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Letzte Mahlzeit Wiesbaden

homestory.gif

Wiesbaden war heiß. Der Asphalt kochte und Frau Anobella, die Kriminaldichterin, tat es ihm nach. So standen wir, das Homestoryteam von Hinternet, mit knurrenden Bäuchen vor der Tür des geschmackvollen Wiesbadener Anwesens der Unvergleichlichen und fühlten uns wie die heiligen zwei Könige. Unsere Gastgeschenke: ein Buch von Karl D. Weyrauch („Lehratlas des Histologie“), eine Schallplatte („Er hat ein knall-rotes Gummiboot“) der norwegischen Vortragskünstlerin Wencke Myhre sowie die letzte CD von Max Goldt. Und, nicht zu vergessen, das Original-Hinternet-T-Shirt. Wir klingelten und waren gespannt.

Frau Anobella öffnete, freudig lächelnd, in einem bunten, der Jahreszeit angepassten Hauskleid von Gianluca Brutali, geplättelte Seide mit plissiertem Spitzen-Patchwork. Ein überaus erfreulicher Anblick, wie mir der geöffnete und schon leicht zum Sabbern geneigte Mund des mich begleitenden Diplomkünstlers Wünsch verriet. „Schön, dass ihr endlich da seid, Jungs“, sagte die Dichterin, „kommt rein, es gibt gleich was zu spachteln.“

Frau Anobella, durch ihr Krimidebüt „Roter Wein, das muss nicht sein“ einem Millionenpublikum (Johannes B. Kerner – Talkshow) bekannt geworden, führte uns geradenwegs in ihren gepflegten Garten, eine Oase der Ruhe in der doch so hektischen hessischen Landeshauptstadt. „Tut euch keinen Zwang an, Leute, legt ab.“, forderte uns die Dichterin auf und streifte sich, wie zur Bekräftigung ihres Imperativs, auch gleich die Schuhe von den Füßen, ein Paar Cityschlappen aus der Produktion von Yves De Bonsaque (siehe nachstehende Skizze von Diplomkünstler Wünsch).

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Der Tisch war geschmackvoll gedeckt. „Grüne Soße“ hatte uns die Kriminaldichterin versprochen, ein Nationalgericht der hiesigen Einwohner, andernorts auch als „Schon mal verdaut“ übel beleumundet, auf dem teuren Porzellan der Gastgeberin indes appetitlich angerichtet. Wir setzten uns und schlugen zu (siehe nachstehende Skizze von Diplomkünster Wünsch).

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„Gnädige Frau“, begann ich den dienstlichen Teil der Homestory, „in einem Interview mit Tobias Gohlis („Die Zeit“, „Krimijahrbuch 2006“) werfen Sie der deutschen Kriminaldichtung das Fehlen jeglicher Neigung zur thomasbernhardschen Verwendung des Konjunktiv I („indirekte Rede“) als postkommunikative ultima ratio vor. Stattdessen kapriziere sich die deutsche Kriminaldichtung auf – ich zitiere – ‚diesen scheiß chapletischen Imperativ vom ‚Wer glaubt, er schreibe einen Krimi, der schreibt halt einen Krimi.’ – Äh, was meinen Sie eigentlich damit?“

Frau Anobella, die Backen voll zerstampfter „Grüner Soße“, lächelte ihr „Ich hab eine Zahnlücke, erinnert mich bloß nicht dran“-Lächeln und antwortete: „Na – ‚Die Zeit’ eben!“ *verdreht die Augen – „Da muss man halt so reden!“ - **wirft die Hände übern Kopf ***nickt in die Runde.

Das Essen, man kann es nicht anders nennen, mundete vorzüglich, wenn auch das Runterschlucken der fein in Magerquark ertränkten Kartoffeln und hartgekochten Eier schwerfiel. Eigenhändig schenkte die Dichterin aus dem großen Äppelwoi-Krug („Bembel“) nach, Diplomkünstler Wünsch würde später glasigen Auges von dieser doch so gastfreundlichen Geste schwärmen und sich vornehmen, sie in fetter Ölfarbe zu verewigen. „Ein Teufelsweib!“ lallte er das eine um das andere Mal auf der Rückfahrt, aber so weit sind wir noch nicht, denn schon schwebte die nimmermüde Wiesbadener mit einer Schale köstlichen Nachtischs herbei.

„Ein herbstliches Arrangement aus welkem Laub, mit UHU kunstvoll zusammengeklebt, um eine köstliche Füllung aus Thunfischfrikassee im Preiselbeerbett. Zum Wohlsein!“, empfahl sie und schluckte sogleich eine dieser so wohlschmeckenden wie ästhetisch überzeugenden Pretiosen (siehe nachstehende Skizze von Diplomkünstler Wünsch).

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Ich wollte noch einige Fragen stellen – Welche Drogen nehmen Sie? – Sind Sie ein Findelkind? – Gibt es das Kleid, das sie da tragen, auch in Ihrer Größe oder nur für Bulimieleidende? – Wo ist die Toilette? – doch die Zeit, ach, Sie verging so rasch. Frau Anobella erzählte sehr belanglose, für die Literaturgeschichtsschreibung indes irgendwann sicher einmal wichtige Ereignisse ihrer Biografie, es wurde heißer, es wurde schwüler, die Zeit verging wie im Flug.

Diplomkünstler Wünsch, der wie betört an den Lippen der schönen Dichterin hing, versuchte diese plötzlich in einer abrupten Umarmung und begleitet von katermäßig gejaulten Schreien „Du Teufelsweib, du!“ gänzlich in seine Gewalt zu bringen, was ich zwar vermittels eines Faustschlages verhindern konnte, doch Frau Anobella war nun doch sehr an unserem baldigen Aufbruch interessiert und servierte, „als Wegzehrung“, ein Stück ihres berühmten Käsekuchens (siehe nachstehende Skizze von Diplomkünstler Wünsch), den wir ihr für teuere 13,50 Euro (Rechnung wurde übergeben) im „Cafè Maldaner“ hatten besorgen müssen.

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Voll der leckersten Mahlzeiten erhoben wir uns schließlich und verabschiedeten uns von Frau Anobella, die uns noch auftrug, ihr im kommenden Bücherherbst erscheinendes Werk „Weine nicht um Weine, Luzinda“ gehörig zu loben, widrigenfalls sie uns die Krätze an den Hals wünsche. Wir versprachen unser Bestes und verließen, schwer beeindruckt, das gemütliche Heim der Dichterin. Wiesbaden war noch immer heiß. Der Asphalt kochte weiter. Wir aber hatten genug erlebt.

dpr

14. Juni 2006

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