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Ken Bruen und Jason Starr: Bust

Ken Bruen und Jason Starr sind zwei auch für ihren hintergründigen Humor bekannte Autoren. Anders als z.B. Carl Hiaasen oder Christopher Brookmyre beugen sich die beiden nicht dem Primat des Humors, sondern sie schreiben Noirs, die sie mit ironisch schwarzem Humor würzen. Dass die beiden Autoren für ein Buch zusammengekommen sind, liegt vermutlich daran, dass der in Irland lebende und einst als Sicherheitskraft im UN-Gebäude tätige Ken Bruen auf einem der „Krimi-Convents“ den in New York lebenden Jason Starr traf und man beschloss, die gemeinsamen Interessen bei einem Zug durch die Kneipenwelt New Yorks auszuloten. Ein Wort gab wohl das andere und am nächsten Morgen könnte das Gerippe einer Story und so mancher „One-liner“ fertig gewesen sein.
Keine Frage: Die beiden Autoren beherrschen ihr noir-Handwerk und treiben in „Bust“ ihr Personal durch eine gut strukturierte und recht komplexe Handlung. Max Fisher, Eigentümer einer erfolgreichen Computerfirma, will seine Frau loswerden. Angela Petrakos, Angestellte und Geliebte von Max Fisher, träumt vom sorgenfreien Leben und will ihm helfen. Sie kennt jemanden, der den Auftragsmord durchführen könnte – Dillon, der Typ, mit dem sie Bude und Bett teilt. Dillon ist Ire, gewaltbereit und psychisch instabil. So instabil, dass ihn die IRA, zu seinem Leidwesen, nicht als „Mitarbeiter“ duldet. Der Tod der Ehefrau und später, nach dessen Heirat mit Angela, der von Max Fisher, soll Dillon ein angenehmes Leben ermöglichen. Als Max Fisher Dillon beauftragt, entsteht eine unheilvolle Partnerschaft: Die Partner funktionieren nicht so wie gehofft, die Polizei ist nicht so tumb wie geplant und informierte Dritte nicht so abwesend wie erwartet.
Anders als in ihren eigenen Büchern haben in „Bust“ die Comedy-Elemente ein deutliches Übergewicht, alles wirkt nicht so schwarz, so zwingend, so ernsthaft wie sonst. Die Dialoge sind knackig und insgesamt die Geschichte gekonnt schwerelos erzählt. Manche der „One-Liner“ sind sogar, zugegeben, richtig gut und rechtfertigen für sich schon fast den Kauf des Buches. Ansonsten, ich kann mir nicht helfen, hatte ich gelegentlich das Gefühl, dass die Autoren einige der Ideen, die sie in ihren eigenen Büchern nicht unterbringen konnten, einer Verwertung zugeführt haben. Auch die Beschreibung des ersten Tatorts, dominiert von einem Scheißhaufen, den der Täter auf dem Teppich zurückgelassen hatte, war, einschließlich der Wortwahl für das Objekt („turd“) schon mal zu bestaunen –in C. Brookmyres Erstling „Quit Ugly One Morning“. Dass der Hausarzt eines der männlichen Patienten eine, sich phasenweise zum „Running-Gag“ entwickelnde, grassierende Herpes-Seuche mittel Pap-Abstrich (1) nachweisen will, halte ich nicht für eine ironische Kommentierung der Heilkunst, sondern für einen kleinen, eigentlich lässlichen Schnitzer. Dieser rundet jedoch den Eindruck einer gewissen mangelnden Sorgfalt ab.
Insgesamt, aufgrund gelungener Stilistik, einiger sehr guter Sprüche und da man der Handlung das noir-Training der Autoren ansieht, ein unterhaltsames, irisch-selbstironisches Buch. Geeignet für einen Nachmittag am Sandstrand; von Autoren, die es besser, weil liebevoller und substanzieller, können.
(1) Sog. Pap-Abstrich, genannt nach dem Frauenarzt Papanicolaou. Weltweit durchgeführter Abstrich des Gebährmutterhalses im Rahmen der Früherkennung des entsprechenden Krebses. Mit dem Herpesnachweis hat das nichts zu tun. Erst recht nicht bei Männern.
Dr. Bernd Kochanowski
Ken Bruen und Jason Starr: Bust. Hard Case Crime 2006. 254 Seiten. 5,99 €
8. August 2006
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