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Robin Burcell: Cold Case

Robin Burcell schreibt „Police Procedurals“, die im besonderen Maße von Erfahrungen der Autorin im Polizeiberuf zu profitieren scheinen. Im Mittelpunkt ihrer bisher vier Bücher umfassenden, in den USA recht erfolgreichen Serie steht Kate Gillespie, Inspektorin beim San Franzisco Police Department (SFPD).
„Cold Case“, das letzte Buch der Autorin, ist eins jener Bücher, die ein wenig brauchen um auf Touren zu kommen. Anfänglich wirkt manche Wendung, welche die Protagonisten überrascht, ein wenig gekünstelt und für den Leser vorhersehbar. Dann aber, so nach rund einem Drittel des Buches, hat sich Kate Gillespie im Netz der Handlungsstränge verfangen und das Buch den Leser gepackt.
Anfänglich ist es nur ein alter Fall, den Kate ausgräbt und bei dem sie in einer Fernsehsendung die Öffentlichkeit um Mithilfe bittet. Für Kate selber bedeutet der Fall mehr, denn er steht im Zusammenhang mit ihrer eigenen Schussverletzung, die sie vor drei Jahren erlitt und deren Hintergründe immer noch nicht geklärt scheinen.
Bald schon geht es zügig voran: Als sich Kate mit einer Zeugin treffen möchte, werden sie und das sie beschattende Team Zeuge eines Banküberfalls, bei dem der Direktor der Bank erschossen wird. Gleichzeitig tritt das FBI an das SFPD heran und bittet um Mithilfe bei einer Aktion, die sich just gegen jene Bank richtet. Ein Mafia-Pate entpuppt sich als wesentlicher Helfer Kates und überhaupt scheinen zahlreiche der Zeugen untereinander und mit dunklen Geschäften verbunden zu sein. Und als Kate den Bankräuber während eines „Fund-Raisers“ sieht, erlebt sie im Weiteren, wie es ist, Stalking-Opfer zu werden. Mehrfach gerät sie in größte Lebensgefahr.
Und natürlich nicht genug damit, dass der Fall komplex ist. Auch Kates Privatleben ist verzwickt; ist doch der Mann ihre Sehnsüchte ein verschwiegener, zurückhaltender Kollege, der beim FBI arbeitet und bei dem sie nicht so recht weiß, woran sie dran ist.
Ein Buch also für Rätselfreunde, für Krimileser, die Ordnung ins Verhau der Möglichkeiten und Alternativen bringen wollen. Das Buch unterhält und ist spannend. So verworren die Geschichte auch ist, komplex oder gar vielschichtig ist sie jedoch weniger. Ziel ist es, den Leser schwindlig zu spielen, und dieses gelingt Burcell - Punktum. Qualität zeigt das Buch woanders: Während viele Krimis dem Leser das Gefühl geben, Polizeiarbeit sei ein Einzelsport, zeigt Burcell die Aspekte des Teamspiels auf. Keine versoffenen, am Leben zerschellten antisozialen Typen die Recht und Ordnung aufrecht erhalten sollten, sondern Gedankenaustausch in regelmäßigen Teamsitzungen, kein spontanes Treffen mit Zeugen, sondern sorgsam vorbereitete, durchs Team abgesicherte Zusammenkünfte. Und so kann es auch passieren, dass, ehe der Leser sich versieht, schwupps, im Ablauf der Routinearbeit ein wesentlicher Erfolg zu verzeichnen ist.
„Cold Case“ entspricht weitgehend den Vorstellungen, die über knackige Krimiunterhaltung amerikanischer Machart bestehen und ragt aus dem dicht besetzten Mitbewerberfeld durch die glaubwürdige Darstellung der Polizeiarbeit heraus.
Dr. Bernd Kochanowski
Robin Burcell: Cold Case. Avon Books 2004. 276 Seiten. 5,99 € (noch keine deutsche Übersetzung)
16. Januar 2007
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