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Preise

Über literarische Preise kann man sich freuen oder ärgern; müßig ist beides. Auch der diesjährige Glauser konfrontiert uns mit den bekannten Einwänden: zu sehr Geschmacksurteil, zu wenig transparent. Was mangelnde Transparenz betrifft, bin ich überfragt. Wie gläsern soll die Wand zwischen den Gehirnen der JurorInnen und denen der Leser eigentlich sein? Detaillierte Begründungen? Und dann?

Alles ändert nichts daran, dass Urteile stets Geschmacksurteile sind - und bitte auch bleiben mögen. Denn das Gegenteil von Geschmack ist - nein, nicht Objektivität, sondern: Politik. Die großen literarischen Preise, allen voran der Nobelpreis, werden nach politischen oder doch wenigstens kulturpolitischen Kriterien verliehen. Mit den bekannten Ergebnissen. Ein Vladimir Nabokov etwas konnte nie den Nobelpreis erhalten, weil er "Lolita" geschrieben hat, das Buch, für das ihm eigentlich jeder denkende Mensch den Nobelpreis per Eilpost hätte zuschicken müssen. Aber eben auch das Buch, das von der schieren Dummheit, der schieren Ignoranz zum "Skandal" aufgebauscht wurde. "Lolita" auszuzeichnen war nicht opportun, genauso wenig durfte man "Ulysses" mit höheren Weihen beglücken, denn das ist schließlich Pornografie, und einem Edgar Hilsenrath den Preis zuzuerkennen, das lag nun völlig außerhalb der Vorstellungwelt der Experten, also war Günter Grass mal dran.

Immer wenn Experten urteilen, sind Dinge mit im Spiel, die mit dem eigentlichen Gegenstand gar nichts oder nur wenig zu tun haben. Nichts ist so verbreitet wie der Expertenirrtum, der manchmal Kalkül ist. Nehmen wir die deutsche Literaturgeschichtsschreibung, nehmen wir den deutschen Krimi. Ich weiß, manche können es schon nicht mehr hören, aber ich sage es nochmals: Dass Carl von Holteis "Schwarzwaldau" nicht zum Kanon der deutschen Literatur gehört, ist ein "Expertenurteil", das auf geistiger Beschränkung, blankem Zeitgeist und moralischer Rücksichtnahme fußt. Dass die hochpolitischen Krimis des 19. Jahrhunderts "vergessen" wurden, ist, wenn wunderts, eine politische Entscheidung. Soviel zur Objektivität der Experten.

Der Glauser ist, wie DKP oder BestenListe, "geschmäcklerisch". Es gibt JurorInnen, die teils qualifiziert sind, teils nicht, sie lesen Bücher, die ihnen gefallen oder nicht gefallen, sie veröffentlichen Rankings, die ich Leser, da ich weiß, wie sie zustande gekommen sind, als Richtschnur verwenden kann oder nicht. Das ist unvollkommen, darüber kann man streiten, das kann man ablehnen. Was man aber nicht kann: Es besser machen. Ich warte noch immer auf die Ausfertigung der Strukturen der "gerechten Liste", des "objektiven und transparenten Preises", ich werde vergebens warten.

Liebe Freunde. Lest einfach. Lasst euch von meinesgleichen raten, aber glaubt bloß nicht, unsereins wäre fehlerfrei oder ein aus seiner Geschmackswelt geschältes Neutrum, das gar nicht irren kann, weil es kein Mensch mehr ist. Letztlich seid ihr immer alleine mit den Büchern.

dpr

1. Mai 2006

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