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Matti Rönkä: Der Grenzgänger

Der Grafit Verlag wäre gut beraten, jener Person, die für die Akquise finnischer Kriminalromane zuständig ist, eine ordentliche Gehaltserhöhung zu gewähren. Denn nach dem respektablen Harry Nykänen und dem kaum noch zu übertreffenden Pentti Kirstilä flattert uns aus Dortmund nun Matti Rönkä ins Haus – und überzeugt.
Viktor Kärppä nennt sich „Privatdetektiv“, ist jedoch bei genauerem Hinsehen eher ein zwielichtiger Handlanger des organisierten Verbrechens, das sich nach dem Zerfall der Sowjetunion in Finnland etablieren konnte. Estnische und russische Ganoven zumeist sind es, die schwunghaften Handel mit allerhand Ware treiben, mal in die eine, mal in die andere Richtung, Frauen für Finnland, Luxusartikel für Russland, Rauschgift für die ganze Welt. Kärppä ist für den Job prädestiniert. Er stammt aus dem russischen Teil Kareliens, ist also finnischen Ursprungs und kennt ein Menge harter Burschen, für die er Botendienste und Recherchen übernimmt. Einen Verbrecher mag man ihn nicht schimpfen, weit davon entfernt ist er aber kaum.
In „Der Grenzgänger“ bringt ihn ironischerweise ein „ehrlicher Job“ in einige Bedrängnis. Er soll die estnische Ehefrau eines finnischen Antiquars aufspüren; sie ist verschwunden, einfach so. Was die Sache kompliziert: Ihr Bruder ist ein großes Tier im organisierten Verbrechen und gar nicht begeistert von den Aktivitäten dieses Schnüfflers. Überhaupt ist die Szene unruhig geworden. Irgend jemand spielt falsch, hält sich nicht an die Regeln.
Aber nicht die Krimihandlung ist es zuvörderst, die Rönkäs mit dem „Finnischen Krimipreis 2006“ geehrtes Buch aus dem Allerlei der nun schon in jeden abgelegenen skandinavischen Winkel vorgestoßenen „schwedischen Schule“ hebt. Turbulent geht es zu, gerätselt werden darf – im Mittelpunkt jedoch steht dieser Viktor Kärppä, ein Finne, der immer noch Russe ist, aber eben nicht mehr so richtig, „Grenzgänger“ eben. Was das heißt, erklärt uns Rönkä nicht larmoyant, er zeigt es uns einfach. In einer schnörkellosen, fast lakonischen Sprache eröffnet sich eine Szenerie, wie man sie im Europa der zerfallenden Staatsgebilde und offenen Grenzen inzwischen vielerorts besichtigen kann. Hin und her gerissene Menschen, die sich durchschlagen, gefesselt an ihre alten Wurzeln, unfähig, neue zu schlagen.
Kein übliches weinerliches Lamentieren, keine grobmaschigen politisch-gesellschaftlichen Analysen. Kärppä geht einfach seinen Weg. In einem so unterhaltsamen wie aktuellen Kriminalroman, dessen Autor seine reichlich vorhandenen Möglichkeiten gezielt nutzt. Noch einmal: Geben Sie Gehaltserhöhung, Dr. Booß!
dpr
Matti Rönkä: Der Grenzgänger. Grafit 2007 (Original: „Tappajan näköinen mies“, 2002, deutsch von Gabriele Schrey-Vasara). 222 Seiten. 17,90 €
11. April 2007
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