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Schmierblatt für 14
Betrifft Krimiporträts. Also nur für 14 Leute relevant. Ein Ideenstrang, den ich jetzt mal rasch skizziert hab, bevor er weg ist. Muss noch ausgearbeitet werden. Vernünftig formuliert. Wer will, kann sich aber schon mal anschauen, wie die Richtung sein wird. Aber nur die 14 Vorbesteller bitte! Alle anderen - →subskribieren oder Leine ziehen! Ich kontrollier das!
Die Wirklichkeit eines Krimis ist fiktive Wirklichkeit, eine Binsenweisheit, die indes nicht ausschließt, dass es auch in dieser erfundenen Wirklichkeit Fiktion geben kann. Zu den wenigen „deutungsfähigen“ Details aus Ina Henkels Denkwelt gehört es, dass sie, die Leichen nicht riechen kann, ihre Wirklichkeit im wahrsten Sinne parfümiert. Die Welt wird dadurch erträglicher; da sie es aber nicht IST, wird sie ein Teil jener Fiktion, die „Mimikry“ geradezu wie ein Leitmotiv durchzieht. Sie alle brauchen ihre Gegenwelt, ihren Spiegel, der das Leben außerhalb des Spiegels erträglich und ihre Existenz erst sichtbar macht : die Täterin, die Ermittlerin, die Opfer.
In „Sterntaucher“ sehen wir eine andere Konstellation von Wirklichkeit und Fiktion. Wieder denkt sich Ina Henkel in eine Parallelwelt, die allerdings nicht tröstlich sein kann. Sie erschafft das Leben einer Frau, um mehr über ihr eigenes zu erfahren (typisch: Das geschieht zumeist in Frageform. Was hast du gemacht? Warum hast du das gemacht? Wo bist du jetzt? Was denkst du? Was hast du dir dabei gedacht?). Auch hier kommt es also zu Spiegelungen, die am Ende vor den Tatsachen nicht bestehen können, aber Ina Henkel in ihrer Willkürlichkeit konturieren (das ist wichtig! Die Konturen der Ina Henkel sind alle willkürlich! Das unterscheidet u.a. Astrid Paprotta von den schlechten AutorInnen! Muss noch näher erläutert werden).
Gänzlich anders dann in „Die ungeschminkte Wahrheit“, wo die Logik der Tat- und Tätergeschichte am Ende von der prosaischen Wirklichkeit als Fiktion entlarvt wird. Für die Entwicklung Ina Henkels bedeutet das: Sie löst sich langsam von der Notwendigkeit, ihre Wirklichkeit zu spiegeln, Fiktion zu ernten und zu versuchen, sie zu IHRER Wirklichkeit werden zu lassen.
Verzwickt wird es in „Die Höhle der Löwin“: Hier ist Ina Henkel wie in keinem der Vorgängerromane „eine wirkliche Polizistin“, wie man sie aus Krimis kennt. Sie ermittelt. Sie kommt zu Ergebnissen. Sie deduziert und induziert. Sie ist, kurz, von jener „Wirklichkeit“, die in „Mimikry“ noch ganz die Fiktion der Täterin gewesen war. Hatte diese Ina aus der „echten Wirklichkeit“ geholt und überhöht, so wird dieses Ereignis nun rückgängig gemacht. Ina Henkel verschwindet in der Wirklichkeit, sie verschwindet aus dem Genre „Krimi“, sie verschwindet aus dem Text. Einen fünften Ina-Henkel-Krimi kann es nicht geben. Höchstens, irgendwann, einen neuen ersten.
dpr
27. Juni 2006
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