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Gesetzgeber

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Gesetze regeln das Zusammenleben und sind, weil es sie gibt, Zeugnisse menschlicher Unvollkommenheit. Was aber regeln Gesetze, die zum Schreiben von Kriminalliteratur erlassen werden? Und welche Unzulänglichkeit bezeugen sie?

Es lässt sich nur mutmaßen: die Unsicherheit des Autors, sein Zagen vor der eigenen Schaffenskraft, seine ihm anerzogene Angst vor der Gesetzesübertretung, sein Vertrauen in Obrigkeiten, mögen diese auch selbst ernannt sein und ihre Kompetenz in praxi nicht nachgewiesen haben? Wie dem auch sei: Wer immer sich an einen Schreibtisch setzt, um nach „allgemeinen Gesetzen“ einen Kriminalroman zu verfassen, steht nach vollbrachter Schandtat als Gescheiterter von diesem Schreibtisch auf. Manchmal auch als Bestsellerautor, denn das eine schließt das andere nicht aus.

Gewiss: Für Kriminalromane gelten die ehernen Gesetze, die für alle Literatur gelten, und die sind dubios genug. Du sollst nicht langweilen. Ja mei; und wer regelt nun, was Langeweile ist? Mich persönlich etwa langweilen Auto(r)verfolgungsfahrten, vielleicht weil ich selbst kein Auto besitze. Andere fühlen sich prächtig unterhalten, wenn ein Autor das Interieur von Schloss Blackmore en détail expliziert, unter besonders wortreicher Berücksichtigung der Farbe der Kacheln des Gästeklos.

Überschätze / unterschätze deine Leser nicht. Wieder Definitionsgrauen. Da hilft wohl nur, die Leser für so intelligent zu halten wie man selbst zu sein glaubt. Und das kann decouvrierend sein, wenn einem bei der ersten Lesung die geballte Strunzdummheit gegenübersitzt.

Bedenke, dass Literatur entfernt etwas mit Sprache zu tun hat und missbrauche sie nicht als Speditionsfahrzeug, mit dem du deinen geistigen Plunder in mein armes Leserhirn transportierst. Und was ist Sprache? Ganz bestimmt nicht das, was uns die Deutschlehrer beigebracht haben. Sie sollte dem Text angemessen sein, und – nein, genug. Auch dieses Gesetz, so richtig es sein mag, taugt nichts als Gesetz. Höchstens als subjektive Richtschnur.

Bliebe am Ende nur ein einziges Gesetz, das wirklich praktikabel ist: Schaffe dir Gesetze für deinen Text, nicht deinen Text für die Gesetze. Will sagen. Zu Beginn jedes – werden wir konkret – Kriminalromans waltet die Anarchie, wütet Chaos. Schaff die Ordnung, die dein Text braucht. Kümmere dich einen Dreck um die – entlarvenderweise zumeist dritt- bis achtklassigen – Autoren von Gesetzen. Sobald dein Text vollendet ist, lösche die Gesetze aus deinem Gedächtnis.

Wie sehr es sich lohnt, selbsternannten Gesetzgebern die Stirn zu bieten, sei kurz an zwei Beispielen gezeigt, einem ganz aktuellen und einem ganz alten. In Andrea Maria Schenkels „Tannöd“ geschieht ein sechsfacher Mord. Es gibt indes keinen Ermittler, es gibt keine herkömmliche Detektion – aber einen spannenden Krimi. Mitte des 19. Jahrhunderts verfasste Karl von Holtei die Kriminalerzählung „Das wär' der Henker!“. Ein junges, leicht flatterhaftes Mädchen wird ermordet, der von ihm umschwärmte Musiklehrer unter dringendem Tatverdacht festgenommen und zum Tode verurteilt. Alles spricht für seine Unschuld – aber Holtei löst den Fall nicht auf, es geht ihm um etwas anderes. Und das ist spannend genug, um keinem Gesetz folgen zu müssen.
(Zum Studium der Gesetze, gegen die man genüsslich verstoßen sollte, sei noch einmal auf die Seite von → Jan Seghers verwiesen.)

dpr

22. März 2006

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