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Titus Keller: Aussortiert

„Aussortiert“: reichlich wirr, glanzlos, wenn auch halbwegs routiniert in Sprache gehauen, das Personal beliebig, das Ende ärgerlich, die Spannung nicht auffindbar. Punkt. Damit könnte es sein Bewenden haben. Wäre nicht der Autor ein „Literat“, der den Geheimniskrämer spielt, aber eigentlich nichts zu verkaufen hat.

Eine Mordserie. Bei jedem Opfer ein Zettel mit lila Schrift: „Zu unsauber für Gott. Aussortiert. Halleluyah“ und ähnliche Scherze. Kein irrer Serienkiller, das wissen wir nämlich von Anfang an, eine falsche Spur soll gelegt werden. So weit, so bekannt. Natürlich glauben die beiden Ermittler, Herr Nabel und Frau Rauch, zunächst genau an diesen Serienkiller. Aber nicht lange. Sie kombinieren ein wenig, Rauschgift kommt ins Spiel, die Russenmafia, die Türkenmafia, ein Polizist, der seine Kollegen mit Kokain versorgt, eine seltsame Gräfin etc.

Es steckt also ein Plan dahinter. Aber, fragt sich der Leser, wozu eigentlich dieser ganze Aufwand? Irgendwann blickt man nicht mehr durch, auch die gegen Ende zunehmenden Erklärungen des Autors helfen da nicht, man ist völlig ratlos. Wie blöde sind eigentlich Verbrecher, dass sie von etwas ablenken wollen, indem sie die Polizei fleißig mit Hinweisen füttern?

Ja, die Polizei, Herr Nabel und Frau Rauch. Herr Nabel war früher mal gut, dann begann er zu saufen, jetzt ist er depressiv und total verliebt in Frau Rauch, die eigentlich ziemlich clever und streberhaft ist, aber auch überarbeitet und deshalb Kokainkonsumentin, was sie aber schnell wieder aufgibt. Es könnte auch alles ganz anders sein, auf die Dramaturgie hat es nämlich keinerlei Auswirkungen. Von den anderen Chargen ganz zu schweigen: ein Klatschreporter von der „Schweinezeitung“ (boah!), gleichzeitig Kokainlieferant, ein Bulle, der für die andere Seite arbeitet, aber auch wieder nicht, so genau weiß er es wohl selber kaum. Ein großer Coup, der im wirklichen Leben niemals hätte gelingen können, in der Fiktion schon. Und so weiter. Man nimmt das ganze Szenario irgendwann nur noch kopfschüttelnd zur Kenntnis. Spannend? Kein bisschen.

Aber der Schluss. Wir versetzen uns in Herrn „Titus Keller“, der, so klappentextet es nebulös, ein bekannter deutscher Schriftsteller sein soll und sich wahrscheinlich gesagt hat: Ich bin ein bekannter deutscher Schriftsteller, der aus welchen Gründen auch immer – ich kenne sie selber nicht – einen Krimi schreibt, es aber nicht kann, aber am Ende halt einmal zeigen will, wie man das Genre hoppsnimmt, mit den Konventionen bricht, einen Hauch „Nachdenken“ einbringt. Hätte er das doch bloß gelassen. Der Schluss nämlich ist allerübelst, aufgesetzt, durch nichts aus dem Vorhergegangenen begründet, ein arrogantes Gespreize, Knalleffekt um des Knalleffekts willen.

Na ja: die Sprache. Da muss „ein bekannter deutscher Schriftsteller“ doch...vergessen Sies. Die Dialoge sind kraftlos und hölzern („Okay, vergiß es. War doof.“ „Was, Chef?“ „Was ich eben vorgeschlagen habe.“ „Längst vergessen, Chef.“), die Sprache das übliche Transportmittel, nichts sonst. Wenn das alles ist, was hierzulande einen Schriftsteller bekannt macht, möchte man fürderhin unter einem dicken Stein vegetieren und sofort den Schwanz einziehen, wenn von irgendwo her das Wort „Literatur“ erschallt.

Nein, „Krimi“ hat er nicht begriffen, der Mann mit dem Pseudonym. Widme er sich in Zukunft seinen seriösen Projekten und erspare sich und uns weitere Zwangsausflüge ins Genre.

dpr

Titus Keller: Aussortiert. Eichborn Berlin 2007. 276 Seiten. 18,90 €

17. Mai 2007

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