mag der Leser eine andere Einschätzung treffen. Vielleicht stört ihn die handlungs- und konfliktfädenschwangere Story nicht – seine Entscheidung.

Ich schreibe also für Leser. Und wie reagieren Autoren auf solche Relativierungen des Kritikerurteils? Zugegeben: Das kommt immer etwas oberlehrerhaft daher, wie man so sagt, als hätte ich die Weisheit mit sämtlichen mir zur Verfügung stehenden Löffeln gefressen, sei ein Erbsenzähler, Pedant, schlimmstenfalls einer, den eine gute Beurteilung so verärgert, dass er sie sofort abschwächen muss. Ist natürlich Unsinn. Tatsächlich möchte ich wenigstens den Versuch machen, mit dem Autor zu kommunizieren, wenn er den die Kritiken seiner Bücher liest (die meisten tun es). Da ich selbst auch Autor von erzählender Literatur bin, weiß ich inzwischen solche Ratschläge durchaus zu schätzen. Aber bis zu diesem Punkt war es ein langer Prozess. Ich weiß, dass ich als Autor stets der schlechteste Kritiker meiner Arbeit bin, und eine vernünftige Kritik aus der Distanz nehme ich immer zur Kenntnis. Vielleicht sogar einen veritablen Verriss? Hm. Überlegen. Was ist überhaupt ein Verriss? Dazu das nächste Mal mehr.

dpr

19. September 2005

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