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Erich Loest: Der Mörder saß im Wembley-Stadion

Sieben Jahre Zuchthaus lagen hinter Erich Loest, als ihn wirtschaftliche Erwägung und politische Notwendigkeit zum Autor kriminalliterarischer Harmlosigkeiten machten. Das wäre eigentlich auch schon das Spannendste an „Der Mörder saß im Wembley-Stadion“.

Aber nein, das Buch hat was. Der Kriminalroman als letzte Fluchtburg des bedrängten Schriftstellers, der Schriftsteller als Bedürfnisbefriediger, der die Eingeschlossenen über die Mauer hebt und durch London spazieren lässt – ein London, das Loest sich aus Büchern zusammenreimt und das mit den Tatsachen grotesk kollidiert, aber was soll’s.

Der Fall ist reine Kolportage. Böse Buben und die Andeutung einer femme fatale, ein biederer Inspektor samt verständnisvoller Hausfrau, eine unschuldige Maid und im Hintergrund der mysteriöse Obergauner, „Der Delphin“ genannt. Das erinnert an den „Zinker“, den „Hexer“, den „Hai“, die ganze unfreiwillige Komik der deutschen Edgar-Wallace-Verfilmungen, auch an den großen englischen Postraub und seine deutsche TV-Adaption „Die Gentlemen bitten zur Kasse“.

Und natürlich die Fußballweltmeisterschaft 1966, die Loest geschickt zur atmosphärischen Kulisse der turbulenten Jagd umgestaltet, Highnoon während des Endspiels. Uwe Seeler mit „denkenden Beinen“, das legendäre Spiel der Nordkoreaner gegen Italien, nur das unsterbliche dritte Tor wird nicht erwähnt.

Der routinierte Autor Loest hat keine Probleme, sein dramatisches England spektakulär und genregerecht zu entwickeln. Es wird geraubt und gemordet, gefahndet und verdächtigt, falsche Spuren sind falsche Spuren und „der Delphin“ am Ende doch der, den man von Anfang an in Verdacht hatte. Lockere Unterhaltung allemal und nicht schlechter als die Mehrzahl der artverwandten Erzeugnisse jenseits der großen Mauer.

Pünktlich zur heurigen WM hat Loest nun seinen alten, aber merkwürdigerweise bei aller Versatzstückhaftigkeit mit milder Nostalgie nett zu lesenden Krimi neu aufgebrezelt. Leider verrät er uns nicht, wo und wie, so dass wir nicht wissen, ob der anlässlich eines Gefängnisausbruchs fallende Satz „Vermutlich besaß jeder Mensch irgendein dummes Freiheits-Gen“ original ist oder neu. Na, sei’s drum. Loest hat sich damals über die Runden geschrieben, ehrenvoll und handwerklich solide. Dass er den Krimi niemals ernsthaft als literarische Möglichkeit sah und auch nicht sehen durfte, sei ihm verziehen.

dpr

Erich Loest: Der Mörder saß im Wembley-Stadion. Steidl 2006. 200 Seiten. 10 €

12. April 2006

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