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Ergebnis eines Dienstgangs

Wie hier vor Wochenfrist angekündigt, habe ich in den letzten Tagen eine zwar nicht repräsentative, so doch vage wissenschaftlich angedachte Inspektion hiesigen, d.i. Saarbrücker Handels mit Kriminalromanen durchgeführt, partiell begleitet von Chef Walter, der sich bei dieser Gelegenheit nicht zügeln konnte, über die noch elendere Situation der Science Fiction Literatur zu lamentieren.

Drei Buchhandlungen – drei Typen: die Filiale einer großen Buchhandelskette, viel Ware auf drei Etagen, Kundengedränge, als stünde Weihnachten vor der Tür und Deutschland wäre über Nacht alphabetisiert worden und hätte Nachholbedarf. Sodann die bürgerliche Normbuchhandlung: Familienbesitz und Tradition, auch drei Etagen, aber deutlich kleiner als die Filiale des Branchenriesen. Dezenter Publikumsverkehr. Und, last but not least: der selbstverwaltete Buchladen, alles Parterre, davon zwei Regale mit Krimis. Als ich dort eintreffe, ist gerade mal eine Kundin im Laden, die diesen zwei Minuten später ohne (legalen) Bucherwerb verlässt.

Die allgemeine Lage: Beim Betreten der Filiale der Kette und Ansteuern des Krimisegments, welches aus überfrachteten Novitätentischen und einigen stattlichen Regalmetern, etwa acht, besteht, plötzliche Versetzung in eine scheinbar nordische Buchhandlung, denn: Ick seh nur Skandinavier. Mankell, Holt, vieles, was auf –ström und –son endet. Da wir uns bevorzugt dem Vorhandensein des Deutschkrimitums widmen wollen, wurde im Vorfeld folgende Versuchsreihe ausgetüftelt: Finde die neuesten Werke von Elisabeth Herrmann und Astrid Paprotta, immerhin jüngst Spitzenreiterinnen der KrimiWelt-Bestenliste, der wir, nota bene, übrigens weder hier noch da noch dort ansichtig wurden.

Herrmann: Fehlanzeige. Paprotta: „Die Höhle der Löwin“ ist vorhanden, ja, die drei Vorgängerromane stehen einträchtig daneben und warten auf Klientele. Überhaupt: Alles, was aktuell ist, kann man hier käuflich erwerben. Voraussetzung: muss in einem der größeren und bekannten Häuser erschienen sein. Random House rules, ob deutsch oder nichtdeutsch, das ist hier nicht die Frage oder, wie jüngst anderweitig gelassen ausgesprochen: keine Apartheid, jedenfalls keine strikte. Andreas Franz liegt gleich mit geschätzten 143 Neu- und Alttiteln rum, wir tendieren einen Moment dazu, Ludger Menke „Das Syndikat der Spinne“ als Weihnachtsgeschenk zu verehren, halten das aber dann doch für keine sehr gute Idee. Seghers Braut liegt nicht im Schnee, sondern bedrohlich vervielfältigt babeltürmig neben Frau Link. Sollte dieser Turm umfallen, sehen wir auch für die Schafskrimi-Twin-Towers schwarz.

Inzwischen ist Chef Walter, fanatischer SF-Leser und Dick-Fan, heulend vor der „Fantasy- und Science Fiction“-Abteilung zusammengebrochen. Mindestens 35 Zentimeter Philip K. Dick! Dass er das noch erleben darf! SF kommt wieder!, murmelt er und ist im Weiteren auf dieser Dienstreise nicht mehr zu gebrauchen, so dass diese ohne Begleitung des Vorgesetzten fortgesetzt werden muss.

Und in die bürgerliche Buchhandlung führt. Zwei Regale voll Krimis, davor vereinzelt „Novitäten“ zwischen Weihnachtsdeko. Keine Herrmann, keine Paprotta, dafür „Leichensache“ von Norbert Horst, vom neueren „Todesmuster“ keine Spur. Überhaupt: Hier gilt, was für die Filiale gilt, nur viel bescheidener: Halbwegs groß musst du sein, Verlag, um hier im Regal zu landen. Deutsches eindeutig in der Minderheit, nur Frau Dorn und Frau Swan fallen, wie schon auf der ersten Station, unangenehm durch geballte oder sagen wir lieber: gestapelte Präsenz auf, was mich für einen Moment zu der These animiert, das Wort Hochstapelei stamme aus dem Buchgewerbe.

Bleibt, als letzte Station, der linke Buchladen, wo die durch Selbstausbeutung arg verlebt aussehenden Händlerinnen und Händler in Katalogen blättern, während man selbst a) Frau Herrmann findet und b) Frau Paprotta nicht. Wird wohl ausverkauft sein. Dafür, endlich: Hier bin ich Klein- oder Kleinmittelverlag, hier darf ichs sein. Distel, Edition Nautilus, Rotbuch, Maas, um nur die vier zu nennen, die mir sogleich ins Auge fallen. Man bekommt Lehmann, Brack etc, die zwar zahlenmäßig in der Minderheit sind, aber hier bewahrheitet sich wieder einmal das alte Sprichwort: Was du bei den Großen nicht findest, das haben die Kleinen, kauf es, bevor sie pleite sind.

Resultat: not surprising. Deutschkrimi wird nicht unterdrückt, nur gibt es mehr ausländische Bestseller als inländische, so dass optische Täuschung hier eine DisKrimiNierung vorgaukeln mag. Und zweitens: Wer groß ist, kommt auch groß raus. Nur nicht bei der Tante Emma Buchhandlung ums Eck.

dpr

14. Dezember 2005

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