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Reed Farrel Coleman: The James Deans

Dieses ist die erste Besprechung eines der diesjährigen Kandidaten für den Edgar, Kategorie „Bestes Taschenbuch“. Besprechungen der anderen Kandidaten und jener für die Kategorie „Bestes Buch“ sollen folgen.
Häufig sind sich zeitgenössische PI (private investigator)-Romane im Aufbau recht ähnlich. Ein Detektiv, gern auch früherer Polizist, der zum Jagen getragen werden muss, beauftragt von Personen aus gesellschaftlichen Schichten, die als die besseren gelten, mit einem Privatleben voller emotionaler Fallgruben, trotz aller Widerstände moralisch integer. Am Ende dann häufig eine erste Lösung, scheinbar überzeugend, und doch, wie die zweite wahre Lösung zeigt, ganz verkehrt. Wenn sich das Ganze dann noch an einem Ort wie New York zuträgt, nicht gerade selten bespielt, wo Krimileser auch abseitig gelegene Gebiete kennen, scheint das Problem des Autors, dem Leser einen interessanten Roman zu bieten, noch größer zu sein.
Um Variation ins scheinbare Einerlei zu bringen, versuchen viele Autoren deshalb ihre Helden mit Konflikten vollzustopfen und die Plots mit Finten über Finten zu spicken. Wirklich gute Romane entstehen deshalb nicht unbedingt. In „The James Deans“ wählt Reed Farrel Coleman einen anderen Weg um den Leser zu fesseln: Er schreibt ein schlichtweg gutes Buch. Eines, welches sich stark an den klassischen Vorgaben orientiert, ohne zu dick aufzutragen oder den Leser mit Pirouetten schwindlig zu spielen.
Moira Heaton arbeitete als Praktikantin bei einem aufstrebenden US-Senator in New York und ist vor zwei Jahren urplötzlich ohne eine Spur zurückzulassen verschwunden. Da die politische Umgebung des Senators diesen zu Höherem berufen sieht, und da Gerüchte um das Verschwinden der jungen Dame für dessen weitere Karriere problematisch sind, beauftragt einer der reichen Gönner des Senators Moe Prader, herauszufinden was mit der jungen Frau passiert ist. Recht unspektakulär kommt die Aufklärung der Geschichte voran. Moe Prager findet einen Ansatz, sammelt sich Mitstreiter, trickst ein wenig… und schon liegt das Geständnis des Verdächtigen vor.
Eigenartig denkt sich da der Leser, 155 Seiten rum, und 120 liegen noch vor mir, und die Truppe hält ihre Siegesfeier in einem eleganten New Yorker Restaurant ab, da stimmt doch etwas nicht!
Obwohl „The James Deans“ erst das dritte Buch der Moe Prager Serie ist, gilt dieser „spät gereifte“, 1956 geborene Autor alles andere als ein Geheimtipp. Die Qualität des Stils Colemans liegt nicht nur in der unaufdringlichen, prägnanten Art in der er schreibt, sondern noch mehr in den intelligenten Bemerkungen, den gelungenen und eigenständigen Bildern die er verwendet und den Personen, die er gestaltet. Jüdisches Leben in New York ohne folkloristisch zu wirken, strahlende Politiker und die „Macher“ im Hintergrund. Coleman erzählt Eigenständiges und ohne uns mit Geschwätzigkeit zu langweilen. Nicht überkandidelt und nicht immer wieder auf den gleichen Seelenschmerz rekurrierend wirkt auch Moe Prager nachvollziehbar. Ein Jagdhund, falsche Fährten aufspürend und hartnäckig auf der Spur bleibend. Und so entwickelt sich im zweiten Teil eine äußerst spannende Geschichte, so dass am Ende nichts ist, wie es schien.
Ja , „The James Deans“ ist sehr klassisch gehalten und doch so individuell wie ein gutes Buch nur sein kann.
Dr. Bernd Kochanowski
Reed Farrel Coleman: The James Deans. Plume Books 2005. 277 Seiten. 11,50 € (noch keine deutsche Übersetzung)
11. Juli 2006
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