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Quartal der Frauen

Das erste Krimiquartal des Jahres liegt hinter uns. Wieder wogte die Flut des Gedruckten so gewaltig, dass mein kleiner Schöpflöffel nicht nachkommen konnte, alles an Lesenswertem aufzufangen. Das Fazit ist also subjektiv und willkürlich.

Es war, im Guten wie im Schlechten, ein Quartal der Frauen. Bezogen auf die deutschsprachigen Novitäten, auf die das Augenmerk gerichtet sei. Und dort stand man im Banne einer Debütantin namens Andrea Maria Schenkel, die genremäßig so ziemlich alles falsch machte – keine Ermittlung, keine Ermittler, keine hochgestochenen Botschaften – und damit literarisch alles richtig. → „Tannöd“, die Geschichte eines sechsfachen Mordes 1954 in der Oberpfalz, ein dünnes Werk von 120 Seiten (auch das gegen die anscheinend herrschende Regel des Krimibacksteins), erntete Euphorie bei Kritikern wie Lesern, ging rasch in die zweite Auflage und ist, dies nebenbei, auf unserer Krimiseite nach wie vor ein gesuchtes Stichwort.

Auch (noch) nicht ganz etabliert ist Lena Blaudez, die mit → „Farbfilter“ ihren zweiten Kriminalroman vorgelegt hat. Ada Simon, die Fotografin, wieder in Afrika, wieder ein facettenreiches Bild dieses chaotischen Kontinents. Blaudez setzt damit nicht nur ihre eigene Entwicklung konsequent fort, sondern bestärkt auch den Trend der letzten Jahre: Deutsche AutorInnen marschieren in die Welt hinaus, auf den Spuren Detlef B. Blettenbergs sozusagen, aber mit eigenen Gedanken und Konzepten im Marschgepäck. Einem Trend folgt auch Andrea Maria Schenkel, dem Interesse von KrimiautorInnen an der jüngeren Vergangenheit. So reif und radikal wie sie war bis jetzt allerdings noch niemand.

Leider passen auch die Tiefpunkte des Jahres zu den Tendenzen der Vergangenheit: Hochambitiöses, kitschiges Kunsthandwerk, von grob fabrizierter Sinnhaftigkeit durchraunte Nichtigkeiten. Bei Eva-Maria Heims → „Dreckskind“ tut es mir leid, die Autorin scheint besser zu sein als ihr Buch, denn das ist missglückt (gestehe aber, dass hier die Kritikermeinungen auseinandergehen und einige Menschen, die ich für kompetent halte, die Sache anders sehen. Also Vorsicht! Ich könnte mich irren!). Anne Chaplets → „Sauberer Abgang“ hingegen ist ein durch und durch verlogenes Stück Pseudokrimi, auf die denkbar langweiligste Art zusammengeschustert.

Und sonst? Viel Durchschnitt. Gelesen – vergessen. Manches wird mir, sowohl oben als auch unten, entgangen sein, und die Leser sind aufgefordert, mein wie gesagt subjektives und willkürliches Fazit durch eigene subjektive und willkürliche Meinungen zu ergänzen. Und dieses Fazit lautet, sehr knapp: Es kann besser werden im laufenden Quartal. Oder schlechter.

dpr

5. April 2006

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