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Joanne Harris: Gentlemen and Players

Dieses ist die erste Besprechung eines der Kandidaten für den Edgar des Jahres 2007, Kategorie „Bestes Buch“.

Die britischen Privatschulen für Jungen werden in Büchern gern in einer Mischung aus menschenverachtender Männlichkeit und sportlichem Gentlemengeist dargestellt. Mögen sich im Wandel der Zeit auch die Rituale abgeschliffen haben, etwas von der einstigen Aura der Schulen vermitteln viele Krimis auch heutzutage noch. Joanne Harris Buch „Gentlemen and Players“ spielt auf solche alten Vorstellungen an und ist, da die Kinder und Lehrer modern dargestellt sind, doch der Gegenwart verpflichtet.

Zwei Icherzähler wechseln sich im Buch ab. Der eine, nach einem Bauern im Schach bezeichnet, ist ein junger Mensch, der gerade in der St. Oswald Schule für Jungen seine erste Stelle als Lehrer angetreten hat. Der Bauer erzählt von seiner Rache, die er an der Schule nehmen will und enthüllt Stück für eine Geschichte aus seiner Kindheit, als er in der Ortschaft lebte, sein Vater Hausmeister an der Schule war und für ihn die Schule eine nur ferne (und viel zu teure) Sehnsucht war. Die Rolle des Königs und des zweiten Icherzählers hat Roy Stratley. Stratley ist gewissermaßen Mittler zwischen den Zeiten. Seit 33 Jahren ist er als Lateinlehrer an der Schule tätig und stellt als liebevoll verschrobener Gegner aller krampfhaften Modernismen (bis hin zum Computer) den Geist dar, der da nun mittlerweile untergegangen ist. Dabei ist auch Latein, dessen einzig verbliebener Lehrer Stratley noch ist, ein untergehendes Fach. Da sind im Vergleich Französisch und insbesondere Deutsch viel populärer. Er ist jemand, der auch `mal einen Streich seiner Schüler gegen andere Lehrer deckt, dem alten Männlichkeitsideal von Rohrstock und Peitsche auch früher nie angehangen hat und der Schulleitung im Streitfall gerne ein „pone ubi sol non lucet“ entgegen wirft.

Es ist ein reizvoller Kontrast und geschickter Aufbau. Während Stratley beschreibt, wie sich Eigenartiges an seiner geliebten Schule abspielt, ist der Bauer nicht nur dafür verantwortlich, sondern er beschreibt auch, was er so anstellt und was ihn bewegt.

„Gentlemen and Players“ ist ein warmherziges Buch, voller intelligenter Unterhaltung und geschickt arrangiert. Eher gediegen erzählt und ohne spannungstechnische Gimmicks vorgetragen, ist „Gentlemen and Player“ dennoch ein spannendes Buch, welches den Leser antreibt zu erfahren, wie es denn ausgeht, das „Schachspiel“ zwischen den beiden Erzählern; also durchaus so wie man sich hierzulande einen britischen Krimi vorstellt. Mit einem Spannungsaufbau, der über die Personen entsteht und einer sozialen Ordnung, welche noch einigermaßen in Takt ist. Und auch wenn der Leser meint, dass so viele Fragen nicht offen sind: Am Ende gibt es eine dicke Überraschung.

Wie überhaupt das Schachspiel die große Metapher ist, die das Buch strukturiert. So wird der Bauer nachher, wenn es zum Showdown geht, ebenbürtig zum König als Königin auftreten. Da gibt es dann einen Colin Knight und einen Pat Bishop und das Klassenzimmer Stratleys befindet sich im Bell Tower – nun ja, das ist ganz nett, einen tieferen Sinn vermag ich allerdings nicht darin zu erkennen.

Etwas ärgerlicher ist es da schon, dass die Deutsche Abteilung der Schule ihre prominente Stellung büßen muss. Ist es am Anfang noch ganz witzig, Anspielungen auf Boche und humorless Teutons zu finden und mag es auch noch angehen, dass alle Lehrer der Abteilung (allesamt Engländer) als bärbeißig beschrieben werden, irgendwann fängt es an zu nerven. Dann dürften nur noch die Leser der großen Boulevardzeitungen, mit ihren manchmal immer noch präsenten anti-deutschen Reflexen hoch befriedigt zur Kenntnis nehmen, dass „the Germans, [...] are enjoing their spell of supremacy“ .

Meiner Meinung hat Joanne Harris solche Sachen nicht nötig, und Gnade wird ihr gescheites und ansonsten überzeugendes Buch bei den Lesern dieser Zeitungen trotzdem nicht finden.

Dr. Bernd Kochanowski

Joanne Harris: Gentlemen and Players. Black Swan Book 2006. 507 Seiten. 9,95 € (deutsch: "Das verbotene Haus", Ullstein Verlag, September 2007, 432 Seiten, 8,95 €)

26. Juni 2007

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