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Olov Svedelid: Als vermisst gemeldet

Zwischen den beiden hohen Wellen des „kritischen Schwedenkrimis“ floss die eine und andere solide Spannungskost aus dem Norden in die deutschen Lande. Ohne für Furore zu sorgen, aber das ist halt der Preis, den man für Nichtwellenreiten zu zahlen hat. Olov Svedelid, in seiner Heimat äußerst beliebt, hat hierzulande die Popularität von Sjöwall / Wahlöö oder Mankell nie erreicht.

Dabei ist das, was Svedelid zu bieten hat, grundsolide. Nicht mehr, nicht weniger. Der in der „Schwedischen Kriminalbibliothek“ vorgelegte Roman „Als vermisst gemeldet“ beweist es. Im ersten Abenteuer des Svedelidschen Serienhelden Roland Hassel geht es um einen verschwundenen Weinvertreter, der gleichzeitig als Geschäftsführer eines illegalen Spielclubs arbeitet. Inspektor Hassel, der kurz zuvor die Ehefrau des Vermissten kennengelernt hat, ermittelt. Es entwickelt sich ein aktionreicher und kurzweiliger Krimi, Hassel entpuppt sich als flapsiger, bisweilen jedoch moralisch rigider Gesell, man prügelt und belügt sich, Verfolgungsjagden und bizarre Mordversuche gehören zu den bewährten Ingredienzien.

Über diese recht konventionelle Fütterung der gierigen Lesermäuler hinaus wird „Als vermisst gemeldet“ jedoch interessant, wenn man sich mit dem Erscheinungsjahr des Romans beschäftigt: 1972. Wir erinnern uns: 1972 erschien „Verschlossen und verriegelt“; jener der zehn Sjöwall / Wahlöö – Krimis, der die schwarze Utopie des Autorenduos vom faschistischen Polizeistaat Schweden endgültig manifestierte. Auf sehr bitter-ironische Weise, bis zum Klamauk, die Beliebigkeit von Recht und Ordnung in einer glänzenden Pointe illustrierend.

Auch in „Als vermisst gemeldet“ geht es um „Polizeikritik“, wenn auch so ganz anders, dass man annehmen könnte, Sjöwall / Wahlöö und Svedelid hätten auf zwei Planeten gearbeitet. In Hassels Kollegenkreis nämlich gibt es einen Verräter, der die Verbrecher mit Tipps versorgt. Als man ihn endlich enttarnt, zeigt sich Hassel als moralischer Hardliner, der keine Gnade kennt und die Ehre des Polizeikorps über alles stellt. Denn die Zeiten sind danach: Die Gewalt nimmt zu, das Verbrechen wird international. Da nimmt es nicht wunder, dass hinter dem illegalen Glücksspiel kein Schwede, sondern ein Engländer steckt.

„Ein Land nach dem anderen war in den letzten Jahren brutalisiert worden. In Frankreich tobte ein gnadenloser Kampf zwischen der Polizei und einem Verbrechertum, das nach fast militärischem Muster organisiert war, und dieser Kampf wurde von beiden Seiten mit erschreckender Härte geführt. Deutschland – dort erlebte die Gewalt eine neue Renaissance. Kopenhagen, die Stadt des heiteren Lächelns – hemmungslose Gewalt und eine steil ansteigende Kurve der Straftaten. England – der Preis eines Menschenlebens lag weit unter Kurs. Und nun unser Schweden!“

Man hat die düsteren Profezeiungen von Sjöwall / Wahlöö bisweilen als überzogen bezeichnet. Liest man Hassels Zustandsbericht der Welt von 1972, dürfte der Ausdruck „überzogen“ fast schon untertrieben sein. Aber genau aus diesen Argumenten lasen Sjöwall / Wahlöö die aufziehende Militarisierung der Polizei. Panikmache als Weichkochgarant. Und das kommt einem seltsam vertraut vor, oder?

dpr

Olov Svedelid: Als vermisst gemeldet. Neuer Europa Verlag 2006 (Original: „Anmäld Försvunnen“, 1972, deutsch von A.O. Schwede). 224 Seiten. 12,90 €

3. August 2007

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