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Allan Guthrie: Hard Man

Wie der Mongolensturm über Europa, wie Katrina über die Golfküste, wie Feuersbrünste in den Städten nach Bombenangriffen. „Hard Man“ fegt über den Leser hinweg. Das Buch inszeniert Gewalt, wie es nur selten ein Buch tut. Gewalt so real und unscheinbar wie Gewalt nur sein kann, die in den Vorstädten vorkommt und die so leicht in der Zeitung zu überblättern ist. Keine Gewalt, die sich, zum gedeihlichen Pläsier des Wohlstandbürgers, aus dem Wahn eines Menschen Bahn bricht und keine dieser schicken Grauslichkeiten, mit denen Gerichtsmedizinerinnen die Welt unterhalten.
„Hard Man“ erzählt eine Geschichte von Kriminellen, von Kleinkriminellen, um genau zu sein. Hier wird ums Überleben gerungen, kriminelle Führungspersönlichkeiten mit einem Haufen Angestellten kommen hier nicht vor: Pearce ist seit einer Weile aus dem Bau, er hatte den Dealer umgebracht, der seiner Schwester die Überdosis verschafft hatte. Als er ’rauskam, musste er zusehen, wie seine Mutter erstochen wurde, seitdem fehlt ihm, dem ehemaligen Geldeintreiber, ein wenig Biss. Er lebt mit seinem Hund in einer Wohnung am Hafen und weiß nichts Rechtes anzufangen. Die Baxters, Vater und zwei Söhne, bieten ihm einen Job an: Sie sorgt sich um die Tochter der Familie. Die 16 jährige hat Wallace, ihren Mann verlassen und wird nun von diesem verfolgt. Der Vater und die beiden Brüder hatten schon ’mal versucht mit Wallace zu reden. Aber drei gegen einen, da hatten sie keine Chance. Auch wenn Pearce anfänglich gar keine Lust hat, den Auftrag anzunehmen, irgendwie, so ist bald klar, wird es wohl auf einen Zweikampf zwischen ihm und Wallace ’rauslaufen.
“Introspection was for cissies and lags. Time to get the dog, go home, watch some mindless crap on TV. Or read his library books. He’d picked up a couple of American crime novels, having developed a taste for them while he was in prison. Anything to pass the time. Anything to forget about the past. Just get the fucking dog. Okay. Where was the little bastard ?”
Der Leser folgt dem steten Strom der Gedanken der Protagonisten. So gesehen, steht in „Hard Man“ nicht die Action im Vordergrund ... Diese Einblicke in die Personen hinein, dem Wechsel der Perspektive folgend, sind intim. So intim wie auch die Freunde und Familienmitglieder die Personen nicht wahrnehmen können. Menschen entstehen so. Menschen, die nicht unbedingt liebenswert sind, aber glaubwürdig wirken.
Das Buch ist witzig, lustig, überdreht. Dass ein Gekreuzigter auftritt und dieser Brian heißt, weist den Weg - und doch ist es kein Humorkrimi: Die Gewalt selber, sie ist kaum ein Grund zum Scherzen. Mit dieser Kombination ragt „Hard Man“ aus der Masse scheinbar ähnlicher Bücher heraus.
Und Allan Guthrie kann schreiben: Die Perspektive in der 3. Person wechselt von Person zu Person, bis sie, in der Darstellung eines Drogenwahns, die für sich gesehen schon ein Schmankerl ist und mit Raymond Chandlers Beschreibung in „Farewell, my Lovely“ mithalten kann, bei zwei Personen gleichzeitig weilt, deren Sichtweisen ineinander geschachtelt parallel zu bestaunen sind.
„Hard Man“ ist ein literarisches Kunstwerk. Eines, das eine abwechslungs- und fintenreichen Story erzählt, die derart reich vorgetragen wird, dass man fast übersehen könnte, dass sie einen ernsten Kern hat, wie nur wenige und eine gesellschaftliche Gruppe ins Blickfeld rückt, die es nicht nur im nebligen und trüben Edinburgh gibt .
Dr. Bernd Kochanowski
Allan Guthrie: Hard Man. Polygon 2007. 268 Seiten. 16,95 € (noch keine deutsche Übersetzung)
14. August 2007
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