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Kinky Friedman: Greenwich Killing Time

„In dieser Nacht regnete es wie eine Hure mit Überziehungskredit.“ – Eigentlich habe ich alles verstanden in Kinky Friedmans Erstling „Greenwich Killing Time“, die Bedeutung dieses Vergleichs ausgenommen. Macht nichts. Ein Krimi, der von den Assoziationen seines Protagonisten lebt, ist immer noch besser als einer, der von seinen vorgestanzen Bauteilen erschlagen wird.

Wer einen Song mit dem Titel „They Ain’t Makin’ Jews Like Jesus Any More“ schreibt, kann kein ganz schlechter Mensch und eigentlich auch kein ganz schlechter Krimiautor sein. Friedman, Countrysänger mit dem Hang zum Schrägen, bleibt sich auch als Schriftsteller treu. „Greenwich Village Time“ ist anders als die andern – oder etwa nicht?

Lassen wir einmal die Persönlichkeit des Detektivs außen vor und schauen, was die Handlung zu bieten hat. Ein Journalist namens McGovern wird verdächtigt, einen Wohnungsnachbarn getötet zu haben und bittet unseren Helden, den Fall zu klären, denn natürlich ist McGovern unschuldig. Der Detektiv – eigentlich ist er Countrysänger, eigentlich arbeitet er gerade an einem Theaterstück mit Musik und eigentlich ist er Friedman persönlich – ermittelt. Sehr konventionell. Er verhört, kombiniert, bricht ein paar Gesetze, deren Hüter den Amateur nicht leiden mögen. Es geschehen weitere Morde, auch der Detektiv gerät ins Visier des Killers. Das Übliche halt, und schließlich wird kombiniert wie nur je in einem Detektivengehirn, um den Fall zu lösen. Davon, dass Friedman „Genreregeln“ bräche, kann keine Rede sein. Die Story entwickelt sich als Whodunit und wird folgerichtig mit der Entlarvung der für all die Untaten verantwortlichen Person abgeschlossen.

Aber da wäre eben doch noch die Persönlichkeit des Detektivs, der ja seinem Autor aus dem Gesicht und der Weltanschauung geschnitten ist, und letztere erweist sich als eine Mischung aus Lakonie, Ironie und Flapsigkeit. „New Jersey war meine zweitliebste Gegend.“, bekennt der Held, und fügt sogleich hinzu: „Die liebste war überall sonst.“ So geht es quer durch den Roman, ein Sammelsurium von großstädtischen Schnappschüssen und New Yorker Personal, das Boris, Ratso oder Rambam heißt, auf irgendwelche Eigenarten und Fähigkeiten reduziert wird (Nahkampf-As, Einbrecher-As, what ever), ansonsten aber neben dem allmächtigen Ego des Ich-Erzählers keinerlei Persönlichkeit ausbilden darf.

„In den Tripple-Burger der Psyche“ hinabsteigen, „bis du das Land Oz erreichst, das Unbewußte“ – das ist nicht bei Friedman. Die Handlung geht in die Breite, was nichts heißen mag. Man gewöhnt sich an die Erzählweise – und man liest das Ganze durchaus vergnügt – oder eben nicht. Dann wird ein Vergleich wie "Die nächsten zwei Tage schleppten sich hin wie ein Tausendfüßler mit einem bösen Hexenschuss" zum Sinnbild der Lektüre, die von einemTausenddenker mit Schlagseite zur letzten Seite hin formuliert wird.

Ich habe einige Kapitel gebraucht, um mich einzulesen, was ich an meiner allmählich sich erhöhenden Lesegeschwindigkeit gemerkt habe. Kein schlechtes Zeichen. Und auch auf das Konventionelle reduziert, kann „Greenwich Killing Time“ als unterhaltsamer Krimi bestehen. Ob bei meinem nächsten Friedman-Abenteuer das Ganze in Genervtheit umschlägt? Nicht auszuschließen. Mal sehen.

dpr

Kinky Friedman: Greenwich Killing Time. Rotbuch 2005, 228 Seiten, 9,90 €

20. Oktober 2005

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