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Juan Damonte: Ciao Papá

„Sie haben den Franzosen freigelassen, und der sucht dich. Die Bullen sind am Durchdrehen. Sie haben Tato identifiziert, der James Bonds Kriegsflugzeug geklaut hat [Tato ist Carlitos Cousin, hat eine Kaserne überfallen und dort geheimes Militärgerät entwendet. bk]. Die gesamte Schmiere ist auf der Strasse, Carlitos. Es ist schon bescheuert genug, dass wir uns hierhin setzen und Drogen haben. Los, lass uns zu mir gehen, nur wir zwei.“

Argentinien zur Zeit der Militärjunta. Das Land ist in der Hand von Schergen, die alles dürfen und noch mehr machen. Es gibt Möglichkeiten sich zu arrangieren, wen sie aber auf dem Kicker haben, der hat’s schwer. Carlitos Tomassini z.B. Gerade 30 Jahre alt geworden, Kleinkrimineller und frisch aus der Haft, Teil einer verlorenen Generation, dröhnt sich zu mit Koks und Alkohol. Seine Onkel, Mafiabosse allesamt, möchten ein Geschäft mit ihm aufbauen. Vorausgesetzt, er ließe ab von den Drogen ... nun ja, versprechen kann er es mal. Aber alles wird hinfällig, als seine Lieblingstante vergewaltigt und zusammengeschlagen wird, ihr Sohn entführt. Carlitos verspricht nach ihm zu suchen.

„ Carlitos, sei kein Dummkopf. Sie knallen alle ab, und wenn wir nicht vorsichtig sind, töten sie auch uns. Wenn sie ihn nicht töten, stecken sie ihn in ein Loch voller Scheiße in Gott weiß welcher Gegend dieses Landes, und dort bleibt er bis zu seinem Tod. Oder bis unser Herr Jesus Christus heruntersteigt auf einer Wolke und Tomaten scheißt, damit die Armen zu essen haben und bis er uns allen ein Land beschert, in dem Frieden und Harmonie herrschen.“

So gnadenlos wie die Realität ist im Buch die Sprache der Dialoge: „Fick deine Schwester, Carlitos.“ „Eine Schwester habe ich nicht, drum öffne du mir deine Beine.“. Wer spricht so? Wo reden (männliche) Freunde so miteinander? Roh, ungewaschen kommt die Sprache daher; sie wirkt authentisch und ist deshalb stimmig.

Willkür und Gewalt können jeden treffen. Hingucken ist tödlich, aber auch weggucken schützt nicht automatisch. Die kurze Geschichte steigert sich von einem fast gemütlichen Anfang in einen Rausch: Wie eine Vorahnung der Hölle ist das, was Carlitos sieht, als er sich mit seinem Freund, dem Dicken aufmacht, eine Leiche zu suchen und dabei durch die Müllberge der Stadt watet. Müllberge, die von den Schergen der Junta genutzt werden, um dort ihre Leichen zum Verbrennen abzuladen: Leichen, denen halbe Köpfe fehlen, deren Gesichter versengt, Penisse verstümmelt und Gliedmassen abgesägt oder abgerissen wurden.

„Ciao Papa“ ist packend, tiefsinnig und kompromisslos. Es ist kein Buch für Leser, die mit Lektüre der Realität fliehen möchten, sondern führt vor, was Krimis, was Bücher leisten können.

Dr. Bernd Kochanowski

Juan Damonte: Ciao Papá. Lateinamerika Verlag 2007 (übersetzt von Peter Tremp). 188 Seiten. 14,50 €

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4. September 2007

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