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Krimikultur - die Kommunikation

freitagsessay.gif

Gemütlich im Sessel, im Bett: einen Krimi nach dem anderen dem stampfenden Häcksler der Augen vorwerfen: ein kulturelles Idyll. Oh, ich mag dieses private Kultivieren eines Interesses. Mache es ja genauso. Manchmal ist mir allerdings auch nach Austausch zu Mute, interessieren mich die Meinungen anderer, ihre Erkenntnisse, sogar ihre Irrwege. Als Krimifreund habe ich es da nicht leicht.

Um das zu umreißen, was man eine gemeinsame, also kommunikative Krimikultur nennen könnte, müssen wir einen Schritt weit ins Nachbarfeld treten, wo die „allgemeine Literatur“ erblüht. 190 Mitglieder etwa sind in der →„Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten“ organisiert und widmen sich Leben, Werk und Wirken mal bekannter, mal unbekannter Autoren und Autorinnen. Die meisten dieser Vereinigungen zählen wenige hundert Mitglieder, einige dümpeln gar im zweistelligen Bereich, andere, wie etwa die Karl-May-Gesellschaft, erfreuen sich größeren Zulaufs. Geld ist allerorten knapp und stammt zumeist aus Mitgliedsbeiträgen, staatlichen Zuschüssen und den Erlösen aus Publikationen.

Nehmen wir, weil es naheliegt, die →Gesellschaft der Arno Schmidt Leser (GASL), die sich seit 1986 mit allem beschäftigt, was auch nur im Entferntesten mit unserem Helden aus der Südheide zu tun hat. Die Mitgliederzahl hat sich jenseits der 200 eingependelt, davon sind etliche aktiv in Organisation und Forschung, andere treten gelegentlich hervor, viele sind einfach nur interessierte Mitglieder.

Und was leistet diese GASL? Sie veranstaltet jährliche Tagungen, gibt Jahrbücher heraus sowie eine Buchreihe und eine eigene, viermal jährlich erscheinende Zeitschrift. In einer so lobenswerten wie gigantischen Aktion werden zudem Werke aus Arno Schmidts Bibliothek als PDF-Dateien zugänglich gemacht.

Das Beispiel wurde nicht zufällig gewählt, da es sehr präzise und erschreckend aufzeigt, woran es der „Krimiszene“ mangelt: an Kommunikaton und gemeinsamem Engagement. Etwa 200 Mitglieder – das ist auch eine realistische Zahl, wenn man alle verschärft an Kriminalliteratur, ihrer Geschichte, ihrer Theorie Interessierten im deutschsprachigen Raum addiert. Vielleicht sind es mehr, sicher nicht viel weniger, man weiß es halt nicht so genau, alles ist Schätzung.

Traurige Wahrheit indes: Wer sich hierzulande um den Krimi bemüht, bleibt mehr oder weniger Einzelkämpfer. Natürlich gibt es inzwischen diverse Plattformen im Netz, die dem Informations- und Diskussionsbedürfnis dienen. Und die Etablierung der "Krimibestenliste" wirft das kommunikative und sehr zu lobende Highlight des Krimijahres, allen Stänkerern und Verschwörungstheoretikern zum Trotz. Wie aber steht es um die Beschäftigung mit der Geschichte? Ein dringendes Anliegen, fürwahr. Dass Mirko Schädel, seit Jahr und Tag mit seiner →„Achilla Presse“ im Dienste des Krimis, demnächst eine „Illustrierte Bibliographie der Kriminalliteratur von 1796 bis 1945 im deutschen Sprachraum“ herausgeben wird, wäre andernorts eine vieldiskutierte Neuigkeit, ein sehnlichst erwartetes Ereignis. Innerhalb unserer „Krimikultur“ ist es (noch) ein Nichtereignis, und es bleibt zu hoffen, dass man den Herausgeber mit seiner arbeits- und kostenintensiven Arbeit nicht im Regen stehen lässt.

Nächstes Beispiel: Wo gibt es die Möglichkeit, etwa in Form eines Jahrbuchs die Entwicklung zu fixieren, zu beschreiben, zu analysieren? Selbstverständlich kann man sich alles auch „ergoogeln“. Doch wer tut es? Wo bleibt all das, was nicht hier und da, immer sehr vereinzelt, manchmal auch sehr entlegen, publiziert wurde, weil es schlichtweg an Möglichkeiten fehlte?

Häufig ist alles eine Frage der Initialzündung. Wer das Fehlen eines Jahrbuches beklagt, sollte eins herausgeben. Wird geschehen. Wer das Fehlen einer (nicht auf die Produktion von Dissertationen zielenden) Beschäftigung mit der Geschichte beklagt, sollte selbst damit beginnen. Wird geschehen. Doch die schönste Initialzündung bleibt folgenlos, wenn das, was da gezündet werden soll, nicht mitspielt. Oder, genauer, wenn dem, was da anzustoßen ist, schlichtweg die Mitfahrer fehlen. Wer alles mitfahren könnte, auch dafür liefert uns die GASL einen Anhaltspunkt: Hier kommunizieren Wissenschaftler und Sammler, Publizisten und Leser, Germanisten und Biologen, Bibliothekare und Rechtsanwälte - - -

Natürlich, natürlich: Ich höre schon die Einwände. Soll etwa ein Verein gegründet werden? Geht es um Grüppchenbildung, Interessentrusts, Gefälligkeitsklüngeleien? Nichts weniger. Es geht um Austausch, um Kommunikation, um das Bündeln der Kräfte, um das Erreichen eines Ziels durch gemeinschaftliches Engagement. Die allgegenwärtigen Gefahren einer Verfilzung, eines Verfolgens egoistisch-materieller Interessen soll hier nicht kleingeredet werden; man widme sich ihnen aber doch bitte erst dann, wenn es etwas gibt, das sich verfilzen, das missbraucht werden könnte. Als Vorwand, Kommunikation zu verhindern, taugt das alles nichts.

Das Erfreuliche: Die Kommunikationsleitungen sind gelegt. Es gibt engagierte Einzelkämpfer, es gibt Blogs, Internetportale, ja, sogar ein →Verlag für Sekundärliteratur zum Krimi hät sich tapfer über Wasser. Jetzt müssen bloß noch ein paar Telefone angeschlossen werden und los gehts. Sage ich jetzt mal. Hoffnungslos optimistisch.

Oh doch. Ich könnte mir schon vorstellen, dass hier die wohl vorhandenen Einzelteile eines Engagements auf den verschiedensten Gebieten zusammengebracht werden könnten. Kultur hat man nicht. Man ist Kultur. Und wer sie entwickelt, entwickelt daher sich selbst.

dpr

21. Oktober 2005

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