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Ken Bruen: The Killing of the Tinkers

Mit „The Killing of the Tinkers“, dem zweiten Band der Jack Taylor Reihe schreibt Ken Bruen die Darstellung eines Alkoholikerlebens am Rande des Abgrunds (und manchmal darüber hinaus) fort. Bestand am Ende von’The Guards’, dem ersten Buch der Jack Taylor Reihe, noch Hoffnung auf Rettung, da Taylor nach einer harten Entziehung trocken nach London zog, erfahren wir nun, dass er dort auf Dauer nicht zurecht kam. Die Schuld die er meint, auf sich geladen zu haben, sie lastete zu schwer auf ihm. Und als er ein Jahr später nach Galway zurückkommt, ist er nun auch noch kokainabhängig.

Dort angekommen, scheint das Leben für ihn so weiter zu gehen, wie vor seiner Abreise. Schnell hat er, der vielleicht einzige Privatdetektiv Irlands, wieder einen Auftrag. Er soll eine Serie von bestialischen Morden an jungen irischen Zigeunern aufklären, für die sich die Polizei nur wenig interessiert. Bald schon kommt ein zweiter Fall hinzu, bei dem es um die Suche nach dem geheimnisvollen Täter geht, der in Galway Schwäne tötet.

Diese beiden Fälle geben dem Buch den formalen Rahmen, um als Krimi durchgehen zu können. Nicht dass „The Killing of the Tinkers“ als Whodunit überzeugt. Jack Taylors Kopf ist voll mit den Dämonen der Vergangenheit, da bleibt nur wenig Zeit für Gewaltverbrechen, die ihn wenig angehen. Den großen Teil der Arbeit erledigt ein kurzfristiger Besucher aus London, den Taylor auf seinen Kneipentouren dort kennen gelernt hatte: Der den Lesern von Bruens Londoner Krimis vertraute Detective Sergeant Brant. Und das was Taylor dann noch selber zu erledigen hat, macht er auch noch falsch. Nein, als Aufklärer ist er wenig überzeugend.

Tut aber nichts. „The Killing of the Tinkers“ ist ein Buch von geradezu schmerzhafter Intensität; voller poetischer Kraft und lyrischer Selbstzerfleischung. Alkohol, Kokain und Literatur sollen Linderung bringen und geben Taylor doch nur selbst Bestätigung. Alkoholismus nicht als Exzess, sondern als lähmende Alltäglichkeit, als quälendes Muss, als stiller Niedergang.

Da wütet der literarische Beistand, den Taylor heraufbeschwört, schon sehr viel exzessiver. Die Fülle der Autoren, deren Worte Taylor helfen sollen, sein Leben in den Griff zu kriegen, ist kaum zu fassen. Anders auch als in „The Guards“ dienen deren, den einzelnen Kapiteln vorangestellten Zitate Ken Bruen nicht nur dazu seinen Text bis zum Ein-Wort-Satz zu reduzieren und das Druckbild hypnotisch auf ein Wort pro Zeile auszudünnen, sondern sie führen auch noch zu Exkursionen Taylors in die Welt der Literaturanalyse.

Der subversive, sich gegen die herrschenden Mächte auflehnende Taylor vermittelt seine Philosophie des Lebens mit einem ultra-schwarzen Humor. Dieser Humor kommt hier wesentlich stimmiger herüber, als bei der zusammen mit Jason Starr verfassten noir-Klamauk-Klamotte „Bust“.

Mag auch der Blogger von ’International Noir Fiction’ immer wieder auf die zahlreichen kleinen Fehler hinweisen, die in den Büchern Bruens vorkommen; so haben die Taylorbücher einen derart starken „Drive“, dass man darüber hinwegsehen kann. Alleine, wundern tut es mich schon, weswegen der Nachname von George P. Pelecanos in diesem Buch in drei verschiedenen Schreibweisen vorkommt.

Dr. Bernd Kochanowski

Ken Bruen: The Killing of the Tinkers. St. Martin Minotaur 2005. 256 Seiten. Ab 8 € (noch keine deutsche Übersetzung)

28. November 2006

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