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Die Arbeit der nächsten Wochen

...wird mich fast erschlagen. Erstens: Ich habe hier quasi "das Ganze". Chef Walter liegt noch erschöpft im Wochenbett, die dynastische Hinternet-Erbfolge ist mit Prinz Vincent jetzt immerhin gesichert. Das noch schüttere Haupthaar des zukünftigen Hinternet-Magnaten erinnert an Zidane und man weiß schon jetzt: Wer dereinst seine Mamma beleidigen wird, geht schweren Zeiten entgegen. Der Knabe wurde Fräulein Katja zur artgerechten Aufzucht übergeben.

Und dann die Rezensionen, die sich auch nicht von selbst schreiben. Nächste Woche: Viktor Arnar Ingolfssons "Bevor der Morgen graut". Mit →"Das Rätsel von Flatey" hat uns der Isländer im letzten Jahr einen schönen atmosphärischen Krimi geschenkt und die Latte hoch gelegt. Ob der grauende Morgen drüberkommt? Am Donnerstag werden wir es wissen.

Übernächste Woche dann Leonardo Paduras "Adios Hemingway". Ein schmales Werk über die letzten Jahre des nordamerikanischen Literaturgiganten, voller kubanischer Melancholie, die Vergangenheit offenbart ein Verbrechen - und eigentlich geht es um Mario Conde und seine Erinnerungen.

Zwei Werke, die ich auf besondere Empfehlung lese, werden sich anschließen. Ein nicht ganz unbekannter Kritikerkollege hat mir Robert Littells "Die kalte Legende" ans Herz gelegt, "ein Meisterwerk" sei das, und wenn ich etwas anderes behaupten würde, müsse man mich als "intellektuell hirntot" entsorgen. Ja, so zynisch und menschenverachtend reden sie in unserer Branche, und eigentlich sind Spionagekrimis nicht mein Fall. Aber ich lese ihn natürlich, schon allein deshalb, weil es ja möglich wäre, dem Kollegen ein Lektion zu erteilen. Pass mal auf, Alter, jetzt leg ich dir auseinander, warum dieses Buch kein Meisterwerk ist, sondern der größte...Und schon hat der Bursche wieder was gelernt!

An mir vorbeigegangen wäre wohl auch Leo P. Ard mit "Der letzte Bissen". Das Autorenpseudonym find ich ja nun...nun ja. Soll aber eine der besten Novitäten des Jahres sein, flüsterte man mir konspirativ zu, und das möchte ich schon selbst überprüfen.

Das also ist die Arbeit der nächsten vier Wochen. Von allem anderen abgesehen. Die Redaktionsräume sind leer, gestandene Männer haben "Vaterschaftsurlaub", unsere ukrainischen Edelpraktikantinnen sonnen ihre geölten Körper am sandigen Strand der Saar, von fern dringt Klein-Vincents Geschrei (das kann er schon wie der Alte) an mein Ohr, und Fräulein Katja singt, seit fünf Stunden, immer das gleiche Schlaflied für den Burschen. "Hinternet, Hinternet, der Profit ist riesenfett...nur der Krimischrei-ber ist ein Übertrei-ber".

dpr

17. Juli 2006

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