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Als Bettvorleger gelandet?

Das Kriminalhörspiel zu fördern und „ins Gespräch“ zu bringen, ist per se eine gute Sache. Dass, wer eine Bude auf dem Markt hat, auch schreien muss, wusste man schon in den 50er Jahren, und die modernen Zeiten verlangen events, theatralisches, inszeniertes Schreien. So war man gespannt, als →"an diesem historischen 16. Januar“ der Radio-Tatort als Äquivalent zur TV-Reihe mit einer Produktion des Westdeutschen Rundfunks startete. Die Latte lag hoch.

Peter Meisenbergers „Der Emir“ ist inhaltlich wie formal guter Durchschnitt, wenn man als Maß jenes über die Zeit gewachsene Standardmodell „Kriminalhörspiel“ zu Grunde legt. Sprich: Eine Geschichte wird, mehr oder weniger stringent, erzählt, von O-Tönen und Musik unterstützt. Mit Radioavantgarde hat das nichts zu tun, muss es auch nicht.

Ein Mädchenhändler, der titelgebende „Emir“, möchte auch ins Drogengeschäft einsteigen. Das LKA Düsseldorf sucht einen verdeckten Ermittler, der in des Emirs Umfeld gelangen kann, und findet endlich Hauptkommissar Nadir Taraki, der schon einmal mit dem Emir zu tun hatte, entlarvt wurde und seither auf der schwarzen Liste des Gangsters steht. Tatsächlich schafft es Taraki, den Emir zu kontaktieren. Er schlägt ihm ein riskantes Geschäft vor, gerät in Lebensgefahr, doch der Emir wird zur Strecke gebracht und Taraki, zur Zeit im Archiv tätig, kommt wieder ins aufregende kriminalpolizeiliche Tagesgeschäft, aus dem uns weitere Fälle via Radio-Tatort zugetragen werden.

Dass die Story an einigen, durchaus entscheidenden Stellen hinsichtlich ihrer inneren Logik ein wenig hakt, kann nicht überraschen. Warum der Emir Taraki, den er für den Tod seines kleinen Bruders verantwortlich macht, nicht schon längst getötet hat, wird ebenso wenig klar wie seine Absicht, es ausgerechnet jetzt zu tun, wo sich Taraki in der Höhle des Löwen befindet und dieser davon ausgehen muss, dass die Polizei darüber informiert ist. Auch der Showdown ist reichlich aufgesetzt, aber hier rächt sich die quantitative Begrenztheit eines Hörspiels von knapp 50 Minuten Dauer.

Das ist der Punkt. „Der Emir“ ist eine auf Hörspielanforderungen heruntergebrochene Erzählung oder, andersrum, ein vertonter Krimi, wie er sich z.B. für die Reihe „kaliber .64“ der Edition Nautilus eignen würde. Inhaltlich das, was man „realitätsnah“ nennt: der Protagonist halb Afghane, halb Deutscher, ein paar Anmerkungen zur bundesdeutschen Wirklichkeit, ein leicht islamophober Kollege.

Also in jeder Hinsicht nichts Besonderes. Und so erschöpft sich bislang die prognostizierte Erfrischung der vor sich hin dämmernden Gattung „Kriminalhörspiel“ im reinen Medienereignis, in der Tatsache, dass sich alle Anstalten des öffentlichen Rechts zusammenraufen und auf ein gemeinsames Konzept einigen konnten. Das verschafft dem Kriminalhörspiel Aufmerksamkeit. Sie über die Kurzlebigkeit des Eventhaften hinaus am Leben zu erhalten, wird allerdings schwer. Von Aufbruchstimmung kann künstlerisch bisher keine Rede sein, dazu müsste das Schielen nach der Risikolosigkeit des Bewährten einem klaren Blick auf mögliche formale Erweiterungen weichen. Film und Fernsehen machen es – wenngleich selten hierzulande – vor.

dpr

Peter Meisenberg (Autor) / Thomas Leutzbach (Regisseur): Der Emir. WDR 2008. ca. 50 Minuten (eine mp3-Datei steht bis zum 23.01.08 zum →Download bereit)

18. Januar 2008

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