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Das Treffen von Schwerte

( "Zur Ästhetik der Kriminalliteratur" - so lautete der Titel einer Tagung, die vom 31. Oktober–1. November 2006 im Haus Villigst bei Schwerte über die Bühne ging. Unser Gesellschaftsreporter Joachim Feldmann hat sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen und erstattet nun exklusiv Bericht (bevor er sich wieder seinem anderen Steckenpferd, der verdienstvollen Zeitschrift →"Am Erker" widmet.)

Dass die ästhetische Wertung von Kriminalromanen immer gut für eine zünftige Kontroverse ist, wurde erst vor kurzem wieder an der Auseinandersetzung um das neue Werk von Friedrich Ani deutlich. Allein aus diesem Grund konnte man der Tagung, die einige Dutzend Freunde des Genres zu Allerheiligen in die evangelische Bildungsstätte Villigst in Schwerte trieb, mit Spannung entgegensehen. Als Spiritus rector eröffnete der Germanist Jochen Vogt von der Uni Duisburg-Essen die Veranstaltung mit dem Versuch, Elemente einer künftigen Theorie des Kriminalromans vorzustellen. Dabei sorgte die Frage, inwieweit die Beharrlichkeit, mit der das Krimigenre bis in die neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts hinein den Versuchungen der literarischen Moderne widerstand, als Defizit zu werten sei, für einigen Diskussionsstoff. Vogts These, im Kriminalroman spiele der erzählte Raum eine wichtigere Rolle als die erzählte Zeit und verdiene deshalb besondere interpretatorische Aufmerksamkeit, blieb ebenfalls nicht ohne Widerspruch.

Damit war die Grundlage für anregende weitere Gespräche gelegt, die manche Teilnehmer, tatsächlich hatten sich zu diesem Zeitpunkt die Teilnehmerinnen bereits zurückgezogen, bis weit nach Mitternacht wach hielten. Und immer wieder kam man auf das große Dilemma der Krimi-Kritik zurück, nämlich dass sich nur ein Bruchteil der Lesermassen für eine Auseinandersetzung mit dem Genre interessiert, die über den bloßen Austausch von Trivia hinausgeht.

Am nächsten Morgen untersuchte Walter Delabar mit großer theoretischer Energie, wie der Krimi auf die immer komplexer werdende gesellschaftliche Realität reagiert. Dabei galt sein besonderes Augenmerk neueren Fernsehproduktionen (z B. CSI), die suggerieren, es sei anhand der Untersuchung winzigster Indizien möglich, so etwas wie eine rational nachvollziehbare Beweiskette zu konstruieren, die letztendlich zur Aufklärung des Falles führt. Die Welt bleibt somit prinzipiell eine deutbare, man muss halt nur genau genug hinschauen. Eine andere Reaktionsvariante seien Krimis, in denen eben nicht mehr der Ermittler von der Vorstellung geleitet sei, er könne wieder Ordnung in die gestörten Verhältnisse bringen, sondern der Täter.

Auch Thomas Wörtche sparte im zweiten Referat des Vormittags nicht an Literaturtheorie, um die subversive Kraft des Komischen in der Kriminalliteratur zu analysieren. Romane von Joseph Wambaugh, Carl Hiaasen, Edmund Crispin und vielen anderen lieferten ihm dabei ausreichend Beweismaterial.

Mit einer Diskussion von möglichen Kriterien bei der literarischen Wertung von Kriminalromanen klang die Tagung aus. Thomas Klingenmaier erläuterte am Beispiel der Bücher Uta-Maria Heims, inwieweit der Rückgriff auf regionale Dialektvarianten bereichernd für die sprachliche Gestaltung sein kann. Sein generelles Urteil über die Sprachmächtigkeit vieler deutscher Krimiautoren fiel übrigens ziemlich vernichtend aus. Mit Intertextualität als Qualitätsmerkmal hatte sich der Berichterstatter beschäftigt, und zwar am Beispiel von Reginald Hills bemerkenswertem Roman „Recalled to Life“ (Ins Leben zurückgerufen). An Tobias Gohlis, der die Diskussion moderierte, war es zu fragen, ob denn die Kriterien zur Bewertung von Kriminalromanen grundsätzlich andere seien als jene, welche bei „normaler“ Literatur herangezogen werden. Zu einem Ergebnis kam man hier nicht. Womit unbedingt die Notwendigkeit erwiesen wäre, die Tagungsreihe im kommenden Jahr fortzusetzen.

Joachim Feldmann

3. November 2006

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