News & Texte & Kolumnen
Aktuell 14357Einträge
Zeichnungen & Fotos
Altlasten aus 15 Jahren
Hinternet durchsuchen:
Monatsarchive:
Rubriken
Die aktuellsten Kommentare
• Pieke Biermann: Ohne Kontext: "Jackie Brown, sechsundzwanzig, ausdrucksfreie Miene, sagte, er kommt an ein paar Knar
(mehr...)
• dpr: Oh Frau,Pieke! Ich glaube nicht, dass ich trotz Wirtschaftsabitur sehr viele Boni abgreifen würde...
(mehr...)
• Pieke Biermann: Wenn's um "Kriminal-" geht, ist das Bildungsniveau der meisten Deutschländler so unverwüstlich tv-in
(mehr...)
• dpr: Nee, diese Trümpfe spiel ich erst später aus. Elmore Leonard wurde mal nach seinen zehn Lieblingskri
(mehr...)
• Ludger: Nee, Du musst schon ein bisschen Namedropping betreiben: Norman Mailer (!) hat ihn in die Nähe von H
(mehr...)
• dpr: Danke, Martin. Wir werden deine Anregungen beim nächsten ORGASMUS berücksichtigen...
(mehr...)
• dpr: Man findet auf dem Altpapiermarkt schon noch so einiges... Hm, die Übersetzungen. Die Goldmann'schen
(mehr...)
• tkl: Die Schote, wie ich damals (Ende der Achtziger) mit Higgins bei der Süddeutschen abgeblitzt bin, hab
(mehr...)
• tkl: Die Schote, wie ich damals (Ende der Achtziger) mit Higgins bei der Süddeutschen abgeblitzt bin, hab
(mehr...)
• martin compart: Danke für die Hilfestellungen, die ich künftig berücksichtigen werde. Unter Punkt 3 oder 4 vermisse
(mehr...)
Kammerer wurde noch wahnsinnig.
Das Polizeipräsidium war nicht mehr so, wie er es kennen- und liebengelernt hatte. Mit klarer Aufgabenverteilung und hierarchischen Strukturen. Alles vermischte und verwischte sich. Jetzt hatte dieser Praktikant Jo Kaiser, den Kammerer seit Tagen ergebnislos zu feuern versuchte, dem Polizeipräsidenten eine Antwort auf sein E.A.Poe-Blog geschrieben. Es gäbe ein neues Buch über das Geheimnis der Marie Roget, er hätte es beim >>>Krimiblog gefunden, einem sehr informativen und lustigen Blog aus Hamburg. Kenne es der Polizeipräsident? Nein? Da entginge ihm aber was ...
Unterschrieben hatte er mit Praktikant Jo Kaiser, Abteilung Kriminalpolizeiinspektion, Leitung Fritz Kammerer.
Kammerer schoss vom Stuhl hoch, um den Praktikanten zu erdrosseln, da sah er die Antwort des Polizeipräsidenten: Er liebe Blogs und nun säßen sie hier im gleichen Gebäude ... Kaiser im ersten, der Polizeipräsident im vierten und unterhielten sich über Edgar Allan Poe ... er könne gar nicht ausdrücken, wie sehr ihn das freue ... dass es noch jemanden in diesem tristen Gebäude gäbe, der Poe schätze ... von wegen die Kripo liebe die Bücher nicht ... und dann gleich Poe ... ob er, Kaiser, Zeit hätte zum Lunch in der Kantine ... er würde gern seine Bloggererfahrungen mit ihm austauschen.
Lunch zusammen in der Kantine? „Unterstehen Sie sich, mit dem Polizeipräsidenten zu essen!“, brüllte Kammerer, aber schon schaltete der Teufelspraktikant seine Antwort frei: „Sehr gern! Um halb Eins! Horatio bloggt übrigens auch – Horatio Wickius! Er stellt seinen Lesern kleine Rätsel und sie müssen dann raten, wer es ist. Meistens errät Giorgio Negrini es, aber nur, weil er als erster auf ist.“
Kammerer schleppte sich nach nebenan in Anna Bellers Büro, die müßig die Füße auf den Tisch gelegt hatte und ein Buch las, weil >>>nichts zu tun war.
„Empfehlung von Wickius!“, sagte sie. „Gedichte von Goethe ... Horatio retardiert.“
Kammerer ließ sich zentnerschwer in den Sessel fallen. „Auf Herz und Niere, Anna: Haben Sie auch ein Blog?“
„Warum?“
„Der Polizeipräsident hat eins. Er luncht mit Kaiser - den ich zu feuern versuche - und redet mit ihm über Poe!“
„Das mit dem Feuern hat sowieso nicht gefunzt, Fritz.“ Anna nannte ihn den Polizeioberrat Fritz, wenn sie ihn trösten musste.
Kammerer sah an die Decke. „Ob ich auch Bücher lesen soll? Das ist doch blöd, wenn ich überall nicht mithalten kann ... Aber was ich Sie noch fragen wollte, haben wir schon diesen Mörder mit dem Damenhöschen aus meiner Nachbarschaft?“
Anna schüttelte den Kopf. „Nein, noch nicht. Wir haben keinen Gerichtsmediziner. Bzw. wir haben einen, aber der ist jetzt in Kaiserslautern.“
„Na toll. Und jetzt?“
„Haben wir Ersatz aus Kanada. Giorgio holt Barbra ... Barbra .... Barbra ... ich komm nicht auf den Nachnamen ... in Karlsruhe ab. Und die macht sich dann an diese Höschen.“
Kammerer war ans Fenster getreten und sah in den Hof hinunter, der vor Hitze flirrte. Es war ein Jahrhundertsommer und Kammerer hatte das Gefühl, dass er nun schon zum dritten Mal im Jahr anfinge. Jedes Jahr hatte er einen Serientraum im Frühling, in dem die Herbstblätter von den Bäumen fielen. Dieser Traum war dieses Jahr ausgeblieben. Stattdessen Gewitter und kein Tag unter 30 Grad.
Sein Blick heftete sich auf eine knubbelige Gestalt, die auf einem merkwürdigen Gefährt in überhöhter Geschwindigkeit auf den Hof geschlingert kam, den Abstand zur Mauer verpeilte und dagegen rauschte.
„Was zum Teufel ...!“
Anna war neben Kammerer getreten. „Ah, das ist Horatio! Er hat seinen >>>Segway noch nicht richtig im Griff.“
„Seinen was?“
„Ein Elektroroller für eine Person. Aber wir passen auch zu zweit drauf.“
„Sie fahren mit Wickius damit durch die Stadt?“
„Ja, aber dann bremse ich.“
Unten rappelte sich Horatio Wickius sich vom Boden auf und nahm einige Unterlagen aus seinem Metallkorb. Lachend sah er zu ihrem Fenster auf und schwenkte sie. „Ich hab was gefunden, Chef! Wird Sie interessieren!“
„C h e f ? Wieso nennt der mich Chef?“
Kammerer schwankte. Wickius bretterte mit einem Elektroroller gegen die Parkplatzmauer, der Polizeipräsident war beim Mittagessen mit einem übereifrigen Praktikanten und eine kanadische Gerichtsmedizinerin war im Anmarsch (wahrscheinlich mit 127 neuen Ermittlungsmethoden), die sich als Erstes mit Damenhöschen aus seiner Nachbarschaft befassen musste.
Ausgerechnet!
6. Juni 2007
* * *
↑ Weblog-Index
← Watching the detectives:
Alligatorersatz 060607, Sonderernte
→ Watching the detectives:
Robert Brack: Schneewittchens Sarg






