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Robert Lynn: Tochterherz

eisenbahn.jpg

[Schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn man eine deftige Sexszene liest und einem dabei ein butterbrotkauender Pennäler gegenübersitzt. Aber so ist nun mal das Lesen im Zug: War of the Worlds]

Also deftige Sexszene: Im dritten und abschließenden Band der ersten Abteilung von Kaliber .64, Robert Lynns „Tochterherz“.

Der längste Text der drei, zwar auch seitenzahlmäßig im Soll, aber gedrängteres Schriftbild. Eine Schauspielerin fällt aus dem Fenster, Selbstmord. Die Frau war launisch, mal euphorisch, mal depressiv, eine gefeierte Heroine, der jetzt die Boulevardpresse Krokodilstränen nachweint. Nur die Mutter glaubt nicht an Selbstmord – und auch Harret Wolf tut es nicht. Der ist durch eine satte Erbschaft zu Geld gekommen und muss nun nicht mehr als Journalist arbeiten. Stattdessen plant er ein Buch über die Tote, schon deshalb, um einem ehemaligen Kollegen von der Klatschpresse eins auszuwischen.

Tja, und jetzt wird’s ein wenig unlogisch. Von Anfang an also ist Wolf davon überzeugt, dass die Schauspielerin von fremder Hand ins Jenseits befördert worden ist. Wieso, warum, weshalb? Das erfahren wir nicht.

[Weinendes Mädchen im Zug. Wäre ja nichts Besonderes, wenn ich nicht gestern, am Kiosk vor dem Bahnhof, schon mal ein Mädchen beim Flennen erwischt hätte. Plottet sich da ein Realkrimi zusammen? Oder nässt doch nur die kriminelle Seite der Pubertät? – Blöde Fragen stellt man manchmal.]

Lynn, das merkt man, hat seinen Text im Griff, davon abgesehen natürlich, dass er mit den gleichen Problemen wie die Kollegen zu kämpfen hat. Das Gerüst eines Großkrimis wird über die kleinere Form der Erzählung gestülpt, und da kann ja nicht alles passen.

[Aber, merkwürdig, bei diesen kleinen Sachen schluckt man allzu Zufälliges, allzu Konstruiertes klagloser als bei großen. Vielleicht, weil man die Mühen des Autors, der Autorin ahnt, die sich aus der schieren Begrenztheit der Zeichenmenge ergeben. Und man schon froh ist, sich nicht zu langweilen. Aussteigen – arbeiten – einsteigen.]

Und schauen, wie sich alles klärt. Da hat Lynn ein wirklich gute Idee. Der Tathergang nebst Entlarvung des Täters geschieht als Text im Text, als Kapitel jenes Buches, das Wolf über das Ableben der Schauspielerin schreibt. Man wundert sich zwar, dass der detektivende Journalist sich den Mörder so schnell hat ausgucken können – aber, ja mei, 62 Seiten, da hast du keine große Auswahl an Verdächtigen. An einigen Stellen hätte Lynn straffen können. Der „Dichter“ genannte Obdachlose etwa ist allzu sozialkitschig, und die beiden von ihm gebastelten Gedichte ein bissel peinlich. Auch die Sache mit der Freundin, die vom Täter bedrängt wird – hätte es nicht unbedingt gebraucht. Fazit: Saubere Arbeit bei allen Unzulänglichkeiten.

Und das Generalfazit der ersten drei Kaliber .64 – Bände: Schön, doch, wirklich. Drei potente Autoren, ein Problem: Eine Kriminalerzählung ist kein Kriminalroman. Sie braucht andere Strukturen. Am ehesten hat das noch Robert Brack begriffen und eine kleine Humoreske geschrieben.

[Und mein Zugfazit: Es geht. Man kann in Zügen lesen. Kleine Sachen, bei großen bin ich mir da nicht so sicher. Jedenfalls: Auch die drei Bände der nächsten Saison möchte ich gerne wieder so lesen, mit dem Soundtrack der ratternden Gleichförmigkeit im Hintergrund. So. Aussteigen. Wenn ich jetzt noch ein weinendes Mädchen sehe, muss irgendwie eine Epidemie ausgebrochen sein. Die Heulgrippe; was weiß ich.]

dpr

Robert Lynn: Tochterherz. Edition Nautilus 2006. 62 Seiten, 4,90 €

17. März 2006

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