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Geschichte einer Nichtrezension

I
Das Päckchen erreichte mich an einem regnerischen Morgen. Es enthielt zwei Bücher – beide identischen Inhalts, das eine gebunden, das andere broschiert – und einen kurzen Brief: „Hallo! Wir freuen uns, Ihnen als NordPark-Powerrezensent den von Axel Bußmer herausgegebenen Band → „Lawrence Block – Werkschau eines New Yorker Autors“ überreichen zu dürfen, und zwar in zwei Ausführungen.“ Das sah ich selbst. Weiter hieß es: „Um baldige Besprechung wird gebeten. Sonst werden wir ungemütlich.“ Den letzten Satz hielt ich für einen Scherz.

II
Exakt eine Woche nach Zusendung der Bücher fand sich folgende Mail auf meinem Laptop: „Guten Tag! Wir haben Ihnen vor einer Woche ein Buch in doppelter Ausführung (gebunden mit Schutzumschlag, broschiert) zur Besprechung geschickt, und zwar Axel Bußmers → „Lawrence Block – Werkschau eines New Yorker Autors“ . Leider konnten wir auf Ihrer Internetseite bisher noch keine Besprechung entdecken. Wieso eigentlich nicht? Haben Sie wenigstens schon einmal reingeschaut? Die Liste der namhaften Beiträger andächtig studiert? Zur Kenntnis genommen, dass alle Romane des Autors kritisch vorgestellt werden? Das ist doch was, oder?“ – Ich nickte. Ja, schon richtig. Herr Block hat ja gleich mehrere Serienhelden, die denn auch nach einem feinen biografischen Abriss präsentiert werden. Und dann eben: Buch für Buch. Da liest man sich ein, auch wenn man kein Block-Spezialist ist. Und das sind keine Beweihräucherungen, sondern wirklich kritische Artikel. Aber ich kann das Buch nicht besprechen. Sorry.

III
Vier Tage nach dieser Mail wurde mir erneut ein Brief zugestellt, ein in zittriger Handschrift verfasstes Schreiben von Herrn Eduard Miersch, der sich als Urgroßonkel des Verlegers vorstellte und ausführte: „Verehrter Herr. Ich bin 97 Jahre alt und lebe, nur durch eine schmale Kriegsteilnehmerrente alimentiert, als schwer betreuungsbedürftiger Mensch im Haushalt meines Urgroßneffen, des unermüdlichen Verlegers Alfred Miersch. Er und seine Familie sorgen rührend für mich, was in der heutigen Zeit keine Selbstverständlichkeit ist. Doch seit kurzem ist Alfred bedrückt. Seine von Kindheit an heitere Natur wird von Sorgen überschattet, und gestern hat er, auf meine Nachfrage, endlich erzählt, was ihn so belastet: SIE, mein Herr! Dass Sie den von Axel Bußmer herausgegebenen Sammelband → „Lawrence Block – Werkschau eines New Yorker Autors“ nicht besprechen wollen. Glauben Sie mir: Alfred hat fast geweint, denn er hält große Stücke auf Sie. Ich bitte Sie inständig: Denken Sie an einen alten Mann, der es nicht überleben wird, wenn sein Urgroßneffe seelisch vor die Hunde geht. Und wenn Ihnen das Schicksal eines Mannes egal ist, der Deutschland wieder aufgebaut hat, dann haben Sie ein Herz für die drei Katzen, die Herr Miersch selbstlos aufgenommen hat und versorgt. Besprechen Sie! Sind doch nur gute Leute dabei, nicht? Ihr Eduard Miersch, Kleinrentner“.
Bedrückt legte ich den Brief, der mich menschlich erschütterte, beiseite. Ja, auch das stimmt. Kundige Beiträger, der Wunschtraum eines jeden Herausgebers. Sie haben sich viel Arbeit gemacht, auch die Verfilmungen werden akribisch besprochen, und der Thomas Przybilka hat wieder eine Bibliografie der Sekundärliteratur abgeliefert, dass einem die Augen aus den Höhlen fallen. Und trotzdem. ICH KANN NICHT! ICH DARF NICHT!

IV
Zwei Wochen später erreichte mich neue Post aus Wuppertal. Ein Foto nur: Darauf posierend ein muskelbepackter Hüne, ein Ninja-Schwert vor der glänzenden Brust, einen Baseballschläger in der Rechten, eine Flasche Salzsäure in der Linken. Auf der Rückseite des Bildes diese Anmerkung: „Das ist Axel Bußmer. Er weiß, wo Sie wohnen. Kommt die Rezension nicht zum Herausgeber, dann kommt eben der Herausgeber zum Rezensenten. Irgendwann. Spät nachts.“
Schnell verriegelte ich Türen und Fenster meiner allzu einsam gelegenen Wohnung. Ja, ich habe den von Axel Bußmer herausgegebenen Band → „Lawrence Block – Werkschau eines New Yorker Autors“ wirklich gerne gelesen. Aber ich kann ihn beim besten Willen nicht besprechen! Versteht das doch! Es wäre nicht recht!

V
Heute dann. Ich traue mich kaum noch aus dem Haus, der Briefträger guckt auch schon so komisch. Er reicht mir die Post – zwei Buchpäckchen und einen Brief. Ich zucke zusammen: Poststempel Wuppertal. Schnell alles absperren. Die Gaspistole in die Hosentasche, den Brief öffnen:
„Hallo Sie. Da Sie das neueste Produkt des Hauses NordPark, den von Axel Bußmer herausgegebenen Sammelband → „Lawrence Block – Werkschau eines New Yorker Autors“ nicht zu besprechen gedenken, müssen wir Ihnen leider ab sofort den Titel eines NordPark Powerrezensenten entziehen. Außerdem haben wir Ihnen die Mitteilung zu machen, dass das von Ihnen in unserem Hause herausgegebene → Krimijahrbuch 2006 ab morgen für 25 Cent verramscht werden wird. Es ist, unter uns, der letzte Scheiß, abgesehen von den Beiträgen aller AutorInnen, die nicht Dieter Paul Rudolph heißen. Leben Sie wohl, aber hoffentlich nicht mehr zu lange. Ihre Verlagsgruppe NordPark“.
Das hab ich nun von meiner honorigen Standhaftigkeit.

dpr

7. April 2006

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