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Kurzrezensionen -1-
Lange Zeit wusste ich nicht, was jener „SUB“ ist, von dem ForenbesucherInnen bisweilen lamentierend sprechen. Als ich zwischen den Jahren meinen Stapel ungelesener Bücher betrachtete, kam mir auf einmal die Erleuchtung. Und der Vorsatz: Der Stapel muss kleiner werden. Die Rezensionen der abgelesenen Werke kürzer. Voilà. Hier sind die ersten drei.

Drei Storys ohne Mord hat Andrea Camilleri in seinen Band „Der falsche Liebreiz der Vergeltung“ gepackt, Geschichten aus den Anfangsjahren seines Commissario Montalbano, traurige und tragische Geschichten aus Sizilien eigentlich, doch unter der leichten Hand des Meisters und den seltsamen Methoden seines Protagonisten geraten sie zu vorzüglichem und amüsantem Lesestoff. Morde geschehen nicht, es werden welche verhindert, die Wirklichkeit schleicht sich en passant und satzweise ein: Mafia, afrikanische boat people, Armut. Das ist komisch und unkomisch zugleich, das muss einer können, und Camilleri kann es.
Komisch, ja bizarr, sprich: englisch extravagant sind auch die sieben Erzählungen in „Father Brown und die Midasmaske“ von G.K. Chesterton. Nur die (lange Zeit verschollen geglaubte) Titelstory zeigt uns den kleinen, pummeligen Geistlichen in Aktion, der für Chestertons Nachruhm sorgte. Der Rest ist Krimi der etwas anderen Art. Rätsel werden gelöst, aber diese Lösungen sind oft merkwürdiger als die Rätsel selbst. Chesterton erzählt geistreich, pointiert, wortwitzig, wir erleben Landpfarrer, die auf Elefanten reiten, Bankiers, die keine sind, Attentäter, die zu Attentätern werden, weil sie Attentate verhindern wollen, überhaupt: ein Sammelsurium schräger Typen, die wir am Anfang gar nicht verstehen, dann aber doch, und die am Ende immer eine Moral oder Lebensweisheit parat haben. Wenn sie von einem Meister wie Chesterton kommt, haben wir nichts dagegen.
Maren Schwarz macht es uns mit ihrem Krimi „Maienfrost“ leicht. Wir zitieren treffend aus dem Rückumschlag-Text: „In ihren Romanen versteht es die leidenschaftliche Krimiautorin ausgezeichnet, Seite für Seite eine schier unerträgliche Spannung aufzubauen.“ Dem haben wir nur eine Kleinigkeit hinzuzufügen: Man ersetze „Spannung“ durch „Langeweile“. Oder, noch kürzer: Maren Schwarz kreuzt ein gusseisernes Mankell-Imitat mit dem Aufsatz „Meine Schulferien auf Rügen“ einer höchstens Fünfzehnjährigen. Das wird hierzulande geschrieben. Meinetwegen. Das wird hierzulande gedruckt. Hä?
dpr
Andrea Camilleri: Der falsche Liebreiz der Vergeltung. Commissario Montalbano findet seine Bestimmung. Lübbe 2005. 347 Seiten, 19,90 €
G.K. Chesterton: Father Brown und die Midasmaske. Nova & vetera 2004. 214 Seiten, 22 €
Maren Schwarz: Maienfrost. Gmeiner 2005. 276 Seiten, 9,90 €
4. Januar 2006
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