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Lesen in einem Zug

eisenbahn.jpg

Eine neue Reihe macht es möglich. Man setzt sich in den Zug, beginnt zu lesen, steigt aus, vollbringt sein Tagwerk, setzt sich wieder in den Zug, liest – und das Buch ist ausgelesen. „64 Seiten – und Schluss!“ Das verspricht eine neue Reihe der Edition Nautilus – und das wollen wir doch mal ausprobieren.

Lesen in einem Zug? Ich habe das nie gekonnt. Dieses Lesen in einem ZUG, natürlich. Früher, als Schüler, gab es in einem Zug Besseres, Nützlicheres zu tun, zum Beispiel Hausaufgaben oder taktisches Geplänkel mit Mädchen. Aber man konnte beobachten, wie Menschen tatsächlich in einem Zug lasen, Krimis oder Western, die billigen Heftchen mit ihren 60 Seiten. Es waren sämtlich Arbeiter, von BOSCH und Bahn, keine Bergleute oder Stahlwerker, die fuhren nämlich nicht mit dem Zug, die hatten werkseigene Busse.

Aber die andern eben. Mittelalte Männer mit Filzhüten und speckigen Aktentaschen, in denen neben den Butterbroten die Krimis lagen, nach der Eroberung eines Sitzplatzes ausgepackt wurden, um sich darin zu versenken, bis der Zug seine Bestimmung erreicht hatte. Das gibt es heute nicht mehr; ich kann es beurteilen, denn ich fahre immer noch mit Zug, und wer da liest, sind Frauen (Stephen King ist sehr beliebt), die Männer sind keine Arbeiter mehr, sondern erkennbar Bank- und Versicherungsangestellte, und wenn die lesen, dann in deutsch-englischen Wörterbüchern oder der lokalen Zeitung.

Da ist also eine Tradition verschwunden, die Arbeiter, die es für 25 Minuten ins New York eines Jerry Cotton verschlagen hat, ein New York also, das es so nie gab, und das passt natürlich zu allem anderen. Heftchen werden weiterhin gekauft, Jerry Cotton gibt es noch, aber im Zug liest ihn niemand mehr. Das ist schade. Denn wo sonst hätte Jerry Cotton seine Berechtigung, als dort, wo man zwischen zwei reichlich langweiligen Stationen des täglichen Lebens hin und her transportiert wird? Die Züge, in denen Arbeiter fuhren, waren immer solche Orte, an denen der Alltag für ein paar Minuten sein Recht verloren hatte. Man pendelte zwischen dem Privatleben, in dem das Geld nie reichte, und dem Berufsleben, in dem dieses nie ausreichende Geld verdient werden musste, und man nutzte diese Zeit für einen Sprung in den Jungbrunnen der Imagination.

Heftchen, das gebe ich zu, waren für mich lange das, was sie für die meisten sind: Schund, nicht der Rede wert. Ich selbst hatte nur eine kurze Jerry-Cotton-Phase, ja, ich las Montags Jerry Cotton und Dienstags lieber Hemingway. Aber mir ist später klargeworden, wie wichtig diese Heftchen für einen bestimmten Typus Mensch waren. Den Arbeiter eben, den kleinen Angestellten. Wer heute Jerry Cotton liest und warum, weiß ich nicht. Aber dieses Im-Zug-Lesen war existentiell, und darum waren auch diese Heftchen existentiell, und das Naserümpfen von uns Besserwissern war so dumm und unreif wie das meiste, was wir getan haben.

Ich konnte also nie im Zug lesen, aber jetzt will ich es versuchen, der Edition Nautilus sei Dank. Dort nämlich sind soeben die drei ersten Hefte der neuen Reihe „Kaliber .64“ erschienen, wie der Name schon andeutet akkurat 64seitige Krimis durchaus namhafter Autoren. Herausgegeben wird die Reihe von Volker Albers, der ja schon die „Schwarzen Hefte“ bis zu ihrem Ende betreut hat. Eine gute Sache also per se, auch wenn man weiß, dass die längere Erzählung, die "Criminalnovelle" gar als Wiege des Krimis betrachtet werden kann. Und irgendwann, mangels Publikationsmöglichkeiten, auszusterben drohte.

Namhafte Autoren, sagte ich. Nämlich die hier: Robert Brack, „Kalte Abreise“, Robert Lynn, „Tochterherz“ und Carmen Korn, „Der Fall der Engel“. Schmale Heftchen mit gutem Papier, etwas größer als die Reclam-Bändchen, aber handlich genug, wirklich Taschenbücher genannt zu werden (im Gegensatz zu den 500-Seitern, mit denen man uns sonst so bewirft). Die also werde ich, in alphabetischer Reihenfolge, ab sofort im Zug lesen und dann hier vorstellen. Und kurz berichten, wie es mir dabei ergangen ist. Ob diese Reminiszenz von den Arbeitern, die es in Zügen nicht mehr zu geben scheint (heute fahren sie Auto oder sind arbeitslos), irgendwie in meine Gegenwart geholt werden kann und wie oder nicht und warum nicht. Das ist also ein kleines Experiment. Ach ja: Die Hefte kosten 4,90 € das Stück, für jede Saison sind drei geplant.

dpr

1. März 2006

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