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Wolfgang Schorlau: Das dunkle Schweigen

So sieht er also aus, der engagierte und geschichtsbewusste deutsche Gegenwartskrimi. Immer am Puls der Zeit, kritischer Blick zurück, andere Kulturen im Augenwinkel. So könnte er aussehen. So sieht er natürlich nicht aus. Aber so hat er anscheinend Erfolg. Zeitgeist-Posing.

Betrachten wir uns den Fall, den Georg Dengler, ehemaliger BKA-Mitarbeiter und jetziger Privatdetektiv, zu lösen hat. 1947 wird ein Hotel auf einen fünfzehnjährigen Jungen überschrieben. Einfach so, ohne Gegenleistung, scheint es. Die Erben des früheren Besitzers möchten sich nun die Immobilie zurückerstatten lassen, denn irgend etwas kann da nicht stimmen. Dengler soll das Geheimnis der Schenkung lüften und Beweise für die Nichtigkeit des Vertrages liefern.

Seine Nachforschungen werden eine Reise zurück in die Zeit unmittelbar nach Kriegsende, jedenfalls theoretisch. Denn wirklich weiter kommt Dengler bei seinen Recherchen nicht. Sobald er die Ereignisse auch nur antippt, schweigen seine Gesprächspartner oder geraten sogar, da längst im Rentenalter, an den Rand eines Herzinfarkts.

Parallel zu dieser Handlungsebene und mit dieser kapitelweise alternierend setzt sich nun eine zweite Story in Gang, die wenige Wochen vor Kriegsende spielt. Ein schwarzer amerikanischer Bomberpilot wird in der Nähe von Bruchsal abgeschossen, überlebt und versucht sich zu den heranrückenden Stellungen der Alliierten durchzuschlagen.

Die Idee ist gut. Einmal bewegt sich die Handlung sukzessive vorwärts, einmal zurück, und irgendwo werden sie sich treffen und der Fall ist klar. Theoretisch. Denn wie bereits erwähnt kommt Dengler bei seinen Ermittlungen nicht voran. Was nicht weiter verwundert, betrachtet man sich die Pappkameraden von Personen, die Schorlau aufmarschieren lässt. Allen voran die beiden Auftraggeber, ein Geschwisterpaar, das eine Fabrik besitzt und u.a. Spielzeug fertigt. Sie, die Schwester, ganz hundeschnauzenkalte Unternehmerin, er, der Bruder, geschäftsuntüchtiger Tüftler mit ewigem Spieltrieb. Mehr haben beide nicht zu bieten, und der Rest des Personals passt sich diesem zweidimensionalen Niveau an. Plakativer gehts nimmer.

Oder doch? Aber klar. Irgendwann ist Dengler den Fall los und reist nach Chicago, um endlich sein Bluesidol Junior Wells zu erleben. Ersparen wir uns die Analyse dessen, was Schorlau unter Blues versteht, wenden wir uns lieber dem Dilemma des Autors zu, nicht zu wissen, wie er nun die Geschichte vorantreiben soll. Also greift er zum Hammer.

Ich muss zugeben, dass ich ja schon etliche Storyverrenkungen erlebt habe, die einem beim bloßen Lesen schmerzhaft in die Glieder gefahren sind. Aber Schorlau übertrifft alle. Der Bluesmusiker erwähnt so nebenbei, sein Vater sei gegen Kriegsende in Deutschland abgeschossen worden, und er, Dengler, habe als private eye doch ein Händchen für so was. Folglich reist der Detektiv mit neuem Auftrag nach Deutschland zurück – und: Man braucht jetzt eigentlich nichts mehr zu sagen. Natürlich hat der neue mit dem alten Fall zu tun, Dengler läuft plötzlich zu Hochform auf, durchschaut alles, klärt alles, ein Hoch auf Kommissar Zufall, der eine vermurkste Geschichte doch noch zum genretypischen Ende prügelt.

Eine Plastikstory in einer Plastikwelt, Plastikpersonen, die sich in Plastiksprache über zu Plastikthemen gewordene Sujets (Rassismus, Judenverfolgung, Kapitalismus - the whole bunch) unterhalten. Plastik kann man hübsch bemalen, keine Frage: ein bisschen bunte Gegenwartstupfer (siehe auch → hier), ein angegilbter Exkurs in die Nazi- und Nachkriegszeit, einige Personen, die so originell sind wie eine „rumänische Taschendiebin“, ein „Kreuzworträtselschreiber“, ein „retardierter Spielzeugentwickler“ eben originell sind, wenn man es wie Schorlau bei solch lapidaren Etikettierungen belässt. Dazu ein Abstecher nach Chicago, ein paar unverbindliche Takte Blues – genügt schon.

Mir nicht.

dpr

Wolfgang Schorlau: Das dunkle Schweigen. Denglers zweiter Fall. Kiepenheuer & Witsch 2005. 334 Seiten, 7,90 €

26. Januar 2006

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