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Neue Wege des Krimimarketings
Ein bis dato nicht für möglich gehaltener Vorgang erschüttert die literaturverarbeitende Industrie. Erstmals wird der Erwerb eines Buches der erzählenden Literatur an den Erwerb eines Werks der Sekundärliteratur geknüpft. Und das ist noch nicht alles!
Worum geht es? Im Juni wird der neue Krimi von Astrid Paprotta, →„Feuertod“, im Piper Verlag erscheinen. Man kann dieses Produkt selbstverständlich im örtlichen oder Internetbuchhandel erwerben, allerdings: nur gegen Bezugsberechtigungsschein. Dieser wiederum liegt der (hoffentlich im März) vom NordPark Verlag auf den Markt geworfenen Studie „Die Zeichen der Vier. Astrid Paprotta und ihre Ina-Henkel-Kriminalromane“ bei.
Verlangt ein/e potentielle/r Leser/in nun „einmal ‚Feuertod’, bitte“, vermag jedoch den erforderlichen Bezugsberechtigungsschein nicht vorzuweisen, wird ihm die freundliche Buchhändlerin wortlos und kopfschüttelnd →dieses Produkt hier über die Ladentheke schieben. Ist zwar billiger, aber eben kein Paprotta-Originalroman.
Das Procedere im Einzelnen: Man bestelle die Paprotta-Studie (88 Seiten, 12 Euro, Vorbesteller erhalten ein Gratisheftchen zu „literarischen Krimis“) hier vor. Entnehme ihr sodann die beigelegte Karte und fülle sie aus. Name, Anschrift und Nummer des Personalausweises nicht vergessen und vier Fragen beantworten, was nach der Lektüre der Studie nicht mehr schwerfallen dürfte. Mit der vollständig ausgefüllten Karte zur Buchhandlung gehen resp. der Amazon-Bestellung als eingescannte Anlage beifügen. Dreizehn Euro hinlegen – und schon hat man den echten „Feuertod“.
„Wir wollen unser standing im hartumkämpften non-literary-belletristic-Segment optimeisen“, erklärte der Piper-Marketingchef auf Anfrage und weiter: „Eine cross-media-Kooperation mit NordPark, dessen Leadership auf dem crimeculture-Markt unumstritten ist, stärkt unsere streetcredibility bei den critical crime users um wenigstens fünfzig messure points auf der nach open offenen Wörtche-Skala.“
Dabei ist es aber nicht geblieben. Ein Novum ist auch das geschickte textinterne Product Placement. So liest etwa die Hauptfigur des Romans, ein gewisser Willibrord BRAND, abends recht gerne ein paar Seiten Adalbert STIFTER und verweist damit elegant auf die kommende STIFTER-Gesamtausgabe bei dtv. „Find ich gut“, findet die Autorin auf Anfrage, „so hat der Leser, hat die Leserin die reale Chance, den Übeltäter noch vor der letzten Seite zu identifizieren.“
Dass dieser Brand auch nach Feierabend ein Gläschen HENKELL TROCKEN trinkt und dazu den unsterblichen Rockklassiker „IN-A-gadda-da-vida“ von Iron Butterfly hört, kommt nicht nur dem Absatz der Vorgängerkrimis der rührigen Frankfurter Kriminalschriftstellerin zugute, sondern wird von der Getränke- und Musikindustrie dazu noch in barer Münze honoriert. „Früher sind meine Bücher bei ALDI verkauft worden“, erklärte Frau Paprotta auf Anfrage, „jetzt kooperieren wir mit den Herstellern der Warenwelt direkt. Find ich auch gut. Außerdem trinke ich ab und zu selber gerne ein Sektchen und höre BOF-Musik (Anm. der Redaktion: BOF = boring old farts; deutsch etwa: marktrelevante Zielgruppe der 50-60jährigen besserverdienenden Konsumenten)“
Man darf gespannt sein, ob die Rechnung aufgeht. Ein erster Schritt in die richtige Richtung – reißender Abverkauf des NordPark Paprotta-Büchleins – ist hiermit fraglos getan. Wir können dies nur begrüßen und finden es natürlich gut.
dpr
26. Februar 2007
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